SCHUFA-Auskunft – Alle wichtigen Infos und Tipps Scoring, Einträge und kostenlose Auskunft: Das solltet ihr wissen Artikel vom 19.09.2014

Ihr möchtet einen neuen Mobilfunkvertrag, die neue Wohnungseinrichtung per Ratenkredit zahlen oder das neue Auto leasen? Dann kommt ihr an der SCHUFA nicht vorbei. Die SCHUFA speichert Informationen über das Zahlungsverhalten von Verbrauchern in Deutschland. Der aktuelle Datenbestand umfasst 682 Millionen Informationen zu 66,3 Millionen Privatpersonen und 4,2 Millionen Unternehmen. Doch wie genau kommen eure Einträge bei der SCHUFA zustande, welche Daten werden gespeichert und wofür braucht ihr eine SCHUFA-Auskunft? Das erklären wir euch in unserem Ratgeber.

SCHUFA-Auskunft – Alle wichtigen Infos und Tipps

Was ist die SCHUFA und was speichert sie?

Die 1927 gegründete Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, SCHUFA, ist die größte Wirtschaftsauskunft Deutschlands. Sie ist keine Behörde, sondern ein rein privatrechtliches Unternehmen. Aufgabe der SCHUFA Holding AG ist die Überprüfung der Kreditwürdigkeit von Privatpersonen. Dafür sammelt sie umfangreiche Daten von den deutschen Verbrauchern. Dazu gehören eure persönlichen Daten wie euer Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Geschlecht, eure aktuelle Adresse, frühere Anschriften und auch Merkmale über euer Geschäftsverhalten, wie:

  • GirokontenDie SCHUFA sammelt umfangreiche Daten von den deutschen Verbrauchern.
  • Kreditkarten
  • Mobilfunk- und Telekommunikationsverträge
  • Kundenkonten bei Versandhändlern und Online-Shops
  • Ratenzahlungsgeschäfte
  • Leasingverträge
  • Kredite
  • Bürgschaften

Darüber hinaus erfasst die SCHUFA, ob Zahlungsstörungen oder Vertragsverletzungen vorliegen, ob Kreditkarten eingezogen werden sowie die Laufzeiten bei Krediten bis hin zu Vollstreckungsmaßnahmen, wie eidesstattlichen Versicherungen oder Insolvenzverfahren. Euer Familienstand, Arbeitgeber, Einkommen, Vermögen, Mitgliedschaften oder eure Nationalität werden nicht gespeichert.

Woher bekommt die SCHUFA eure Daten?

Die SCHUFA recherchiert die Daten nicht selbst, sie erhält die Informationen über euch von ihre Vertragspartnern. Diese sind beispielsweise Banken, Bausparkassen, Versicherungen, Kaufhäuser, Versandhandelsunternehmen, Leasinggesellschaften oder Telekommunikationsunternehmen. Zusätzlich wertet die SCHUFA die Schuldnerverzeichnisse der deutschen Amtsgerichte aus.

Die SCHUFA erhebt die Daten nicht selbst, sie erhält sie von ihren Vertragspartnern.Für die Weitergabe von Daten an die SCHUFA gelten die Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG). Die Vertragspartner sind dazu verpflichtet, eure ausdrückliche Erlaubnis einzuholen, bevor sie eure Daten weitergeben. Eröffnet ihr ein Konto, schließt einen Handyvertrag ab oder nehmt einen Kredit auf, müsst ihr die sogenannte SCHUFA-Klausel unterschreiben. Damit willigt ihr ein, dass eure Daten an die SCHUFA übermittelt werden und entbindet den Vertragspartner beispielweise vom Bankgeheimnis. Ihr könnt der SCHUFA-Klausel jederzeit wiedersprechen sowie eure bereits gegebene Einwilligung zurückziehen. Allerdings müsst ihr damit rechnen, dass der gewünschte Vertrag dann nicht zustande kommt.

Die SCHUFA-Auskunft – Wer darf eure Daten sehen?

Die SCHUFA arbeitet nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit: Informationen bekommen nur Vertragspartner, die auch Daten an die SCHUFA weiterleiten. Unterschieden wird nach A-Vertragspartnern und B-Vertragspartnern. Sogenannte A-Verträge erhalten zum Beispiel Banken, Kreditinstitute oder Leasinggesellschaften. Diese melden uneingeschränkt sowohl negative als auch positive Merkmale ihrer Kunden. B-Vertragspartner sind beispielsweise Einzelhandels- und Versandhandelsunternehmen. Sie melden der SCHUFA nur negative Merkmale. Unter positiven Merkmalen versteht man beispielsweise die rechtzeitige Rückzahlung eines Kredits und zu den negativen Merkmalen gehören Zahlungsausfälle.

Vertragspartner melden negative als auch positive Merkmale ihrer Kunden.Die SCHUFA kommt ins Spiel, wenn ihr ein Girokonto eröffnet, einen Kredit aufnehmt, online oder per Katalog shoppt. Für bestimmte Verträge fragen die Vertragspartner bei der SCHUFA nach euren Daten und Informationen. Einige Unternehmen wie beispielsweise Ebay nehmen die SCHUFA in Anspruch, um bei der Eröffnung eines Benutzerkontos die Identität des Nutzers zu überprüfen. Auch im Jugendschutz spielt die SCHUFA eine Rolle, da sie zum Beispiel Altersauskünfte erteilen kann, wenn ihr im Internet Alkohol, Tabak oder DVDs mit FSK18-Freigabe bestellen wollt.

SPARWELT-Tipp: Weitere Informationen dazu gibt euch Anna-Lena Rawe von der SCHUFA in unserem Interview „Die Arbeitsweise beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit“. Hier könnt ihr genau nachlesen, wer alles was über euch wissen darf.

Das sagt der SCHUFA-Score über euch aus

Bevor ihr einen Kredit aufnehmt oder etwas auf Raten kauft, möchten euch Unternehmen möglichst gut einschätzen können. Sie wollen wissen, ob ihr euren Verpflichtungen nachkommt, um sich vor Zahlungsausfällen schützen. Diese Information gibt die SCHUFA in Form eines sogenannten Scores (englisch: Punktstand) an. Bei diesem Scoring wird mit den gesammelten Informationen und Erfahrungen aus der Vergangenheit eine Prognose über euch erstellt.

Basis-Score und Branchen-Score
 Die Score-Werte sind Prozentwerte zwischen 1 und 100.Die SCHUFA unterscheidet zwischen dem Basis-Score und branchenspezifischen Scores. Der Basis-Score wird alle drei Monate, die Branchen-Scores dagegen täglich und individuell nach Branche neu berechnet. Die speziellen individuellen und branchenspezifischen Scores, für Banken, Telekommunikations-unternehmen oder den Versandhandel, können von eurem Basis-Score abweichen. Denn ob ihr einen Kredit zur Finanzierung eines Hauses zurückzahlt oder eine Rechnung nach einer Bestellung im Versandhandel termingerecht bezahlt, wird unterschiedlich gewertet.

Die Score-Werte sind Prozentwerte zwischen 1 und 100, die per Computer ermittelt werden. Die Berechnung erfolgt auf Basis der von euch gespeicherten Informationen, wie beispielsweise die Eröffnung von Girokonten, den Besitz von Kreditkarten oder Mobilfunkverträgen. Bei einem hohen Wert kann sich der SCHUFA-Vertragspartner sicher sein, dass ihr euren Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Je niedriger euer Wert, desto schlechter ist eure Prognose. Der SCHUFA-Vertragspartner muss damit rechnen, dass es bei euch einen Zahlungsausfall gibt. Allerdings bietet der Score-Wert nur eine Orientierung, die die Geschäftspartner in ihre Entscheidung einbeziehen.

Der Ermittlung und Weitergabe eurer Score-Werte könnt ihr schriftlich bei der SCHUFA widersprechen. Dies kann sich allerdings negativ auf den Abschluss von Verträgen auswirken. Da die Unternehmen so keine Anhaltspunkte über euer künftiges Zahlungsverhalten haben, können sie euch als Kunden ablehnen.

Kostenlose SCHUFA-Selbstauskunft

Die kostenlose SCHUFA-Auskunft findet ihr unter: „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“.Es empfiehlt sich, einmal jährlich euren Score anzufordern und eure Einträge zu überprüfen und gegebenenfalls Fehler zu beanstanden. Auch Vermieter oder Arbeitgeber verlangen meist eine selbst eingeholte Auskunft von euch als Sicherheit. Nach Paragraf 34 des Bundesdatenschutzgesetzes habt ihr das Recht, eure Daten bei der SCHUFA kostenfrei einzusehen. Einmal jährlich könnt ihr eure persönliche SCHUFA-Auskunft kostenlos anfordern. Das entsprechende Formular für die kostenlose SCHUFA-Auskunft findet ihr versteckt unter dem Menüpunkt „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“. Füllt die Unterlagen aus, legt eine gut lesbare beidseitige Kopie eures Personalausweises oder Reisepasses bei und schickt es an die SCHUFA.

Möchtet ihr jederzeit auf eure Daten zugreifen und weitere Einblicke über gespeicherte Informationen von euch erhalten, könnt ihr dies über die kostenpflichtige „Bonitätsauskunft“ und „SCHUFA-Auskunft online“ tun. Die Bonitätsauskunft kostet 24,95 Euro. Für die SCHUFA-Auskunft online zahlt ihr eine einmalige Registrierungsgebühr von 18,50 Euro und erhaltet über einen Online-Zugang jederzeit alle Informationen, die bei der SCHUFA über euch gespeichert sind.

Kontaktmöglichkeiten bei fehlerhafter SCHUFA-Auskunft
Solltet ihr feststellen, dass bei eurer SCHUFA-Auskunft etwas unvollständig, nicht mehr aktuell oder unzutreffend ist, muss die SCHUFA dies umgehend kostenlos korrigieren. Reicht euer Anliegen schriftlich an das Verbraucherservicezentrum der SCHUFA. Textvorlagen hierfür stellen euch zum Beispiel die Verbraucherzentralen zur Verfügung. Hilfreich sind Kopien von Unterlagen oder Dokumenten, wie Quittungen, die euer Anliegen bestätigen. Telefonisch erreicht ihr das Service-Team der SCHUFA unter der Rufnummer 0611 92 78 0 (zum Ortstarif).

Wann werden Einträge gelöscht?

Für das Löschen von personenbezogenen Einträgen und Daten gibt es unterschiedliche gesetzliche Grundlagen und Fristen:

Umgehende Löschung von Einträgen:

  • Girokonten: sofort nach KündigungFür das Löschen von Einträgen muss die SCHUFA Fristen einhalten.
  • Kreditkarten: sofort nach Kündigung
  • Handyverträge: sofort nach Kündigung
  • Bürgschaften: sofort nach Kündigung

Speichern der Daten bis zu 12 Monate:

  • Auskunftsanfragen: Eigen- und Fremdauskünfte

Löschen von Einträgen nach 3 Jahren:

  • Ratenkredite: 3 Jahre nach Rückzahlung
  • Baufinanzierungen: 3 Jahre nach Rückzahlung
  • Mahnbescheide: am Ende des 3. Jahres, nach Tilgung aller Forderungen
  • verspätete Ratenzahlungen: am Ende des 3. Jahres, nach Tilgung aller Forderungen
  • Vollstreckungen: am Ende des 3. Jahres, nach Tilgung aller Forderungen
  • eidesstattliche Versicherungen: am Ende des 3. Jahres, nach Tilgung aller Forderungen
  • nichtvertragsgemäßes Verhalten bei Girokonten, Kreditkarten, Mobilfunkverträgen und Krediten: am Ende des 3. Jahres, nach Tilgung aller Forderungen
  • Insolvenzen: am Ende des 3. Jahres, nach Tilgung aller Forderungen

Ein längerfristiges Speichern eurer Daten ist insbesondere dann möglich, wenn ihr beispielsweise eine Forderung längere Zeit nicht ausgleicht. Diese genannten Fristen muss die SCHUFA einhalten. Allerdings unterlaufen der SCHUFA immer wieder Fehler. Mit der kostenlosen SCHUFA-Auskunft überprüft ihr selbst, ob eure gespeicherten Daten korrekt und aktuell sind.

Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Die Eröffnung eines Girokontos, die Finanzierung eines Autos oder ein neuer Mobilfunkvertrag –
die SCHUFA und deren Score ist ein wesentlicher Bestandteil bei vielen Verträgen. Mit eurer Unterschrift unter der sogenannten SCHUFA-Klausel erklärt ihr euer Einverständnis, dass die Daten bei der SCHUFA gespeichert werden. Ihr als Verbraucher habt einen gesetzlichen Anspruch darauf, jährlich eine kostenlose SCHUFA-Auskunft über eure gespeicherten Daten zu erhalten. Solltet ihr falsche oder veraltete Angaben entdecken, könnt ihr Widerspruch einlegen und eure Daten korrigieren lassen. Das ist wichtig, um eine positive Einschätzung eurer Person als Kunde und Vertragspartner sicherzustellen.

Eure Janet

 

Bildnachweis:
Teaserbild: SCHUFA
Bilder: SCHUFA

 

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