Studium finanzieren mit Bafög

 

 

So klappt es mit der Studienfinanzierung

Ein Studium ist nicht gerade billig. Miete, Studiengebühren, Lebensmittel, Internet, Versicherungen – da kommt einiges an Kosten zusammen. Viele Eltern unterstützen ihre Kinder natürlich wo sie können, doch nicht immer reicht es für ein Studium. Glücklicherweise bieten sich noch einige andere Möglichkeiten, um die eigene Ausbildung zu finanzieren.

 

Alles rund ums BAföG

Etwa ein Drittel aller deutschen Studierenden bekommt Unterstützung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Diese staatlichen Zuschüsse sollen der Förderung junger Menschen in ihrer Ausbildung dienen und die Studienfinanzierung ermöglichen, ganz unabhängig von sozialer und wirtschaftlicher Lage. Studenten erhalten in der Regel einen monatlichen Betrag. Der Höchstsatz beträgt dabei 670 Euro im Monat. Bei der Berechnung der Fördermittel werden zudem Einkommen und Vermögen der Eltern und weitere Familienumstände miteinbezogen. Diese Daten werden mittlerweile mit dem Finanzamt abgeglichen. Falsche Angaben können also ernsthafte Folgen nach sich ziehen und zu Vorstrafen führen. Die Zahlungen fallen je nach Situation unterschiedlich hoch aus. Wenn während des Studiums ein Praktikum oder ein Nebenjob zu einem kleinen Einkommen führen, wirkt sich das natürlich auf den Betrag aus und man erhält geringere Fördermittel. Momentan werden Freibeträge von 400 Euro monatlich gewährt, diese werden jedoch ab Oktober 2016 auf 450 Euro erhöht.

 

Tipps von Stefan Grob, Studentenwerke

 

Für die Studienfinanzierung gilt das Gleiche wie fürs Studium selbst: Mache einen Plan! Man muss als Student oder Studentin realistisch kalkulieren, welche Einnahmen man hat, und welche Ausgaben. Im Bundesdurchschnitt haben Studierende in Deutschland 864 Euro im Monat zur Verfügung, aber Achtung, das ist ein Durchschnittswert! Rund ein Viertel hat weniger als 600 Euro zur Verfügung. Man muss genau wissen, was die Miete im Monat kostet, welche weiteren Ausgaben und welche Ansprüche man hat. Und einen Puffer braucht man auch!

Quelle: Stefan Grob von http://www.studentenwerke.de/
Bildcredit: Foto: Kay Herschelmann

 

BAföG trotz Fachrichtungswechsel

Ein Fachrichtungswechsel kann sich auch auf die Zahlungen auswirken. Wer jedoch bis zum Ende des dritten Fachsemesters den Studiengang wechseln möchte, muss sich keine Sorgen machen, vorausgesetzt die Begründung wird anerkannt. Bei einem späteren Wechsel kann nur dann weiter BAföG bezogen werden, wenn der Grund eindeutig nachvollziehbar ist oder man im neuen Studiengang in ein ausreichend hohes Semester eingestuft wird. In solchen Fällen sind Beratungsstellen wie die des Studentenwerkes Berlin hilfreich.

 

Wer hat ein Recht auf BAföG?

Berechtigt sind grundsätzliche alle Studenten von staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres, aber auch Besuche an weiterführenden Bildungseinrichtungen können durch BAföG gefördert werden. Master-Studenten können bis zum Ende ihres 35. Lebensjahres Zahlungen empfangen. Zuerst besteht jedoch eine Verpflichtung, das eigene Vermögen und das der Eltern für die Ausbildung zu verwenden. Beträgt dieses mehr als 5.200 Euro besteht zunächst kein Recht auf die staatliche Förderung. Neben Hochschulen kann auch Unterstützung für die Ausbildung an Berufsfachschulen oder normalen Schulen beantragt werden. Wer nicht mehr bei den Eltern wohnt, hat zusätzlich Anspruch auf eine sogenannte Wohnpauschale von 224 Euro. Sobald die Förderung bewilligt wurde, ist man als BAföG-Empfänger auch berechtigt, sich vom Rundfunkbeitrag befreien zu lassen.

 

Den BAföG-Antrag stellen

Jeder Antrag wird direkt beim BAföG-Amt eingereicht oder online ausgefüllt und übermittelt. Ab dem vierten Semester müssen dem Amt Leistungsnachweise vorgelegt werden, sodass garantiert ist, dass der Studierende auch wirklich Leistungen an der Hochschule erbringt. Dabei gilt zu beachten, dass die Bearbeitungen der Anträge mehrere Wochen dauern können. Es ist daher ratsam, alle Anträge so früh wie möglich einzuschicken, am besten zwei Monate vor Beginn des Studiums. Auch Anträge auf Weiterförderung müssen rechtzeitig eingehen, sodass die Förderung ohne Pause fortgesetzt werden kann. Da die Anträge teilweise sehr undurchsichtig gestaltet sind und für viele Unsicherheit besteht, ob sich ein Antrag lohnt, ist es ratsam, die Beratungsstellen des Asta und des Studentenwerkes Berlin zu besuchen. Hier kennt man sich mit der Thematik gut aus.

 

Förderungsdauer & Rückzahlung

Generell orientiert sich die Förderungsdauer an der Regelstudienzeit des Studiengangs, die in der Studienordnung festgelegt ist. Mit dem Abschluss endet auch die Leistung nach dem BAföG. Unter bestimmten Voraussetzungen, wie etwa einem Urlaubssemester oder Teilzeitstudium kann sich die Förderungsdauer jedoch verlängern. Da BAföG-Leistungen eine staatliche Unterstützung sind, setzen sie sich aus einer Hälfte rückzahlungsfreier Zuschüsse und einer Hälfte Darlehen zusammen, welches allerdings nicht verzinst wird. Für die Rückzahlungen ist reichlich Zeit – meistens bis zu 20 Jahre. Die höchstens 10.000 Euro können auf einmal oder in Raten bezahlt werden. Rabatte gibt es, wenn das Studium besonders gut oder schnell abgeschlossen wird oder die Rückzahlung auf einen Schlag erfolgt.

 

BAföG-Förderung auch im Ausland

Ein Auslands-BAföG hilft bei der Finanzierung eines Semesters im Ausland. Das kann sich auch dann lohnen, wenn man in Deutschland keine Förderung bezieht, denn auch bei höherem Einkommen oder Vermögen werden in diesem Fall Unterstützungen bewilligt. Auch die Fördersummen sind für Auslandssemester wesentlich höher. Es werden Zuschüsse für Studiengebühren bis zu 4.600 Euro und die Reisekosten gewährt. Dafür muss das Auslandssemester vor Ablauf der Regelstudienzeit angetreten werden. Mittlerweile können auch Studenten mit deutscher Staatsbürgerschaft, die bisher nicht in Deutschland gewohnt haben, diese Unterstützung erhalten.

 

Tipps von Dana Voss, Elternkompass

 

Sind das passende Studienfach und die Hochschule erst mal gefunden, stellt sich die bekannte Frage: „Wer soll das bezahlen?“ Grundsätzlich gilt: Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten der Finanzierung, niemand sollte sich durch die Kosten von einem Studium abschrecken lassen. Wichtig ist, sich breit aufzustellen und verschiedene Möglichkeiten bereits frühzeitig in Betracht zu ziehen. Gerade Stipendien sind bei vielen Studierenden noch immer weitestgehend unbekannt, dabei gibt es in Deutschland tausende von Stipendiengebern für verschiede Zielgruppen. Häufig ist eine Bewerbung schon vor dem Studienstart möglich, sodass man bereits im ersten Semester finanzielle Unterstützung erhält. Darüber hinaus bringt ein Stipendium auch noch neue Kontakte und eine ideelle Unterstützung mit sich. Beides hilft z.B. auf dem Weg zu interessanten Nebenjobs oder Praktika. Für die Suche nach einem passenden Stipendium gibt es spezielle Suchmaschinen und auch der Elternkompass der Stiftung der Deutschen Wirtschaft berät Interessierte kostenlos telefonisch oder per E-Mail.

Quelle: Dana Voss, Referentin Elternkompass von www.elternkompass.info

 

 

 

Stipendium und weitere Fördermöglichkeiten fürs Studium

Neben dem BAföG gibt es noch weitere Optionen, sich ein Studium zu finanzieren, etwa über ein Stipendium oder einen Kredit. Um einen Überblick über die Optionen zu erhalten, kann auch die Finanzierungsberatung des Studentenwerks Berlin in Anspruch genommen werden. Für alle, die keine staatliche Förderung erhalten, gibt es andere Möglichkeiten. Auch ein Weiterbildungsstipendium oder ähnliches hilft bei der Finanzierung.

 

Per Bildungskredit das Studium finanzieren

Eine Möglichkeit der Studienfinanzierung ist es, einen Bildungskredit aufzunehmen. So kann sich voll aufs Studium konzentriert werden, da man nebenher nicht arbeiten muss. Und anders als bei staatlichen Förderungen werden hier Mittel unabhängig von Einkommen und Vermögen der Eltern bewilligt. Allerdings besteht auch kein rechtlicher Anspruch auf solche Kredite. Meist kann man bis zu maximal 24 Monaten eine monatliche Rate von 300 Euro erhalten. Innerhalb eines Bildungsabschnittes, also beispielsweise einem Bachelor-Studium, liegt die Höchstgrenze bei 7.200 Euro. Natürlich muss die komplette Summe später mit Zinsen zurückgezahlt werden. Wer also für andere Unterstützungen berechtigt ist, muss sich gut überlegen, ob diese Variante sinnvoll ist. Solche Kredite lohnen sich oftmals nur dann, wenn keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten verfügbar sind.

 

Hilfe durch ein Stipendium

Neben Krediten ist auch die klassische Begabtenförderung eine Option, um zusätzliche Förderung zu erhalten, die außerdem nicht zurückgezahlt werden muss. Es ist jedoch ein Irrtum, dass man nur mit einem Notendurchschnitt von 1,0 ein Stipendium bekommen kann. Für viele Programme sind die Anforderungen nicht so drastisch hoch. Wer sich beispielsweise auf ein Deutschland-Stipendium bewirbt, hat Aussichten auf 300 Euro monatlich. Dafür müssen jedoch Leistungen in der Hochschule und ein vielversprechender Werdegang vorgewiesen werden. Empfehlungen von Professoren und Lehrenden, die die herausragenden Leistungen bestätigen, verhelfen oftmals auch zu einer Zusage. Von Vorteil ist bei einer Bewerbung auch gesellschaftliches Engagement. Für Studenten, die bereits eine Ausbildung absolviert oder anderweitige Praxiserfahrung haben, steht auch eine Förderung über ein Aufstiegsstipendium zur Debatte. Hiermit soll besonderes Talent und Engagement gefördert werden. Aber auch andere Einrichtungen der Begabtenförderungswerke vergeben Stipendien. Dabei ist nicht immer allein die finanzielle Förderung von Interesse, auch Übernahme von Büchergeldern, Fahrtkosten oder Studiengebühren können bewilligt werden. Politische Parteien und Organisationen vergeben ebenfalls Stipendien an ihre Mitglieder.

 

 

 

 

Jobs in Berlin – arbeiten während des Studiums

Ein eigenes Einkommen hilft auch, das Studium zu finanzieren, oder sich wenigstens neben der Unterstützung der Eltern noch etwas dazu zu verdienen. Beliebt sind unbefristete Nebenjobs auf 450 Euro Basis, da die Arbeitszeiten häufig flexibel sind und sich gut mit dem Studium kombinieren lassen. Sehr beliebt bei Studenten sind auch gelegentliche Aushilfs- oder Ferienjobs, wie etwa als Babysitter oder Umzugshelfer. Dank einer privaten Vermittlung läuft die Suche hier meist unkompliziert ab.

 

Studentenjobs – Geld verdienen und Erfahrungen sammeln

Mit wachsender Studienerfahrung ist es sinnvoll, sich auf eine Stelle zu bewerben, die dem Studiengang und einem späteren Berufswunsch entsprechen. Vor allem die praktischen Erfahrungen, die hier gesammelt werden können, sind wertvoll für den Berufseinstieg nach dem Hochschulabschluss. Stellenanzeigen lassen sich entweder auf Aushängen der jeweiligen Fakultäten oder häufig auf speziellen Job-Plattformen für Studenten im Internet finden. Ersteres hat den Vorteil, dass die Fachbereiche meist nur Angebote aushängen, die für die jeweiligen Studiengänge auch wirklich relevant sind.

 

Praktika – Verbindung von Theorie und Praxis

Berlin bietet viele Möglichkeiten, sich nebenher mit einem Studentenjob etwas dazu zu verdienen. Zu den Klassikern gehören unter anderem Praktika, bei denen die Bezahlung je nach Fachrichtung und Vorerfahrung variieren kann. Da Praktika meist sehr zeitintensiv sind, lohnen sie sich mehr, um Praxiswissen zu erlernen. Für viele zukünftige Unternehmen signalisiert dies Interesse und Engagement. So lässt sich ein wenig Geld verdienen und zugleich etwas für die Karriere tun.

 

Hochschulinterne Jobs für Studenten

Der Arbeitgeber Universität ist eine gute Alternative zu Jobs in der freien Wirtschaft. Bereits ab dem zweiten oder dritten Semester können sich Studenten auf Tutorenstellen bewerben. Häufig muss pro Woche ein zweistündiges Tutorium gehalten werden, das in Absprache mit Professoren und Dozenten gestaltet wird. Die Bezahlung erfolgt nach einem festgelegten monatlichen Betrag. Oftmals zahlen die Fakultäten zwischen 12-17 Euro die Stunde. Die Anzahl der Stunden, die abgerechnet werden können, ist jedoch oft vorher festgelegt.

Auch wissenschaftliche Hilfskräfte werden häufig gesucht. Die Aufgaben bestehen vor allem in der Unterstützung von Dozenten: Texte recherchieren und kopieren, die Vorlesung vorbereiten oder Klausuren korrigieren. Während man Geld verdient, kann so das eigene Fachwissen enorm aufgebessert werden. Zudem bekommt der Studierende Einblicke in aktuelle Forschungen und kann sich mit Lehrenden austauschen. Doch die Hochschulen haben noch eine Vielzahl anderer Beschäftigungen parat: Aushilfe in den Bibliotheken, Redakteur für die Studienzeitung und vieles mehr. Daher lohnt es sich, immer wieder nach internen Angeboten Ausschau zu halten und sich dann rasch zu bewerben. Oftmals gibt es Aushänge in den Uni-Gebäuden mit aktuellen Stellen.

 

Tipps von Katja Urbatsch, arbeiterkind.de

 

Wir ermutigen jeden, immer die Finanzierungsoption BAföG zu prüfen und sich nicht auf die Annahmen von anderen zu verlassen. Es wäre schade, wenn selbst kleinere Summen von 100 oder 200 Euro pro Monat verschenkt würden. Mit unseren Ehrenamtlichen vor Ort kann jeder Ratsuchende über BAföG und Studienfinanzierung reden und sich Unterstützung holen. Unsere Ehrenamtlichen sind häufig selbst Studierende der ersten Generation und kennen sich mit Finanzierungsmöglichkeiten und BAföG sehr gut aus. Auch über Stipendien, Studentenjobs und Studienkredite gibt es bei ArbeiterKind.de wertvolle Tipps.

Quelle: Katja Urbatsch, Gründerin und Geschäftsführerin von www.arbeiterkind.de/
Foto: Nadine Wojcik

 

 

 

Bild-Quellen:
junge-frau-museum:Ryan McGuire, kind-malen-kreide:istock.com/Halfpoint, buecher-bibliothek: istock.com/Wavebreakmedia, sparschwein-doktorhut: istock.com/artisteer, junge-frau-einkaufen: istock.com/sanjeri, junger-mann-studieren: istock.com/skynesher, junge-frau-zeichnen: istock.com/Geber86, glas-geld-sproessling: istock.com/tuk69tuk, studenten-zimmer-blau: istock.com/KatarzynaBialasiewicz