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Schwangerschaft, Krankheit oder Umzug – Wann kann ich den Fitnessstudio-Vertrag kündigen?

Wir sagen euch, wann ihr euren Fitnessstudio-Vertrag vorzeitig kündigen könnt
Wir sagen euch, wann ihr euren Fitnessstudio-Vertrag vorzeitig kündigen könnt

Ein Ratgeber rund um Vertragsfallen und das Sonderkündigungsrecht

Der Vertrag mit dem Fitnessstudio ist schnell unterschrieben und ihr beginnt euer Training voller Tatendrang. Doch nach Abschluss der meist einjährigen Verträge kann so einiges passieren. Was zum Beispiel, wenn ihr umzieht, schwanger werdet oder krankheitsbedingt doch nicht mehr trainieren könnt? Diese und weitere heikle Fragen haben wir zusammen mit dem Anwalt Thomas Hollweck geklärt. Am Ende des Artikels wartet außerdem eine Checkliste auf euch, die euch dabei hilft, überhaupt das richtige Fitnessstudio zu finden.

Thomas Hollweck zum Thema Fitnessstudio-Vertrag kündigen

Rechtsanwalt Thomas Hollweck lebt und arbeitet in Berlin. Seine Kanzlei hat den Schwerpunkt auf das Verbraucherrecht gelegt. Die Kanzlei Hollweck begreift sich dabei als Schnittstelle zwischen Verbraucher und Unternehmen zur gütlichen und einvernehmlichen Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zum Vorteil des Kunden.

 

Einige Studios wie Elixia und Holmes Place deklarieren keine Preise auf ihrer Homepage. Wieso nicht?

„Preise werden zum einen dann nicht auf der Homepage benannt, wenn diese erheblich teurer sind als bei anderen Fitnessstudios. Man möchte in einem solchen Fall den Kunden zunächst in das Studio locken, meist im Rahmen eines Probetrainings. Dann ist das potentielle „Opfer“ erst mal vor Ort und man hat die Möglichkeit, durch geschicktes Argumentieren zum Vertragsabschluss zu überreden. Leider kenne ich viele Fälle aus meinem Kanzleialltag, in denen Kunden auf diese Weise in einen Vertrag gedrängt wurden, obwohl sie diesen eigentlich gar nicht wollten.

Der zweite Grund ist der, dass das Studio verschiedene Preise anbietet, die sich regelmäßig ändern. Je nach Situation kann das Fitnessstudio dann unterschiedliche Mitgliedsbeiträge vereinbaren. Diese Fälle gibt es oft und haben die Konsequenz, dass Kunden unzufrieden reagieren, sobald sie von anderen Trainierenden erfahren, dass diese beispielsweise ein wesentlich günstigeres Vertragsmodell angeboten bekommen haben. In beiden Fällen solltet ihr solche Studios meiden, da aufgrund undurchsichtiger Beitragsstruktur evtl. ein zu teurer Vertrag abgeschlossen wird.“

Habt ihr unregelmäßige Abbuchungen bemerkt, bittet euer Studio um eine schriftliche Stellungnahme, die jede einzelne Abbuchung erklärt. In euer Schreiben könnt ihr gleichzeitig die außerordentliche Kündigung mit aufnehmen, falls das Studio eine Erklärung verweigert oder diese nicht abgeben kann.

Es wurde ein zu hoher Beitrag abgebucht – was kann ich tun?

Wurde ein falscher Beitrag von eurem Konto abgebucht, solltet ihr unverzüglich euer Fitnessstudio kontaktieren und um Klärung bitten. Solltet ihr keine Antwort erhalten, könnt ihr bei eurer Bank eine Rückbuchung veranlassen. Anschließend müsst ihr den korrekten Betrag überweisen. Beachtet, dass eine Rückbuchung nur innerhalb von acht Wochen ab dem Datum der Kontobelastung möglich ist.

Ich bin umgezogen. Kann ich in der neuen Stadt problemlos weitertrainieren?

„Handelt es sich bei eurem Fitnessstudio um eine Kette, die in mehreren Städten Filialen unterhält, so kann bei einem Umzug im Regelfall problemlos in der neuen Stadt weitertrainiert werden. Oft wird diese Möglichkeit bereits in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Vertragsabschluss festgehalten. Manchmal ist das jedoch nicht der Fall und der Kunde muss seinen Wunsch auf Vertragsfortsetzung in der neuen Stadt selbst geltend machen. Liegt diese Situation bei euch vor, so kontaktiert sowohl das alte als auch das neue Studio und schildert die Situation. Meist findet sich eine vernünftige Lösung. Nur selten kommt es hier zu Problemen – zum Beispiel dann, wenn die jeweiligen Studios zwar zur selben Kette gehören, aber an verschiedenen Standorten unterschiedliche Preise verlangen.“

Tipp der Redaktion: Wer standortunabhängig trainieren möchte, sollte die Mitgliedschaft in einem Online-Fitnessstudio in Betracht ziehen. Was genau das ist und für wen es geeignet ist, erfahrt ihr hier.

Ich bin unzufrieden mit dem Studio: Es ist unsauber, überfüllt und der Service ist schlecht. Sind das hinreichende Kündigungsgründe?

Lässt der Service in eurem Studio derart nach, dass ihr euch dadurch beeinträchtigt fühlt, so müsst ihr das nicht akzeptieren.

Viele Studios werben insbesondere nach einer Neueröffnung mit tollem Service und persönlicher Betreuung, um möglich zahlreiche neue Mitglieder anzuwerben.  Langfristig können diese Versprechen oftmals nicht eingehalten werden und es kommt zu Unzufriedenheit auf Seite der Mitglieder.

Wendet euch mit euren Problemen und Sorgen zunächst an euer Studio. Nimmt das Fitnessstudio die Änderungen in einer von euch gesetzten Frist nicht wahr, könnt ihr außerordentlich kündigen.

Geht es nicht nur um Service oder Sauberkeit, sondern um den Zustand der Trainingsgeräte, solltet ihr besonders kritisch sein, rät auch unser Anwalt: "Das Landgericht Coburg hat mit Urteil vom 03.02.2009 (Az. 23 O 249/06) festgestellt, dass an die Wartung von Trainingsgeräten besonders hohe Anforderungen zu stellen sind. Der Kunde eines Fitnessstudios muss sich darauf verlassen können, dass die Trainingsgeräte in einem ordnungsgemäßen Zustand sind und regelmäßigen Kontrollen unterzogen werden." 

Der BGH hat in seinem Grundsatzurteil vom 08.02.2012 (Az. XII ZR 42/10) bestätigt, dass eine Schwangerschaft einen außerordentlichen Kündigungsgrund darstellt, um den Fitnessstudio-Vertrag zu beenden.

Kann ich bei Schwangerschaft vorzeitig aus dem Fitnessstudio-Vertrag kommen bzw. muss ich das Pausieren meines Vertrages akzeptieren?

Das Pausieren des Vertrags ist eine Möglichkeit, um während einer Schwangerschaft nicht zahlen zu müssen, wenn ihr in dieser Zeit dem Training nicht nachkommen wollt. In diesem Fall können die Monate an die Vertragslaufzeit angehängt werden, sodass sich diese um die beitragsfreien Monate verlängert. Alternativ kann der Vertrag auch außerordentlich gekündigt werden. Denn bei Neuabschluss warten oftmals bessere Konditionen auf euch, sodass sich diese Variante empfiehlt.

Ich kann krankheitsbedingt nicht mehr trainieren. Muss ich zum Amtsarzt gehen und muss ich dem Fitnessstudio mein Krankheitsbild nennen?

„Das Fitnessstudio darf euch auf keinen Fall zu einem eigenen Arzt oder zu einem Amtsarzt schicken. Es muss das von euch vorgelegte Attest eures Arztes akzeptieren. Grundsätzlich muss euer Attest keine genaue Krankheit benennen, es muss lediglich darlegen, dass ihr dauerhaft erkrankt seid, zumindest bis zum Ende der Vertragslaufzeit und dass ihr aus diesem Grund keinen weiteren Sport im Fitnesscenter betreiben dürft. Um Streitigkeiten vorzubeugen, solltet ihr aber von eurem Arzt sowohl die genaue Bezeichnung der Krankheit auf dem Attest vermerken lassen als auch den Beginn der Erkrankung. Im Idealfall kann euer Arzt die Krankheit etwas näher beschreiben und vor allem benennen, warum die Betätigung in einem Fitnessstudio negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben könnte. Es sollte erkennbar sein, warum ihr weder an den Kursen teilnehmen noch die Geräte nutzen dürft. Manche Ärzte schaffen es aus Zeitmangel leider nicht, solch ein umfangreiches Attest auszustellen. Ist das bei euch der Fall, so schildert selbst eure Erkrankung und welche Schmerzen und Probleme ein weiteres Training für euch bedeuten würde.

Solche ausführlichen Erklärungen sind wichtig, denn sie helfen, dass das Studio die Kündigung akzeptiert. Andernfalls kann das Fitnesscenter die krankheitsbedingte Kündigung vor einem Amtsgericht überprüfen lassen, sollte es euch oder eurem Arzt nicht glauben. Leider kommt das manchmal vor – vor allem dann, wenn ein Fitnessstudio mit einer unseriösen Rechtsanwaltskanzlei zusammenarbeitet, der es eher um den eigenen Gewinn als um die kundenfreundliche Behandlung eines erkrankten Mitglieds geht. Solche Kanzleien lassen dann jeden einzelnen Fall vor dem Amtsgericht richterlich überprüfen, nur um die hierfür anfallenden Rechtsanwaltsgebühren abrechnen zu können. Um derartigen Auswüchsen anwaltlichen Gewinnstrebens entgegenzutreten, ist es sinnvoll, von Anfang an eine gut begründete Kündigung einzureichen und diese mit einem entsprechenden Attest zu belegen.“

Ein Vertrag kann immer dann vorzeitig beendet werden, wenn Probleme oder Störungen im Vertragsverhältnis auftauchen.

Gibt es weitere Sonderkündigungsgründe?

Sollten Störungen während des Vertragsverhältnisses mit dem Fitnessstudio auftreten, könnt ihr vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen, also außerordentlich kündigen. Gründe können folgende sein: Wegfall von bestimmten Serviceleistungen wie Kinderbetreuung oder Kursangebot, Brand- und Wasserschäden, Änderungen der Öffnungszeiten, aber auch die Umwandlung eines Frauen-Fitnessstudios in ein gemischtes Studio.

Ich habe vergessen, den Vertrag mit dem Fitnessstudio fristgerecht zu kündigen – verlängert sich mein Vertrag automatisch um die ursprüngliche Laufzeit?

„Leider ja, denn bei ordentlichen Kündigungen zum Ende der Vertragslaufzeit kommt es entscheidend darauf an, die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist einzuhalten. Habt ihr die Frist verpasst, so hilft nur noch ein persönliches Gespräch mit dem Studioinhaber, um vielleicht auf dem Wege der Kulanz einen vorzeitigen Vertragsausstieg zu vereinbaren.“

Was tun wenn ich keine Kündigungsbestätigung erhalten habe?

„Grundsätzlich benötigt ihr keine Kündigungsbestätigung, wenn ihr per Einschreiben mit Rückschein oder per Fax mit Sendeberichtsbestätigung gekündigt habt. Ihr haltet dann bereits einen Nachweis darüber in den Händen, dass der Studiobetreiber die Kündigung erhalten hat. Aus Gründen der Rechtssicherheit solltet ihr dennoch um eine Bestätigung der Kündigung bitten. Es reicht dabei aus, wenn man euch  im Studio die Kündigung mit Stempel und Unterschrift bestätigt.“

Wir bedanken uns bei Herrn Hollweck für das Beantworten der wichtigsten Fragen rund um den Fitnessstudio-Vertrag.  

 

Checkliste: So findet ihr das richtige Fitnessstudio

Findet das richtige Fitnessstudio, bevor ihr den Vertrag unterschreibt

Ihr habt noch gar keinen Fitnessstudio-Vertrag unterschrieben, sondern überlegt noch, welcher Anbieter der richtige für euch ist? Macht euch zunächst bewusst, was ihr euch eigentlich von eurem Training versprecht, um für euch das richtige Fitnessstudio zu finden und dort gerne zu trainieren. Bevor ihr euch im günstigeren Studio nicht wohlfühlt und daher schnell das Training schleifen lasst, solltet ihr lieber ein paar Euro mehr investieren. Mit unseren Tipps fällt euch die Entscheidung sicherlich leichter:

  • Welcher Trainingstyp seid ihr? Genügen euch Gewichte, wollt ihr ein zusätzliches Kursangebot oder träumt ihr von der riesigen Saunalandschaft und einem regelmäßigen Besuch des Solariums? Wollt ihr möglichst anonym trainieren oder strebt ihr nach einer Rundumbetreuung? Könnt ihr diese Fragen beantworten, wird bereits deutlich, ob für euch eher eine Studiokette à la McFit, doch lieber das inhabergeführte Fitnesssstudio oder der Luxus-Trainingspalast in Frage kommt.
  • Wie lange wollt ihr euch binden? Wenn ihr noch nicht sicher seid, ob das Training in einem Fitnessclub überhaupt zu euch passt, schließt nicht gleich einen Vertrag über zwei Jahre ab. Oftmals gibt es Schnupperangebote von 1 bis 3 Monaten, die zwar pro Monat entsprechend teurer sind, dafür aber die Möglichkeit bieten, zeitnah aus dem Vertragsverhältnis zu scheiden.
  • Auch ein Probetraining ist optimal, um euch einen ersten Eindruck zu verschaffen. Vereinbart am besten einen Termin zu der Uhrzeit, zu der ihr auch zukünftig trainieren würdet. So erhaltet ihr nicht nur einen Eindruck der allgemeinen Atmosphäre, sondern seht gleichzeitig, wie voll und laut es zu eurer bevorzugten Trainingszeit ist.

Tipp der Redaktion: Für kostenlose Probemonate, zum Beispiel bei FitnessFirst, findet ihr hier Gutscheincodes. Klärt vorab versteckte Kosten: Braucht ihr ein eigenes Spindschloss, kostet das Duschen vor Ort extra? Wie sieht es mit Getränken und Zusatzangeboten aus? Insbesondere in sehr günstigen Studios lauern oftmals versteckte Kosten.

 

Wir hoffen, dass wir die für euch wichtigsten Fragen rund um den Vertrag mit dem Fitnessstudio geklärt haben. Solltet ihr dennoch weitere Fragen zum Thema haben, dann stellt sie uns in den Kommentaren unter dem Text.

 

Weiterführende Informationen:

http://www.kanzlei-hollweck.de/ratgeber/der-vertrag-mit-dem-fitnessstudio/
Bilder: istock@EXTREME-PHOTOGRAPHER 
(Teaser)

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Über Elisabeth

Während ihres Studiums zur Kommunikationsmanagerin sammelte die Berlinerin wertvolle Berufserfahrung auf Konzern- und Agenturseite. Nach ihrem Abschluss stieg sie bei dem Onlineshop tausendkind ein und leitete dort die Redaktion. Weitere Startup-Erfahrung sammelte sie bei Kyto, wo sie den Content-Bereich verantwortete. Seit Oktober 2014 unterstützt sie SPARWELT als Senior Redakteurin und widmet sich mit großer Leidenschaft Themen, mit denen sie Lesern einen echten Mehrwert bietet.

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