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Wetten, dass auch ihr jährlich über 200 Euro wegwerft?

Ab heute bewusster einkaufen und essen – mit unseren Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Jeder von uns wirft tagtäglich Lebensmittel weg: Übriggebliebenes vom Vortag, vergammeltes Obst und Gemüse, hartes Brot oder auch den vermeintlich nicht mehr genießbaren Aufschnitt. Insgesamt kommen so 82 Kilogramm im Jahr zusammen¹, was entweder 1367 Brötchen, 683 Bananen oder 328 großen Bechern Joghurt entspricht. Das sind jährlich über 200 Euro pro Person, die einfach im Müll landen. Viel Geld, das ihr ebenso gut in einen Wochenendtrip investiert oder auf dem Sparkonto anlegt.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, haben wir mit Frederic Goldkorn von ugly fruits gesprochen. Ugly fruits setzt sich aktiv gegen Lebensmittelverschwendung ein und hat sich zum Ziel gesetzt, Obst und Gemüse, das optisch aus der Reihe tanzt, einer breiten Öffentlichkeit als durchaus genießbar zu vermitteln. Der Mitgründer des Unternehmens verrät, dass es wohl kaum möglich sein wird, die schiere Menge an weggeworfenem Essen von jetzt auf gleich zu reduzieren. Hält man sich jedoch an seine Tipps, wirft man tatsächlich erheblich weniger weg und spart damit bares Geld.

 

Warum werfen wir überhaupt so viel Essen weg?

Lebensmittelverschwendung beginnt nicht erst beim Verbraucher. Etwa 17 Prozent der Essensabfälle gehen auf die Lebensmittelindustrie und Handelsketten zurück¹. Diese orientieren sich selbstredend an gesetzlichen Standards bzw. legen eigene, meist strengere Kriterien zugrunde, gemäß denen Form, Farbe oder Größe einzelner Produkte eben normgerecht und tadellos sein müssen. Gibt es hierbei Abweichungen, landen die Artikel gar nicht erst im Supermarkt. Bereits bei der Ernte wird ausgesiebt und Bauern müssen bis zu 40 Prozent ihres Ertrags entsorgen², weil diese nicht dem vom Handel verlangten Schönheitsideal entsprechen. Auch Gaststätten und Kantinen sind nicht unschuldig an den Müllbergen. Hier einzugreifen ist als Endverbraucher allerdings nahezu unmöglich. Aber was in der eigenen Einkaufstasche landet und schließlich in der heimischen Küche verwertet oder eben weggeworfen wird, können wir immerhin selbst bestimmen – wir müssen uns unserer Verbrauchermacht nur bewusst werden.

Warum Privathaushalte überhaupt so viel wegwerfen, hat laut Herrn Goldkorn hauptsächlich drei Gründe:

„1. Wir kaufen spontan Lebensmittel, die gut aussehen, die wir aber für gewöhnlich nicht verwenden.
2. Lebensmittel werden falsch gelagert.
3. Wir kochen zu viel und die Reste wandern in die Tonne.“

 

Einfrieren, einkochen, dörren: So einfach spart man sich das Wegwerfen

Beim Wocheneinkauf lauert die Versuchung, die benötigten Lebensmittelmengen falsch zu kalkulieren. Hier hilft die gute alte Einkaufsliste ungemein, um sich nicht von Spontankäufen leiten zu lassen: „Wenn man sich vorher schon Gedanken gemacht hat, was man eigentlich benötigt, kauft man viel zielstrebiger ein und lässt sich nicht durch schön platzierte und beworbene Produkte zu Spontankäufen animieren.“ Wer Zettel und Stift zu altmodisch findet, sollte eine Einkaufs-App ausprobieren, die alle benötigten Utensilien auf dem Smartphone verwaltet. Die ungemein hilfreiche App „Einkaufszettel“ beispielsweise kann kostenlos heruntergeladen werden.

Das Wichtigste ist, bedarfsgerecht einzukaufen. Es gibt immer mehr Läden wie Original Unverpackt in Berlin, in denen man Waren komplett ohne Verpackungen einkaufen kann und so genau die Menge kauft, die man benötigt.

Wer dennoch zu viel gekauft hat, sollte Lebensmittel einfach einfrieren. Von Butter über Fleisch und Brot bis hin zu Gemüse, das übrigens mit etwa 25 Prozent den größten Lebensmittelabfall in deutschen Haushalten ausmacht⁴, kann nahezu jedes Lebensmittel im Tiefkühlfach gelagert werden.

Tipp der Redaktion: Reste von Kokosmilch oder frische Kräuter vermengt mit Wasser friert ihr am besten im Eiswürfelbehälter ein. Dann steht euch für das nächste Gericht gleich alles gut portioniert zur Verfügung. Wer vor jedem Kochen Basilikum und Co. neu kauft, jedes Mal aber nur das halbe Bund verwertet, schmeißt Woche für Woche einen weiteren Euro weg. 

Aber es geht auch ohne den Gefrierschrank: Aus Obst lässt sich durch Einkochen kinderleicht Marmelade oder Kompott machen. Weitere Tipps, was man mit vermeintlichen Resten anstellen kann, kennt unser Experte: „Mit ein bisschen Kreativität lässt sich viel tun. Nudeln vom Vortag können zum Nudelauflauf verarbeitet werden, nicht gegessenes Gemüse landet im Eintopf und aus gewaschenen Apfelschalen lassen sich im Backofen kinderleicht Apfelchips machen.“

Infografik Lebensmittelverschwendung - So viel Essen landet jährlich im Müll

Jährlich wirft jeder Deutsche 82 Kilo Essen weg. Prozentual aufgeschlüsselt ergibt das folgende Verteilung: 44 Prozent Obst und Gemüse; 20 Prozent Back- und Teigwaren; 12 Prozent Speisereste; 8 Prozent Milchprodukte; 7 Prozent Getränke; 6 Prozent Fleisch und Fisch; 3 Prozent Sonstiges.

 

Die ewigen Verlockungen – Sonderangebote, Großpackungen und Mengenrabatte

Wer kennt das nicht – bereits am Eingang des Supermarktes findet sich ein Prospekt der Wochenangebote wieder. Das eine oder andere Schnäppchen mag sicher mit dabei sein, aber vieles entpuppt sich doch als eher mäßiges Angebot. Der 10-Kilo-Sack Kartoffeln kostet genauso viel wie normalerweise 2 Kilo? Aber wer soll diesen Berg je verbrauchen? Wenn ihr nicht gerade ein Essen für 20 Mann plant, dann lasst lieber die Finger davon. Großpackungen sind zwar eine tolle Erfindung, doch bei frischen Produkten wie Obst und Gemüse eher ungeeignet. Das Wegwerfen der Nahrungsmittel ist hier so gut wie vorprogrammiert.

Sonderangebote sind eine häufige Ursache dafür, dass wir zu viel einkaufen. Die meisten von uns finden Angebote wie „Zahl 2, nimm 3“ super, weil sie einem das Gefühl vermitteln, dabei richtig zu sparen. Dass man z.B. eigentlich nur eine Packung Toast, frische Milch oder ähnliches gebraucht hätte, wird dann schnell vergessen.

Auch 3-für-2-Aktionen sind beliebt, um dem Verbraucher möglichst viel auf einmal zu verkaufen. Aber auch hier kommt es wieder auf die Produktkategorie an. Mengenrabatte aktivieren nämlich auf werbepsychologisch raffinierte Weise eure Lust am Hamstern. Ein wohliges Belohnungsgefühl infolge der soeben demonstrierten eigenen „Cleverness” stellt sich ebenfalls ein. Diesem Feuerwerk an Glückshormonen zu widerstehen ist nicht so leicht. Deshalb überlegt vorab genau, ob es wahrscheinlich ist, beispielsweise einen Liter frisches Salatdressing oder eine Tüte voller Brötchen tatsächlich zu verspeisen.

Geht es um Joghurt, sieht das schon anders aus: Dieser hält in der Regel mehrere Wochen – und das auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Gibt es allerdings ganze Stiegen oder limitierte Sorten im 10er-Pack, deren Geschmack ihr noch nicht kennt, solltet ihr skeptisch werden und zunächst lieber zum Einzelbecher greifen. Sonst schmeißt ihr womöglich nicht nur ein paar Cent, sondern gleich mehrere Euro weg und der Spareffekt ist dahin. Bei lange haltbaren Lebensmitteln allerdings – wie Frühstücksflakes, Süßigkeiten oder auch Getränken – kann sich ein Mengenrabatt durchaus lohnen, da ihr euch mit dem Verzehr mehrere Monate Zeit lassen könnt.

Tipp der RedaktionNachhaltig einkaufen lautet hier die Devise – und das funktioniert nicht nur beim Lebensmitteleinkauf. Wer sich näher für das Thema interessiert, kann sich in diesem Ratgeber ausgiebig informieren

 

Auf die richtige Lagerung kommt es ebenfalls an

Wer bereits kurz nach dem Einkauf feststellt, dass seine Lebensmittel verdorben sind, kann unter Umständen einfach Pech gehabt haben, da das Produkt schon im Geschäft ein Zuviel an Keimen oder Sporen enthalten hat oder ihr es ungünstig transportiert habt. In den meisten Fällen gibt es hierfür aber einen ganz anderen Grund: Ihr habt die neu erworbenen Lebensmittel schlicht und ergreifend falsch gelagert, sodass diese bereits nach kurzer Zeit nicht mehr genießbar sind. Ein paar Tipps, die euch helfen, länger etwas von euren erworbenen Produkten zu haben, haben wir für euch kurz zusammengefasst:

Äpfel setzen das Gas Ethylen frei, welches alle anderen Früchte im Obstkorb schneller reifen lässt. Bei unreifen Früchten kann das hilfreich sein – andere, bereits reife Früchte verderben deswegen aber schneller. Avocados geben dieses Gas ebenfalls ab.

  • Obst und Gemüse sollten zuhause umgehend aus den Plastiktüten ausgepackt und besser nebeneinander als übereinander gelagert werden. Spart euch also die Obstschale. So vermeidet ihr Druckstellen, von denen ausgehend bereits innerhalb von 1-2 Tagen Schimmel entstehen kann.
  • Sollten die frischen Produkte feucht sein, trocknet sie am besten mit einem sauberen Küchentuch ab. Sporen im Kondenswasser haben so weniger Chancen, sich zu Schimmel zu entwickeln.
  • Produkte, die bereits im Supermarkt kühl gelagert wurden, sollten auch bei euch umgehend in den Kühlschrank wandern. Optimalerweise unterbrecht ihr die Kühlkette nur so kurz wie nötig.
  • Lebensmittel, bei denen eine dunkle Lagerung empfohlen wird, verderben zwar nicht von einem Tag auf den nächsten, aber auch Öle und Gewürze etc. können durch eine falsche Lagerung ranzig werden bzw. ihr Aroma verlieren. Auch Zwiebeln und Kartoffeln keimen wesentlich langsamer in der Dunkelheit, wodurch ihnen ein schnelles Ende in der Mülltonne erspart bleibt.

Weitere Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelmüllbergen findet ihr in diesem Video des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das für die Kampagne "Zu gut für die Tonne" entwickelt wurde:     

 

Apropos Mindesthaltbarkeitsdatum…

83 Prozent der Menschen machen es bereits richtig und setzen zunächst ihre Sinne ein, bevor abgelaufene Lebensmittel entsorgt werden6. Riecht ein Produkt noch ganz normal, sieht es unverändert aus und schmeckt es wie üblich, könnt ihr das Lebensmittel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums zu euch nehmen. Wenn ihr zu viel eingekauft habt und schnell merkt, dass ihr nicht alles verwertet, dann spendet eure Köstlichkeiten an die, die sie nötiger brauchen als ihr. Natürlich müssen die Lebensmittel dafür noch einwandfrei bzw. haltbar sein. Solltet ihr euch für diese Variante interessieren, dann schaut mal bei foodsharing.de vorbei. „Hier wird Menschen aus der Umgebung online angezeigt, dass ein „Essenskorb“ angeboten wird und diese kommen nach Absprache vorbei und holen die überschüssigen Lebensmittel ab.“

 

Wie viel Geld kann man durch bewusstes Konsumieren sparen?

Wenn ihr unsere Tipps befolgt und so gut wie möglich versucht, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, ist das natürlich auch gut für euren Geldbeutel. Jede Menge guter Gründe also, weniger Essen wegzuschmeißen. Mit dem dadurch eingesparten Geld könnt ihr euch außerdem einen lang gehegten Wunsch erfüllen oder anderen ein schönes Präsent zukommen lassen. „Würde man es schaffen, die 82 Kilogramm, die eine Privatperson in Deutschland im Schnitt wegwirft, komplett zu vermeiden, könnte man in etwa 235 Euro pro Person sparen. Allerdings sollten wir meiner Meinung nach unsere Sparmentalität beim Thema Lebensmittel etwas zügeln. Statt nur die günstigsten Lebensmittel zu kaufen, können wir potentielle Einsparungen nutzen, um nun des Öfteren darauf zu achten, wie und wo unser Essen produziert wurde und hierfür etwas mehr ausgeben.“

 

Jetzt seid ihr gefragt 

Wie versucht ihr, eure Wegwerfquote bei Lebensmitteln gering zu halten? Wir sind auf eure Tipps und Tricks gespannt.

Quellen und weiterführende Informationen:

¹https://www.zugutfuerdietonne.de/
²http://www.change-it.org/wissen/essen/wegwerfen/
³http://www.uglyfruits.eu/ugly-fruits-presskit.pdf
⁴http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/WvL/Studie_Lebensmittelabfaelle_Langfassung.pdf;
jsessionid=F28246D226F12B0B110CEBC7D87A17B5.2_cid296?__blob=publicationFile, S. 124
http://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/UmgangLebensmittel/ZuGutFuerDieTonne/_Texte/ZGFDT-Info2014.pdf?__blob=publicationFile
6http://de.statista.com/statistik/daten/studie/304616/umfrage/umgang-mit-abgelaufenen-lebensmitteln-in-deutschland/

Bilder: istock©lucentius (Teaser), SPARWELT (Infografik)
Video: https://www.zugutfuerdietonne.de/start/video/
Zitate: Frederic Goldkorn


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Über Elisabeth

Während ihres Studiums zur Kommunikationsmanagerin sammelte die Berlinerin wertvolle Berufserfahrung auf Konzern- und Agenturseite. Nach ihrem Abschluss stieg sie bei dem Onlineshop tausendkind ein und leitete dort die Redaktion. Weitere Startup-Erfahrung sammelte sie bei Kyto, wo sie den Content-Bereich verantwortete. Seit Oktober 2014 unterstützt sie SPARWELT als Senior Redakteurin und widmet sich mit großer Leidenschaft Themen, mit denen sie Lesern einen echten Mehrwert bietet.

Elisabeth
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