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Von wegen Öko-Latschen: Faire Kleidung überzeugt auf ganzer Linie

Schluss mit Vorurteilen über faire Kleidung!
Schluss mit Vorurteilen über faire Kleidung!

Nachhaltig, ökologisch und sozial vertretbar: Grüne Mode wird immer beliebter

Es ist der urbane Mythos unserer Zeit: Kleidung, die den Spagat zwischen fair und modisch schafft. Mit dem Begriff „grüne Mode“ assoziieren die meisten heute noch Ökolatschen und kratzige Strickpullover. Diese Assoziationen erklären sicher zum Teil auch die Rate an Zulauf, den die ganz und gar nicht grünen Primark-Stores verzeichnen, von denen auch in Deutschland immer mehr aus dem Boden schießen. H&M-Filialen, die einen ähnlichen Kundenkreis ansprechen, gehören dagegen längst zum Stadtbild deutscher Metropolen. Doch die Trendstudie des Zukunftsinstituts¹ zeigt nichtsdestotrotz, dass Verbraucher sich vermehrt für die Herkunft der Produkte interessieren. Fast jeder zweite wünscht sich außerdem mehr faire Alternativen beim Shoppen.

Alternativen zur Massenware existieren bereits – nur weiß kaum jemand so genau, wo sie zu finden sind und wie viel sie tatsächlich kosten. Große Verwirrung herrscht bei den Verbrauchern auch, wenn es um die Bezeichnungen geht, mit der die Textilindustrie am Markt auftritt. Grüne und faire Mode, Öko-Mode, Bio-Mode, nachhaltige Kleidung: SPARWELT führt euch durch den textilen Öko-Dschungel und zeigt euch, auf welche Siegel es beim Einkaufen letztendlich ankommt. Dazu haben wir uns mit dem schwedischen Modeunternehmen me&i zusammengetan, das seine Produkte fair und nachhaltig in Europa herstellen lässt.

Öko-Glossar

Ökologisch / biologisch / grün
„Öko“, „bio“ und „grün“ meinen dasselbe: Kleidung nämlich, die natürlich und umweltschonend hergestellt wird. Das heißt vor allem, dass bei der Produktion keine Pestizide und chemischen Düngemittel verwendet werden, aber auch, dass der Energieverbrauch dabei so gering wie möglich ausfällt. Umweltbelastende Kontaminationen von Boden und Luft finden nicht statt; alle in die Umwelt gelangenden Substanzen sind restlos abbaubar. 

Fair gehandelt / Fair Trade
Wenn wir den Begriff „faire Kleidung“ verwenden, meinen wir damit, dass an sämtlichen Stationen, die der textile Herstellungsprozess umfasst, unter menschenwürdigen Bedingungen gearbeitet wird. Das bedeutet konkret: keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, existenzsichernde Löhne, angemessene Arbeitszeiten und keine Gefahr für Gesundheit und Leben. Klima- und Umweltschutz sollen darüber hinaus eine generationsübergreifende Existenzgrundlage sichern.

Fairtrade
Fairtrade ohne Leerzeichen ist ein gesicherter Begriff der Fairtrade Labelling Organisation, die das gleichnamige Siegel an Produkte vergibt, die nach den von ihnen festgelegten Standards produziert wurden.

Nachhaltig
Nachhaltigkeit als Handlungsprinzip in der Modeindustrie vereint alle Aspekte der ökologischen und fairen Textilproduktion und ist somit als übergreifender Begriff zu verstehen.


Das Siegel-ABC

Die schlechte Nachricht zuerst: Noch immer existiert kein einheitliches Siegel, das faire Mode eindeutig kennzeichnet. Stattdessen finden zahlreiche unabhängige Markenchecks parallel zueinander statt, die jedoch mit unterschiedlichen Bewertungskriterien arbeiten. Einige betrachten dabei die gesamte Wertschöpfungskette von der Faser bis zum Endprodukt, während andere stärker auf die Umwelt oder auf die Arbeitsbedingungen fokussieren.

Viele kleine Unternehmen können sich die Zertifizierung durch die vielen verschiedenen Institute finanziell nicht leisten. Auch me&i steht vor diesem Problem, hat dafür aber eine Lösung gefunden: „Wir haben zusammen mit professionellen Ratgebern einen eigenen Verhaltenskodex erstellt.“ Dieser regelt die Arbeitsbedingungen, verbietet Kinderarbeit und Diskriminierung und garantiert einen existenzsichernden Lohn für die Mitarbeiter. Alle an der Produktion beteiligten Unternehmen müssen den Kodex unterschreiben und sich an die getroffenen Vereinbarungen halten. Die Einhaltung wird unter anderem durch regelmäßige Besichtigungen und unangekündigte Kontrollen von me&i sichergestellt.

Grundsätzlich können Siegel aber helfen, sich einen ersten Eindruck von der Produktion eines Artikels zu verschaffen. Nachfolgend findet ihr die wichtigsten Siegel im Überblick:


Das Fairtrade-Siegel gibt Auskunft über die Einhaltung sozialer Standards.Fairtrade
Das Fairtrade Certified Cotton Siegel wird vergeben, wenn die Rohbaumwolle fair angebaut und gehandelt wurde. Der Fokus liegt dabei auf der Einhaltung sozialer Standards, die sowohl die Rechte als auch die Sicherheit der Beschäftigten garantieren sollen. Auf ökologische Aspekte wird ebenfalls Wert gelegt. Dazu gehören zum Beispiel der Schutz von Wasserressourcen, Bodenfruchtbarkeit und der rigorose Verzicht auf die Verwendung aggressiver Chemikalien beim Anbau der Rohstoffe.


Die Fairwear Foundation vergibt das Siegel an Unternehmen, die den Verhaltenskodex einhalten.

Fairwear Foundation
Die Fairwear Foundation vergibt ihr Siegel nur an Unternehmen, die ihre Bekleidung nach dem Verhaltenskodex der Stiftung herstellen oder herstellen lassen. Alle Arbeitsschritte der Produktion unterliegen strengen Vorschriften und Kontrollen und alle am Herstellungsprozess beteiligten Arbeiter erhalten einen existenzsichernden Lohn. Die Stiftung hat alle Kriterien für die Vergabe des Siegels auf ihrer Homepage offengelegt.


Das GOTS-Siegel gibt es in zwei Ausführungen: "Organic"  und "Made with Organic".GOTS - Global Organic Textile Standard
Das GOTS-Siegel bezieht sich auf die gesamte textile Produktionskette und existiert darüber hinaus in zwei verschiedenen Ausführungen. „Organic“ kennzeichnet dabei Textilien, die zu 95 Prozent aus Bio-Fasern bestehen; bei „made with organic“ sind es mindestens 70 Prozent. Jährliche Betriebsinspektionen stellen darüber hinaus die Einhaltung sozialer Standards sicher.


Das IVN-Best-Siegel wird von Greenpeace als Orientierungshilfe empfohlen.IVN zertifiziert BEST
100 Prozent Biofasern und strenge Auflagen selbst für Knöpfe und Reißverschlüsse sind Grundvoraussetzung für die Vergabe des strengen IVN-Best-Siegels. Doch auch Sozialkriterien spielen eine wichtige Rolle. Greenpeace empfiehlt das IVN-Best-Siegel als Orientierungshilfe beim Einkauf.

 

Der Öko-Tex-Standard existiert in drei Ausführungen: 100, 1000 und 100plus.Textiles Vertrauen: Öko-Tex
Auch den Textiles Vertrauen-Standard von Öko-Tex gibt es in verschiedenen Versionen: Öko-Tex-Standard 100, 1000 und 100plus. Textilien, die mit Öko-Tex-Standard 100 ausgezeichnet sind, sind lediglich farb- und schadstoffgeprüft. Dabei gibt es Grenzwerte, bei welchen jedoch etwa die Rückstände schädlicher Stoffe durch das Raster fallen.

Der Öko-Tex-Standard 1000 schließt außerdem soziale Kriterien ein und überprüft Produktionsstätten im Hinblick auf eine umweltfreundliche Produktion. Die strengste der drei Zertifizierungen, Öko-Tex-Standard 100plus, ist schließlich eine Kombination aus Standard 100 und Standard 1000.

Die Lieblingsteile der SPARWELT-Redaktion

Die Lieblingsteile der Redaktion: Jeansjacke, Longsleeve und Kleid mit Schwalbendruck.  

 

Stan ist als Redakteur im Gutschein-Team von Sparwelt tätig.Stan: „Ich bemerkte irgendwann, dass meine Haut auf einige Stoffe empfindlich reagiert. Manche Kleidungsstücke verursachten extremen Juckreiz, was sicher daran liegt, dass das Material zuvor mit Chemikalien behandelt wurde. Außerdem musste ich schon so vieles wegwerfen, weil es nach dem Waschen eine Nummer kleiner wurde. Ich hatte am falschen Ende gespart! Zum Glück gibt es inzwischen viele Online-Shops für nachhaltige Mode, deren Kollektionen meinen Geschmack treffen. Es muss ja nicht unbedingt nach „öko“ aussehen. Eines meiner Favoriten ist die Jeansjacke von „Kings of Indigo“, gefunden bei Greenality.de. Sie passt, fühlt sich gut an, ist unverwüstlich – und definitiv jeden Euro wert!“ 

 

Elisabeth ist Redakteurin bei SPARWELT.Elisabeth: „Ich versuche verstärkt darauf zu achten, dass meine Kleidung in Europa oder sogar in Deutschland gefertigt wird und nicht etwa in Schwellenländern wie Bangladesh. Das ist leider nicht immer einfach und ich besitze natürlich auch einzelne Sachen von H&M und anderen großen Modeketten. Nachhaltige Mode kaufe ich gerne bei Armedangels ein – die Sachen sind modisch und bezahlbar. In meinem Schrank hängt zum Beispiel der gestreifte Longsleeve aus 100% Bio-Baumwolle. Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis!“

Klara schreibt für das SPARWELT-Magazin.

 
Klara: „Ich achte besonders auf Fair Trade, denn mir sind die Produktionsbedingungen wichtig – weniger die Marken. Offline ist es oft noch schwierig, nachhaltige Kleidung zu finden. Online gibt es beispielsweise den Avocadostore, den ich empfehlen kann. Dort findet man zertifiziert nachhaltige Kleidung diverser Marken im modernen Design. Auf meiner Wunschliste steht aktuell das Kleid mit Schwalbendruck von Komodo!

Große Modeketten und Nachhaltigkeit

Wie viel Potenzial faire Kleidung hat, haben inzwischen auch Moderiesen erkannt und setzen sich aufgrund der wachsenden Nachfrage vermehrt mit nachhaltiger Textilproduktion auseinander. Oft gibt es in der praktischen Umsetzung aber noch großes Verbesserungspotenzial.

"Der ökologische Aspekt kann durchaus eingehalten werden, aber faire und nachhaltige Herstellung, das stellen wir natürlich in Frage, weil wir die Kosten kennen", so me&i.

Wir sind uns dennoch einig: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. So stärken große Modeunternehmen vor allem das öffentliche Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Textilindustrie.

OTTO – Ecorepublic
Schon seit 2003 engagiert sich das Versandhaus OTTO im Bereich der Nachhaltigkeit. Auf der eigenen Plattform Ecorepublic stellt OTTO Informationen zur Unternehmensethik und eine Übersicht der im Shop verwendeten Siegel und Kennzeichnungen zur Verfügung.

C&A – We ♥ Bio Cotton
Seit 2007 bietet C&A modische Kleidung aus Bio-Baumwolle zu gewohnt kleinen Preisen an. Die Teile der Bio-Cotton-Kollektion bestehen zu 100 Prozent aus zertifizierter Bio-Baumwolle. Darunter finden sich Hosen und Oberteile, aber auch Wäsche.

H&M – Conscious
Das schwedische Modehaus lancierte 2011 seine nachhaltige Conscious-Kollektion. Die Kleidungsstücke der Kollektion bestehen zwar aus Bio- oder recycelten Materialien, doch bezüglich der Einhaltung sozialer Standards in den Produktionsfabriken sorgt H&M immer wieder für negative Schlagzeilen. Trotz der Bemühungen des Modehauses scheinen hier Anspruch und Wirklichkeit nicht übereinzustimmen.

Fair muss nicht teuer sein: Alternativen zum Neukauf

Selbst ein kleiner Geldbeutel steht dem guten Gewissen nicht im Weg. Ökologisch einkaufen bedeutet in erster Linie auch Umdenken. Es bedeutet, dass Bekleidung, die sich bereits auf dem Markt befindet, nicht weggeworfen, sondern wiederverwendet wird.

Secondhand-Läden haben ihr verstaubtes Image längst abgeschüttelt und sind inzwischen auch bei einem immer konsumkritischeren Mainstream beliebt. Zu niedrigen Preisen lassen sich dort einzigartige Stücke ergattern, die der Neuware in nichts nachstehen. Es kann trotzdem nicht schaden, die Kleidungsstücke vor dem Kauf kurz auf Flecken, Löcher und lose Nähte zu untersuchen.

Für diejenigen unter euch, die lieber online shoppen, empfiehlt SPARWELT Plattformen wie Kleiderkreisel oder shpock. Hier erwartet euch eine riesige Auswahl an Kleidung, Schuhen und Accessoires – allerdings findet ihr mit Hilfe des Suchfilters das gewünschte Teil trotzdem in Sekundenschnelle. Für Skeptiker und alle CO2-Transportbilanzen aufstellenden Lokalkonsumenten interessant: Bei shpock lassen sich auch Anbieter aus dem Umkreis anzeigen; die Ware kann in diesem Fall bei persönlicher Abholung bezahlt werden.

Langfristig sparen kann man außerdem auch, so me&i, wenn man zunächst etwas mehr Geld in einzelne Kleidungsstücke investiert, dafür aber auf gute Qualität achtet:

„Wenn man auf gute Qualität setzt, also auf Sachen, die lange halten und nicht nach ein paar Mal Tragen schon wieder weggeschmissen werden müssen, weil sie verwaschen aussehen oder kaputt gehen, dann hat man bereits einen Beitrag geleistet! Im Großen und Ganzen gibt man dann vielleicht auf lange Sicht weniger aus.“

 

Wir bedanken uns herzlich bei me&i für das freundliche und informative Interview und freuen uns schon auf die nächste Kollektion!

Weiterführende Infoprmationen und Quellen:

1www.westfalenhallen.de/messen/fair/downloads/fair/FINAL_Fair_Trendstudie_web.pdf
Interview: Carina Josefsson, Verkaufsleiterin Deutschland, www.meandi.se/de


Bilder: iStock©Geribody (Teaser), fairtrade-deutschland.de, fairwear.org, global-standard.org, naturtextil.de, oeko-tex.com, greenality.de, armedangels.de, avocadostore.de

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Über Ivana

Ivana studiert Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin und unterstützt die SPARWELT-Redaktion seit September 2014 als Werkstudentin. Für das Magazin verfasst sie am liebsten Artikel zu Mode, Beauty und Lifestyle. Auch in der wenigen Zeit, die zwischen Universität und Redaktion noch übrig bleibt, schreibt Ivana leidenschaftlich gerne – dann aber auf ihrem eigenen Blog.

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