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Mein Online-Anbieter ist insolvent – was tun?

Tipps zum Umgang mit insolventen Online-Anbietern
Tipps zum Umgang mit insolventen Online-Anbietern

Tipps: Richtig handeln bei der Pleite von Online-Shops und -Dienstleistern

Den zweitgrößten deutschen Versandhändler Neckermann hat es getroffen, Weltbild, Schlecker, Quelle und den Stromanbieter Teldafax: Unternehmen, bei denen Millionen Kunden im Online-Shop einkauften oder unter Vertrag standen, mussten Insolvenz anmelden. 2013 hat sich mit dem Energiediscounter Flexstrom ein weiterer Anbieter mit rund 500.000 Kunden für zahlungsunfähig erklärt.

Geht ein Online-Anbieter in Insolvenz, herrscht Verunsicherung.Die überraschten Kunden stehen zwar nach der Pleite des Versorgers keinesfalls im Dunkeln, denn im Notfall springt lückenlos der - häufig teurere - Grundversorger ein. Dennoch herrscht bei vielen Verunsicherung: Welche Rechte habe ich, wenn mein Online-Anbieter pleitegeht? Wie komme ich an Ware oder Geld, wenn ein Shop kurz nach meiner Bestellung im Netz in Zahlungsnot gerät? Unser Ratgeber beantwortet euch die wichtigsten Fragen.

Ein Online-Shop geht pleite – Das solltet ihr als Kunde beachten

Eine getätigte Bestellung zu stornieren, ist in den meisten Fällen gar nicht nötig. Selbst zahlungsunfähige Shopbetreiber haben die angebotenen Waren meist noch ausreichend im Lager. Hier lassen sich sogar im Ausverkauf für kurze Zeit lohnenswerte Rabatte einstreichen, wie wir im Falle von Schlecker und Neckermann berichteten. Was ihr noch im Online-Shop bestellt habt und vorrätig ist, muss auch geliefert werden. Eine Insolvenz bedeutet nicht das sofortige Aus eines Unternehmens.

Erklärt sich ein Anbieter für zahlungsunfähig, erhält dieser noch drei Monate lang Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Damit werden die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter weiterbezahlt.
Der Online-Bezahldienst PayPal bietet Käuferschutz.In dieser Zeit suchen der Insolvenzverwalter und die Betreiber zusammen nach einer Lösung, wie sich der Fortbestand des Betriebs sichern lässt. Im besten Fall findet sich sogar ein neuer Investor. Für euch als Kunde heißt das: Die Chancen stehen sehr gut, dass eure bestellte Ware auch geliefert wird. Sicher zahlt ihr auf Rechnung oder per PayPal. Beim Online-Bezahldienst fordert ihr dank des „Käuferschutzes“ im Zweifelsfall das Geld für nicht gelieferte Produkte zurück.

Wichtig ist: Alle Waren, die ihr erhaltet, müsst ihr bezahlen - selbst, wenn der Online-Shop inzwischen geschlossen wurde. Kommt ihr der Zahlung nicht nach, fordert der Insolvenzverwalter den Betrag von euch ein. Gleiches gilt bei einer Ratenzahlung. Oft werden Finanzierungen über externe Bankdienstleister abgewickelt. Teilt euch ein Shop mit, dass keine Waren mehr ausgeliefert werden, könnt ihr einen Lastschrifteinzug bei eurer Bank zurückbuchen lassen.

Gutscheine schnell einlösen

Gutscheine sollten schnell eingelöst werden, bevor ihr darauf sitzen bleibt.Besitzt ihr zu Hause noch Geschenkgutscheine eines von der Pleite bedrohten Shops, löst diese so schnell wie möglich ein. Manche Händler entfernen das Gutscheinfeld sogar aus dem Bestellprozess. Später ist es für euch unter Umständen sehr schwierig, Ansprüche gegenüber dem Anbieter geltend zu machen. Als Kunde gehört ihr im Falle einer endgültigen Pleite zu den sogenannten Kleingläubigern. Im Regelfall gehen diese leer aus oder werden erst ganz am Ende ausbezahlt. Besitzt ihr Gutscheine für den Shop von Couponing-Plattformen wie Groupon oder Dailydeals, könnt ihr euch den Wert direkt beim Serviceteam der Plattform erstatten lassen.

Vorsicht bei Retouren und Gewährleistung

Werdet bei Retouren so schnell wie möglich aktiv. Besonders in Fällen, wenn es Mängel gibt oder ihr mit dem Artikel unzufrieden seid. Für euch gilt zwar das 14-tägige Widerrufsrecht mit Anspruch auf Umtausch und Erstattung, aber nur solange der Anbieter noch besteht. In der Insolvenzphase bekommt ihr euer Geld nicht sofort, sondern ihr tragt euch zunächst in ein Gläubigerverzeichnis ein.

Ist euch die Insolvenz eines Unternehmens länger bekannt und ihr habt keine Chance zur Rückerstattung des Geldes, verkauft die Ware bei Nichtgefallen privat im Internet weiter. Neben Ebay bieten sich insbesondere für Handys, DVDs und andere Medien Plattformen wie Rebuy oder Momox an. Damit erhaltet ihr immerhin noch etwas Geld.

Ist der Anbieter komplett pleite, erlischt die Gewährleistung.Überlebt das Unternehmen die Insolvenzphase nicht, erlischt eure zweijährige Gewährleistung für die gekauften Produkte. Diese liegt ausschließlich beim Verkäufer. Existiert der Anbieter nicht mehr, verfällt euer Anspruch darauf. Anders sieht es bei einer vorhandenen „Hersteller-Garantie“ auf Geräte aus. Hier ist ausschließlich der Produzent verantwortlich. Defekte oder mangelhafte Produkte schickt ihr mit der Rechnung direkt an den Hersteller.

Laufende Verträge und Tarife bei Insolvenz genau prüfen

Eine Insolvenz trifft womöglich auch Online-Anbieter, bei denen ihr langfristige Verträge abgeschlossen habt. Hierunter zählen Strom- und Gaslieferanten, Telefonanbieter sowie Internetprovider. Vertragslaufzeiten von zwei Jahren sind nicht selten. So sichert ihr euch in diesem Fall ab:

  • Laufende Verträge und Tarife bei Insolvenz genau prüfen.Nicht die beste Wahl: Meidet Tarife von Energielieferanten, bei denen ihr deutlich in Vorleistung geht. Einige Online-Stromanbieter verlangen etwa Abschläge für ein Jahr komplett im Voraus. Gerät das Unternehmen dann wirtschaftlich ins Schlingern - wie bei Flexstrom - sind eure Vorschüsse in Gefahr.

 

  • Einzugsermächtigung entziehen und nur monatlich zahlen: Im Fall einer Insolvenz begrenzt eine sofortige Reaktion eventuell entstehenden Schaden. Kontaktiert den Anbieter und stellt schnellstmöglich eure Abschlagsart auf monatliche Zahlungsweise um. Geht das nicht, zahlt ihr dennoch nur den Abschlag für den nächsten Monat und teilt das dem Versorger schriftlich mit. Verzichtet vorerst auf größere Vorauszahlungen, bis die Zukunft des Versorgers geklärt ist. Gab es innerhalb der letzten Wochen große Vorleistungen, wendet euch mit der Bitte um Rückbuchung an eure Bank. Das ist mindestens sechs Wochen lang möglich. Eine erteilte Einzugsermächtigung, widerruft ihr bis auf weiteres.
  • Insolvenz erlaubt keine Sonderkündigung: Solange euch der Anbieter mit der vereinbarten Leistung versorgt, kommt ihr aus eurem Vertrag nicht heraus. Es gilt die festgeschriebene Vertragslaufzeit. Ihr müsst die Abschläge und Monatsrechnungen zahlen. Eine Insolvenz berechtigt euch nicht zur Sonderkündigung. Wann der Anbieter die Belieferung einstellt, legt der Insolvenzverwalter fest. Ist die Lieferung tatsächlich beendet und ein Grundversorger springt ein, habt ihr ein Recht zur Sonderkündigung. Findet sich hingegen ein neuer Investor, behalten eure Vorauszahlungen Gültigkeit. Erhöht dieser die Preise, könnt ihr problemlos kündigen.

Clever einkaufen im Online-Shop

Tipps – So schützt ihr euch am besten

Bestellt mit Bedacht: Für Schnäppchenjäger lohnt sich eine Bestellung in Online-Shops insolventer Anbieter. Oft sind die Produkte drastisch im Preis reduziert. Schlagt bei Warengruppen zu, bei denen die Gewährleistung keine Rolle spielt. Die erlischt mit dem endgültigen Aus des Verkäufers. Dann bleibt euch nur die Garantie des Herstellers.

Geht finanziell nicht in Vorleistung: Bei Zweifeln an der Sicherheit oder Seriosität eines Shops zahlt besser per Rechnung oder Nachnahme. Auch wenn ihr dafür eine Bonitätsprüfung oder eine Gebühr in Kauf nehmt. Zahlungen über PayPal fordert ihr dank „Käuferschutz“ zurück, wird die Ware nicht geliefert (gilt nicht bei Dienstleistungen). Bei Energie- und Telefontarifen mit längerer Vertragslaufzeit achtet auf eine monatliche Zahlungsweise.

Achtet auf Siegel: Online-Shops mit anerkannten Gütesiegeln wie etwa dem Logo „Trusted Shops“ sind geprüft und bieten euch den Service „Käuferschutz“ an. Nehmt ihr den in Anspruch, seid ihr auch bei der Insolvenz eines Händlers geschützt. Der Kaufpreis wird euch erstattet.

Lieber auf Nummer sicher: Bekommt ihr einen gewünschten Artikel bei einem anderen Anbieter zum gleichen Preis oder nur leicht darüber als beim insolventen Shop, bestellt besser dort. Wollt ihr einen Vertrag abschließen, informiert euch vorher etwas über das Unternehmen hinter dem Anbieter.

Sicheres Online-Shoppen wünscht euch
Euer Maik

 

Bilder:
Fotolia©Markus Bormann (Teaser), Fotolia©olly, ©PayPal, Fotolia©Joachim Wendler, ©babimu, ©contrastwerkstatt, ©goodluz

Über Maik

Als Diplom-Journalist und ausgebildeter Redakteur strebt Maik danach, mit unabhängigen Ratgebern die boomende Online-Shopping-Welt für SPARWELT-Leser ein wenig verständlicher zu machen. Sein Motto: Nur der aufgeklärte User kauft günstig im Netz und erkennt die kleinen Fallstricke. Zuhause fühlt sich der Fußballliebhaber und Hobbyläufer in den Bereichen Technik, Smartphone-Tarife, Sport und Verbraucherschutz im Netz.

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