Einfach mal durchatmen

Bewusst leben – 9 Tipps zur Entschleunigung

„Mist, wieder kein pünktlicher Feierabend! Schon fast 18:30 Uhr und die Arbeit auf dem Schreibtisch wird nicht weniger. Das haut meinen ganzen Plan durcheinander. Ich muss heute unbedingt zum Sport. Ich war letzte Woche schon nicht da. Also: Schnell ins Fitnessstudio, danach was Leckeres kochen und dann mit meinem Liebsten auf die Couch und die Lieblingsserie weiterschauen. Vorher muss ich nur kurz meine Schwester anrufen. Dabei fällt mir ein, ich hatte mich mit meiner Nachbarin auf ein Glas Wein verabredet und der Wäschekorb bricht auch so langsam unter seiner Last zusammen. Okay, bügeln kann ich während die Serie läuft. Und mit meiner Schwester telefoniere ich über Lautsprecher während ich koche. Dann bleibt nur noch die Nachbarin. Vielleicht habe ich ja Glück und sie denkt nicht dran. Wenn der Tag doch nur 48 Stunden hätte!“

Zeit für alles, nur nicht für uns

So oder so ähnlich sieht der Alltag von vielen aus – vollgepackt vom ersten Wimpernschlag am Morgen bis zum Gute-Nacht-Kuss am Abend. Der Alltag will heutzutage gut geplant sein – für Müßiggang hat keiner mehr Zeit. Stattdessen hetzen wir durchs Leben und vergessen dabei völlig, Momente bewusst zu genießen und uns auf diese zu konzentrieren. Schneller, höher, weiter, besser – das ungesunde Tempo schleicht sich Stück für Stück weiter in unseren Alltag ein und wird immer mehr zur Normalität. Das Ergebnis ist Stress.

Dabei ist es von enormer Wichtigkeit für unser Wohlbefinden, dass wir uns wieder mehr Zeit für uns selbst nehmen. Und dafür gibt es nur ein Mittel: Entschleunigung. Wir erklären dir, was es damit auf sich hat und wie du mit unseren Tipps wieder mehr zu dir selbst findest.

9 Tipps zur Entschleunigung

Die besten Tipps für eine grundsätzliche Entschleunigung

Was ist Entschleunigung?

Entschleunigung, das heißt innehalten und durchatmen. Das Gegenteil also von dem, was in vielen Lebensbereichen ständig von uns verlangt wird bzw. was wir selbst von uns verlangen. Es geht darum, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und auf die Bremse zu treten. Sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren, im Hier und Jetzt zu leben und auch einfach mal nichts zu tun. Und vielleicht wirst du am Anfang sogar überrascht sein, wie schwer es ist, nichts zu tun und die Zeit einfach mal Zeit sein zu lassen. Denn das haben wir in den letzten Jahren fast verlernt.

Wenn die Arbeit zum Beschleuniger Nr.1 wird

Die meisten von uns verbringen 40 oder mehr Stunden pro Woche am Arbeitsplatz. Damit wird die Arbeit zum Mittelpunkt des Lebens, ob wir wollen oder nicht. Und gerade im Büro kann es oft nicht schnell genug gehen: Outlook ist geöffnet, alle paar Minuten trudelt eine neue Mail ein. Links klingelt das Telefon und rechts steht schon wieder ein Kollege, der ein wichtiges Anliegen hat. Und als würde das nicht schon reichen, ploppen im internen Team-Chat gefühlt sekündlich neue Nachrichten auf. Ach ja, und in zehn Minuten ist schon das nächste Meeting, das auch noch vorbereitet werden muss. Wo soll man da nur anfangen?

Eigentlich sollten 40 Stunden pro Woche ausreichen, um alle Aufgaben zu erledigen. Das ist aber leider häufig nicht der Fall und so gehören Überstunden oft zum Alltag. Die logische Folge: Die Zeit für Regeneration und Erholung wird immer weniger. Nach der Arbeit oder am Wochenende wollen die Alltagspflichten erledigt werden und dann sind da ja auch noch die Freunde und Hobbies. Kein Wunder also, dass der Akku oft leer ist und die Leistungsfähigkeit dadurch abnimmt.

Glücklicherweise setzt langsam ein Umdenken ein. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit an, ab und an von zu Hause aus zu arbeiten. Home Office ist ein erster und guter Schritt in Richtung Slow-down. Auch eine generelle Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit wird immer häufiger diskutiert. In mehreren Studien wurde bereits nachgewiesen, dass Mitarbeiter bei weniger Arbeitsstunden effektiver arbeiten und glücklicher sind. Doch auch du selbst kannst das Tempo aus deinem Leben nehmen. Unsere Tipps helfen dir dabei.

Tipps zur Entschleunigung

Einfach mal abhängen und über nichts nachdenken.

9 Tipps zur Entschleunigung und zum bewussten Leben

  1. Einfach mal nichts tun

    So banal, wie es klingt: Entschleunigen kann ganz einfach sein, indem du einfach mal nichts tust. Wenn du nach dem Feierabend nach Hause kommst, dann spricht nichts dagegen, als erstes auf die Couch zu fallen und 30 Minuten die Beine hochzulegen. Genau das bedeutet nämlich Entschleunigung: Auch einfach mal Zeit zu “verschwenden“. Schaufel dir bewusst Zeiten für das Nichtstun frei und habe kein schlechtes Gewissen dabei.

  2. Digital Detox

    Das digitale Zeitalter bringt viele Vorteile mit sich, verursacht aber auch Stress. Wir stehen quasi unter Dauerbeschuss. Andauernd checken wir unsere Mails, WhatsApp-Nachrichten und aktuelle News. Bis zu 88 Mal täglich schauen wir auf unser Smartphone (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/digital/immer-online-digitaler-dauerstress-1.3322626) und das ist nur eine von vielen Quellen, die uns rund um die Uhr mit Infos versorgt. Richte dir bewusst digitalfreie Zeiten ein. Du hast das Recht, auch einfach mal nicht erreichbar zu sein. Mehr zum Thema Digital Detox erfährst du hier. (Link zum Artikel)

  3. Abwarten und Tee trinken

    Wenn du das Gefühl hast, dein Stresspegel ist am Maximum angekommen und alles bricht jeden Moment über dir zusammen, dann mach eine kleine Pause. Koch dir deinen Lieblingstee und nimm dir einen Augenblick, um diesen bewusst zu genießen. Oft hilft das schon, um innerhalb von ein paar Minuten wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

  4. Prioritäten sind das A und O

    Gerade am Arbeitsplatz ist es enorm wichtig, dass du einen Weg zur Entschleunigung findest. Konzentriere dich auf die Sachen, die wirklich wichtig sind. Vermeide es, 1.000 Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen. Das führt nur zu Fehlern und dazu, dass du am Ende nichts zu Ende bringst. Erstelle stattdessen jeden Tag eine kurze Prioritäten-Liste und arbeite die Punkte nacheinander ab.

  5. Zeitmanagement

    Oft fühlen wir uns gehetzt, weil wir von Termin zu Termin hetzen. Wenn dann noch eine Bahn ausfällt oder wir im Stau stehen, ist der Stress vorprogrammiert. Plane deshalb für alles am besten 15 Minuten mehr Zeit ein. Schon kannst du alles viel entspannter angehen und musst nicht gleich in Panik geraten, wenn die Bahn mal auf sich warten lässt.

  6. Raum für Spontanität

    Halte dir einen Tag oder einen Abend in der Woche frei. Das gibt dir die Möglichkeit, spontan zu entscheiden, ob du Lust hast, dich mit Freunden zu treffen, zum Yoga zu gehen oder auf der Couch zu chillen. Frei nach dem Motto: Tu, wonach dir ist!

  7. Lerne, auch mal „NEIN“ zu sagen

    Wir meckern oft, dass der Tag mit nur 24 Stunden eigentlich viel zu kurz ist. Das eigentliche Problem ist aber nicht die Anzahl der Stunden, sondern die Anzahl an To-Dos. Und nicht selten sagen wir zu Dingen „Ja“, für die wir eigentlich gar keine Kapazitäten mehr frei haben. Lerne, auch mal „nein“ zu sagen und Einladungen abzulehnen. Du wirst dich wundern, wie viel Zeit du dadurch gewinnst.

  8. Perfektionismus adé!

    Zwanghafter Perfektionismus ist ein echter Zeitfresser. Er kann die Arbeit unnötig ausdehnen: Die Seminararbeit ist eigentlich fertig, wird aber trotzdem bis zur letzten Minute korrigiert; die Wohnung ist sauber und trotzdem wird nochmal durchgewischt, wenn sich Besuch ankündigt; und sind die Gäste dann im Anmarsch, muss natürlich selbst gebacken werden, anstatt einfach einen Kuchen zu kaufen. Aber: nichts im Leben ist perfekt! Lerne, damit zu leben und du sparst jede Menge Zeit.

  9. Schaff dir ein Haustier an

    Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich Haustiere positiv auf unser Wohlbefinden auswirken. So hat eine Studie der State University of New York in Buffalo nachgewiesen, dass Menschen mit einem Haustier gelassener auf Stress reagieren. Wenn du dich also oft gestresst fühlst, dann könnte ein Stubentiger die Lösung sein. Aber auch ein Bürohund ist eine Option. Sprich mit deinen Kollegen darüber, denn jeder von euch kann davon profitieren.

Zu guter Letzt: Lass dich nicht stressen!

Wenn du dich entscheidest, unsere Tipps konsequent umzusetzen und das Tempo aus deinem Leben zu nehmen, dann kann das dazu führen, dass dein Umfeld darauf mit Unverständnis reagiert. Schließlich ist die Schnelllebigkeit tief in unserer Gesellschaft verankert. Wer dabei nicht mehr mitmachen will, der gilt schnell als nicht belastbar. Lass dich davon nicht verunsichern und stehe für deine Selbstverwirklichung ein. Verschwende nicht so viele Gedanken daran, was andere über dich denken könnten. Auch das spart Zeit!