Adè Selbstzweifel

Body Positivity: So liebst du deinen Körper auch ohne Bikinifigur

Wie oft hast du schon vor dem Spiegel gestanden, deine Röllchen gezählt und dir eine gute Fee herbeigewünscht, die dir in drei Sekunden eine perfekte Bikinifigur zaubert? Wir haben eine bessere Idee: Statt Idealen hinterher zu hechten, wie wäre es stattdessen mit mehr Selbstliebe? Nimm dir fünf Minuten Lesezeit, um dich davon zu überzeugen, warum du so, wie du jetzt aussiehst, absolut perfekt bist.

Body Shaming: Eine lange Geschichte, die schon mit der Geburt beginnt

Nach der Geburt eines Kindes geht es sofort nur um das Eine: Wieviel hat das Baby heute getrunken und wie entwickelt sich die Gewichtszunahme? Das wird auch später nicht besser, wenn Kinder dazu ermahnt werden, nicht zu viel Süßes zu essen – man wolle doch schließlich nicht aussehen wie ein kleiner Elefant. Mit zunehmendem Alter steigt der gesellschaftliche Druck, doch bitte eine entsprechende „Bikinifigur“ zu haben. Und spätestens in den Bewerbungsgesprächen nach der Schule wird klar: Wenn aus dem Chefzimmer kurz vor dir ein Model herausstöckelt, sinken die eigenen Chancen selbst mit Normalfigur ins Bodenlose – zumindest in deinem Kopf.

Was ist Body Shaming?

„Body Shaming“ bedeutet eigentlich nichts anders als Mobbing. Menschen werden dabei öffentlich, beispielsweise in den sozialen Netzwerken, wegen eines angeblichen Makels kritisiert. Prominente, die sich auf dem roten Teppich nicht in XXS-Maßen zeigen, sind davon besonders häufig betroffen und machen sich jenseits der Konfektionsgröße 34 angreifbar. Unter Body Shaming versteht man in der Regel die Stigmatisierung von Übergewichtigen. Wenn die Alternative nicht lebenslange Diäten oder Essstörungen sein sollen, dann führt der beste Weg, Body Shaming hinter sich zu lassen, über Body Positivity. Sich selbst so zu lieben, wie man eben ist.

Übrigens: Body Shaming gibt es natürlich auch in die entgegengesetzte Richtung. Hierbei werden Menschen dafür an den Pranger gestellt, dass sie viel zu dünn seien. Diese Variante kommt allerdings etwas seltener vor. Unabhängig davon, dass jeder so genauso aussehen dürfen sollte, wie er möchte, sollte man sich übrigens auch immer die Frage stellen, ob die angeprangerte Person nicht vielleicht auch unter gesundheitlichen Problemen leidet und deshalb „viel zu dünn“ ist oder diverse Kilos mehr auf den Rippen hat.

Liebe deinen Körper!

Body shaming gibt es in alle Richtungen. Sei stolz auf deinen Körper!

Der öffentliche Protest gegen Konfektionsgröße 32

Während sich in den meisten Magazinen und auf den Laufstegen immer noch knochige Frauen durch die Shootings quälen, haben andere öffentliche Institutionen ein Gegen-Statement gesetzt. Viele Stars lehnen sich gegen die Size-Zero-Szene auf, allen voran Jessica Simpson, Liv Tyler und Beyoncé. In Frankreich sind Magermodels auf den Laufstegen mittlerweile sogar verboten. Viele große Marken lichten „ganz normale“ Frauen oder sogar kurvige Frauen in ihren Katalogen ab. Auf den jährlich stattfindenden „Plus Size Fashion Days“ in Hamburg stellen große Labels wie Otto oder C&A ihre neuen Plus-Size-Linien vor. Das alles sind tolle Impulse, die dir dabei helfen, dich schön zu finden und die Body Positivity zu deinem neuen Mantra zu machen.

Was ist Body Positivity?

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Body Positivity oft angegriffen und falsch verstanden. Damit du ein besseres Verständnis dafür bekommst, was sich wirklich hinter dem Begriff verbirgt, haben wir die drei häufigsten Missverständnisse ausgewählt, die den Begriff „Body Positivity“ falsch interpretieren.

  1. Body Positivity ist kein Aufruf zum ungesunden Lebensstil
    Der Begriff ist kein Aufruf zu mehr Fast-Food und ungesunden Lebensmitteln, um sich im Anschluss einfach dahinter verstecken zu dürfen, dass dick sein ok ist. Ganz im Gegenteil: Es ist der Aufruf, etwas für sich und vor allem seine seelische Gesundheit zu tun. Sorry, aber mehr Selbstliebe bedeutet nicht, dass du dich jetzt endlich jeden Abend ohne schlechtes Gewissen mit Chips und Cola vor deine Lieblingsserie setzen sollst.
  2. Keine Werbung für Fitnessstudios
    Wieder andere nutzen den Begriff als Werbung. Fitnessstudios mit Body-Positivity-Kampagnen wollen neue Kunden gewinnen und legen den Aufruf zur Selbstliebe falsch aus. Es geht gerade nicht darum, sich einen besseren Körper zu zaubern, um sich endlich selbst lieben zu können.
  3. Body Positivity ist keine Maskerade
    Versteh diesen Begriff bitte nicht als Aufruf, dir ganz fest vorzunehmen, ab morgen mit einem Grinsen vor dem Spiegel zu stehen und die Rundungen am Bauch zu bewundern. Es geht bei der Kampagne um reale Selbstliebe, nicht um ein vorgetäuschtes Selbstbewusstsein. Wenn dich ein paar Kilos stören, dann tu etwas dagegen, aber schäme dich nicht für deinen Körper!

Body Positivity fordert dich dazu auf, dich so anzunehmen, wie du bist und deinen so Körper zu akzeptieren, wie er ist. Es bedeutet nicht, aufzugeben, sondern mit einem positiven Körpergefühl auch zu einer gesunden Lebensweise zu finden. Wie du im Bikini oder im Badeanzug aussiehst, hat nichts damit zu tun, welche Werte du als Mensch verkörperst. Dein Wert als Mensch hängt nicht von den künstlich geschaffenen Schönheitsidealen der Gesellschaft ab. Innere Schönheit strahlt nach außen und macht dich schön – das ist keine leere Phrase, sondern pure Selbstliebe.

Keine Chance dem body shaming!

Liebe deinen Körper und liebe dich selbst!

Wie lerne ich Selbstliebe?

Selbst wenn dir die bisherigen Ausführungen logisch und sinnvoll vorkommen, wirst du dich vielleicht fragen: Wie kann ich mehr zu mir selbst stehen? Gibt es dafür Tabletten im Reformhaus oder eine leckere Teemischung? Leider nicht. Stattdessen haben wir aber einige wertvolle Tipps für dich zusammengestellt, wie du Selbstliebe lernen und erfolgreich für dich umsetzen kannst.

Tipp 1: Positive Bestandsaufnahme

Leider neigen wir Menschen dazu, immer das Haar in der Suppe zu suchen. Selbst wenn das Kind mit dem Zeugnis nach Hause kommt und dort lauter 1er und eine 5 im Werkunterricht stehen, nehmen wir zunächst die schlechte Note wahr. Daher ist der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstliebe eine positive Bestandsaufnahme. Setze dich vor den Spiegel und suche – mit einem positiven Blick – das an dir aus, was du schön findest. Das können deine glänzenden Augen sein, der Haaransatz oder die gerade gewachsenen Fingernägel. Ab sofort richtest du den Blick, immer wenn du dich selbst betrachtest, NUR noch auf diese Dinge. Du wirst staunen, wie sich dein Selbstbild schon innerhalb von zwei Wochen verändert.

Tipp 2: Ein Mantra finden

Mantras sind eine wertvolle Unterstützung, wenn du in deinem Leben etwas ändern möchtest. Das können auch ganz pragmatische Sachen sein, wie ein Jobwechsel oder eine Entscheidung, die du treffen musst. Ein paar Beispiele für Selbstliebe-Mantras sind:

„In diesem Moment liebe ich mich selbst so wie ich bin.“
„Ich bin mir genug.“
„Ich bin schön.“

„Mein Körper ist mein Zuhause. Ich fühle mich wohl und geborgen darin.“

Du kannst dir natürlich auch dein ganz persönliches Mantra für dich ausdenken. Für dein ausgewähltes Mantra nimmst du dir jeden Tag ein bisschen Zeit, um es aufzusagen. Das kannst du beispielsweise bei einem kurzen Spaziergang machen oder wenn du schon im Bett liegst kurz vor dem Einschlafen. Viele verwenden auch „Mala-Ketten“ mit 108 Perlen. Jedes Mal, wenn du dein Mantra aufgesagt hast, schiebst du eine Perle weiter.

Tipp 3: Abonniere die richtigen Blogs

Du kannst deine Wahrnehmung sehr leicht beeinflussen, indem du nicht mehr die Zeitschriften kaufst oder die Blogs liest, in denen dich XXS-Frauen in Bademode anspringen. Lese stattdessen entweder Plus-Size-Blogs oder suche dir bewusst Kanäle aus, die frei sind von diesen Bildern und Stigmata. Wenn dein Newsfeed auf Facebook plötzlich nicht mehr Vorher-Nachher-Bilder von ehemals kurvigen Frauen anzeigt, die jetzt plötzlich gertenschlank geworden sind, wird dir das den Druck nehmen.

Tipp 4: Nimm dir Zeit nur für dich selbst

Ein wichtiger Weg zu mehr Selbstliebe führt darüber, sich selbst besser kennenzulernen oder sich öfter mal wieder zu begegnen. Klingt lustig? Tatsächlich führt der Stress im Alltag dazu, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr wahrnehmen. Wann hast du zum letzten Mal einen Spaziergang ganz allein gemacht, bei dem du deinen Gedanken nachhängen, das Rascheln der Blätter und den Duft der Natur nach dem Regen gespürt hast? All das ist wichtig, um ganz und gar bei dir zu sein und nicht immer nur nach Fehlern zu suchen.

Tipp 5: Behandle dich selbst gut

Wie oben schon einmal erwähnt, geht es bei Body Positivity nicht darum, dich ungesund zu ernähren und die zusätzlichen Pfunde einfach hinter mehr positiver Körperwahrnehmung zu verstecken. Ganz im Gegenteil. Du solltest gut zu dir sein, dich gesund ernähren, ausreichend Wasser trinken, dich viel bewegen, frische Luft schnappen, dich nicht überarbeiten, viel schlafen. Das alles sind wichtige Meilensteine auf dem Weg zu mehr Selbstliebe.

Sei dir bitte immer darüber im Klaren, dass Selbstliebe nicht über Nacht kommt. Du musst hart an dir arbeiten und manchmal ist es sogar eine Lebensaufgabe. Aber: Es wird sich lohnen.