Schluss mit Überforderung oder Unterforderung

Burnout & Boreout: Wie dich falsche Arbeitsbelastung krank macht

Bestimmt kennst du das Gefühl, im Job überfordert zu sein oder dich zu langweilen, weil gerade kein neues Projekt ansteht. Doch was ist, wenn diese Überforderung oder Unterforderung zum Dauerzustand wird? Hier erfährst du, was Burnout und Boreout bedeuten, wie du Symptome erkennen kannst und welche Therapie-Möglichkeiten es gibt.

Was ist ein Burnout?

Burnout bedeutet, dass du einen Zustand starker emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung sowie verringerter Leistungsfähigkeit erreicht hast. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet „ausgebrannt sein“. Obwohl immer mehr Menschen daran erkranken, ist es dennoch bis zum heutigen Tag keine anerkannte medizinische Diagnose. Vielmehr ist es ein Syndrom, hinter dem sich viele unterschiedliche Auslöser verbergen können. Deswegen ist eine einheitliche Definition auch so schwierig. In einem Punkt sind sich die Mediziner aber einig: Burnout hat einen engen Bezug zur Arbeitswelt. Sehr großes Engagement, übertriebener Ehrgeiz und das Streben zur Perfektion führen oft zu geistiger und körperlicher Überbelastung. Das heißt auch, dass du dazu neigst, deine eigenen Bedürfnisse stark in den Hintergrund zu stellen.

Burnout ist ein schleichender Prozess, der sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann. Meist beginnt es damit, dass du merkst, dass deine Leistungsfähigkeit nachlässt und du längere Phasen der Erholung brauchst. Doch statt dir die benötigte Auszeit zu gönnen, versuchst du deinen Leistungsabfall mit noch mehr Engagement auszugleichen. So landest du in einer Spirale, die dich immer näher an die körperliche Erschöpfung bis zum völligen Zusammenbruch bringt. Oft kommen dabei Belastungen aus zwei oder mehr Lebensbereichen zusammen, die dann in Summe zum Burnout führen. Risikogruppen sind vor allem Frauen, Manager und Selbstständige.

Welche Symptome gibt es beim Burnout?

Bei einem Burnout gibt es kein einheitliches Krankheitsbild, sondern du entwickelst verschiedenste körperliche und psychische Symptome. Dabei sind deine körperlichen Beschwerden meistens psychosomatisch und haben keine organische Ursache. Du bekommst die Symptome nicht plötzlich von einem Tag auf den anderen, sondern sie entwickeln und vermehren sich im Laufe der anhaltenden Belastung. Dadurch gewöhnst du dich schnell an die Symptome und siehst sie als eine Art Normalzustand an. Das Problem an der Diagnose ist die Vielfalt der Symptome, die auch auf andere psychische Erkrankungen hinweisen können. Vor allem zu einer Depression besteht große Ähnlichkeit.

Körperliche Symptome
  • Schlafstörungen
  • Schwindel
  • Muskelverspannungen
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Übelkeit, Bauchkrämpfe oder Magenschmerzen)
  • erhöhte Anfälligkeit für Infekte
  • Angstzustände
  • Niedergeschlagenheit
  • Erschöpfungszustände
Psychische Symptome
  • sinkendes Selbstvertrauen
  • stärkere Verletzlichkeit in Bezug auf Enttäuschungen oder Verluste
  • erhöhte Stressanfälligkeit
  • sinkende Arbeitszufriedenheit
  • Lustlosigkeit, Gereiztheit, Interessenverlust

Wie sieht die Therapie bei Burnout aus?

Die Behandlung eines Burnout-Syndroms ist schwierig, da bei jedem Betroffenen die Symptome unterschiedlich ausfallen. Deswegen wird die Behandlung individuell auf dich angepasst. Der erste Schritt ist, dass du realisierst, dass du Hilfe brauchst. Je früher du dies erkennst, desto besser sind die Therapieaussichten.

Der wichtigste Punkt bei der Therapie ist: vermeide Stress bzw. erkenne die Stressfaktoren in deinem Leben und versuche sie zu verringern oder idealerweise komplett zu beseitigen. Ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber über deine jetzige Arbeitssituation oder sogar ein Arbeitswechsel sind ein guter Anfang.

So schützt Du Dich vor Burnout

Manchmal helfen auch ein paar tiefe Atemzüge.

Es ist wichtig, dich zu entlasten und deine eigenen Bedürfnisse wieder in den Vordergrund zu stellen. Nimm dir Zeit für Dinge, die dich glücklich machen, wie zum Beispiel Hobbys und Sport oder triff dich mit Freunden und Familie. Ein intaktes soziales Umfeld ist wichtig für dein Selbstbewusstsein und zeigt dir, dass du nicht auf dich allein gestellt bist.

Langfristig ist es notwendig, dass du deine bisherigen Gewohnheiten und Verhaltensmuster änderst, eine gesunde Lebensweise und eine gute Work-Life-Balance entwickelst. Lerne deine Bedürfnisse zu erkennen und zu beachten, versuche Gelassenheit zu entwickeln, hinterfrage deine Ansprüche an dich selbst. Oft hilft eine Auszeit vom Alltag, ein längerer Urlaub, damit du dich wieder auf dich selbst und deine Bedürfnisse besinnen kannst.

Was ist ein Boreout?

Boreout ist sozusagen das Gegenteil eines Burnouts. Du wirst krank durch Langeweile oder eine simple Unterforderung im Job. Dies hat aber nichts mit Faulheit zu tun. Du möchtest arbeiten, Herausforderungen meistern und Anerkennung bekommen, wurdest jedoch in deine jetzige Situation gezwungen, zum Beispiel durch Zwangsversetzung oder Automatisierung der eigenen Aufgaben. Dadurch bekommst du zu wenige oder falsche Aufgaben und fühlst dich unterfordert. Betroffen sind davon vor allem Beamte, Mitarbeiter der Finanzindustrie und Bürojobs. Bei Handwerkern oder sozialen Berufen ist ein Boreout eher selten der Fall.

Das Paradoxe an einem Boreout ist, dass du als Betroffener Beschäftigung oder sogar Überforderung vortäuschst und dadurch den Zustand somit nur weiter verschlimmerst. Über Langeweile am Arbeitsplatz zu sprechen, ist in unserer Leistungsgesellschaft ein Tabuthema, deswegen wird das Thema nicht angesprochen, sondern Vertuschungsstrategien entwickelt.

Es gibt 3 Punkte, die in Kombination miteinander zu einem Boreout führen können:

  • Unterforderung: Du bist chronisch unterfordert und weißt, dass du mehr leisten kannst, als dir zugetraut wird.
  • Langeweile: Da du nicht weißt, was du während deiner Arbeitszeit tun sollst, wirst du lustlos und rastlos.
  • Desinteresse: Durch die fehlende Identifikation mit deiner Arbeit bist du deiner Arbeitsstelle gegenüber gleichgültig.

Welche Symptome gibt es beim Boreout?

Die Symptome bei einem Boreout ähneln denen eines Burnouts, haben aber eine andere Ursache. Durch die Unterforderung und den Versuch, das Ganze zu vertuschen, entstehen Stress und Erschöpfung. Durch die qualitative und quantitative Unterforderung und vor allem der Diskrepanz zwischen dem, was du kannst und dem, was von dir gefordert wird, ergibt sich in Kombination mit fehlender Anerkennung purer Stress für dein Nervensystem.

Langfristig ist es wichtig, dass du Erfolgserlebnisse hast, wertgeschätzt wirst und Projekte abschließen kannst.

Körperliche Symptome
  • Schlafstörungen
  • Schwindel
  • Muskelverspannungen
  • Tinnitus
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Übelkeit, Bauchkrämpfe oder Magenschmerzen)
    erhöhte Anfälligkeit für Infekte
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Psychische Symptome
  • Gefühle von Wertlosigkeit und Antriebslosigkeit
  • sinkendes Selbstvertrauen
  • Unfähigkeit das Leben zu genießen
  • erhöhte Stressanfälligkeit
  • sinkende Arbeitszufriedenheit

Wie sieht die Therapie bei Boreout aus?

Genauso wie beim Burnout ist Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Heilung. Schreibe ein „Arbeitstagebuch“. Dokumentiere, was deine Aufgaben sind, wie erfüllend sie für dich sind und wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen. Im nächsten Schritt suche das Gespräch mit deinem Chef. Rede mit ihm über deine Situation, versucht gemeinsam Lösungen zu finden, doch bringe auch eigene Ideen und Vorschläge mit ein. Auch eine Weiterbildung oder fachliche Neuorientierung im Unternehmen können dir den Spaß an deiner Arbeit wiedergeben. Wenn du in deiner jetzigen Firma keine Möglichkeiten einer Änderung deiner Situation siehst, ist es nötig, dass du dich woanders bewirbst. Egal, welchen Weg du wählst, frage dich dabei immer: interessiert mich diese Tätigkeit?

Fazit – In unserer „Leistungsgesellschaft“ steigt der Druck auf dich als Arbeitnehmer zunehmend, genauso wie die Gefahr, an Burnout oder Boreout zu erkranken. Auch wenn sie noch nicht offiziell als Krankheiten anerkannt wurden, ist es wichtig, dass du auf die Symptome achtest – sowohl bei dir, als auch bei deinen Freunden und Kollegen. Versuche eine gesunde Work-Life-Balance zu bewahren und dir genügend Freiraum für dich und deine Interessen zu lassen, so dass du den Stress in deinem Leben reduzieren kannst.