Warum echte Menschen dir auch den Weg zeigen können

Digital Detox: Handy-Entzug ist ja auch keine Lösung, oder?

Experten sagen, die ständige Erreichbarkeit, das Posten, Chatten, WhatsAppen, Mails checken und Telefonieren soll irgendwie ungesund für unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist sein. Der permanente Online-Modus mache nervös und schwäche soziale Strukturen. Es soll wohl sogar unhöflich sein, mitten im Gespräch mit einem Freund mal eben das Handy herauszuholen, um ein Bild vom Kirschkuchen bei Instagram zu posten. Lebensgefahr entstehe dann, wenn du auf der Straße statt auf den Verkehr zu achten, gerade den Rekord bei Candy Crush brichst.

Die Lösung für die Probleme, die eine ständige Erreichbarkeit mit sich bringt, heiße „Digital Detox“ – eine digitale Entgiftung und der zeitweise Verzicht auf Smartphone, Notebook und Tablet. Ernsthaft jetzt? Wir klären in diesem Beitrag die entscheidende Frage: Wie kann ich ohne Smartphone leben und warum soll ich mir sowas eigentlich antun?

Genieße deine freie Zeit

Spaziergang vs. „Instagram Walk“

Was ist eigentlich Digital Detox?

Natürlich leben auch Eltern ihren Kindern heute vor, dass das Handy im Zweifel wichtiger ist, als ein echtes Gespräch am Esstisch. Zugegeben sind die Medien und Technologien heute so verlockend, dass du schnell in einen Sog voller Informationen gezogen wirst. Blinkt eine Benachrichtigung auf, willst du natürlich sofort wissen, wer was mitzuteilen hat. Auch dein Gegenüber erwartet zeitnah Antwort – was nach fünf Minuten noch nicht beantwortet ist, gilt je nach „Gesprächspartner“ schon mal als unhöflich. Und auch die vielen bunten Foto-Apps, Spiele und Wissens-Tests bieten dir so manches Mal einen dankbaren Rückzugsort aus der Realität. So weit, so gut: Warum kann dann nicht einfach alles so bleiben, wie es ist?

Warum die digitale Entgiftung wichtig ist

Das King’s College in Großbritannien hat nachgewiesen, dass ein bekiffter Mensch eine höhere IQ-Leistung erbringt als jemand, der von einer E-Mail abgelenkt wird. Noch mehr Gründe, in den Offline-Modus zu wechseln, haben wir hier zusammengetragen:

Du vergisst deine eigenen Bedürfnisse

Die ständige Online-Präsenz verleitet dich dazu, dass du dich mehr auf andere konzentrierst, als auf dich selbst. Das wiederum führt dazu, dass deine persönlichen Bedürfnisse nicht mehr die Beachtung finden, die sie eigentlich brauchen. Du weißt zwar jetzt den neusten Klatsch über Prinz Harry, hast aber vollkommen vergessen, in den letzten 3 Stunden mal ein Glas Wasser zu trinken oder einfach 10 Minuten am Stück eine Pause zu machen.

Du vernachlässigst persönliche Kontakte

Vieles lässt sich mit ein paar Kurznachrichten klären – dadurch verzichtest du oft (unbewusst) auf ein persönliches Treffen mit einem lieben Menschen. Diese Zeit nutzt du stattdessen, um mal eben zum 8. Mal in der vergangenen Stunde die E-Mails zu checken oder einen neuen Post auf Facebook abzusetzen.

Du stehst ständig unter Stress

Die ständige Erreichbarkeit stresst deinen Körper. Hat mir jemand geschrieben? Wartet jemand auf Antwort? Habe ich vielleicht gerade ein Last-Minute-Angebot in einer Push-Nachricht übersehen? Die Flut an Informationen und der Druck, jede Nachricht sofort zu beantworten, führt zu einer Reizüberflutung, die dich enorm unter Stress setzt. Und Stress ist bekanntlich Gift für unsere Gesundheit.

Es gibt noch sehr viel mehr Gründe, warum dein Leben ohne Smartphone, Notebook und Tablet reicher werden kann – zumindest für eine Weile. Wer in einer fremden Stadt einen Einheimischen nach dem richtigen Weg fragt, knüpft neue Kontakte. Vielleicht wird aus dieser zufälligen Begegnung ja die Liebe deines Lebens, die andernfalls wortlos an dir vorbeiziehst, während du derweil die GPS-Daten bei Google Maps einträgst. Mittlerweile kannst du zwar schon Avatare im Internet heiraten – aber sie werden dir keinen Tee bringen, wenn du es am Abend zuvor beim Bier-Yoga übertrieben hast und du wirst mit ihnen auch niemals eine echte Familie gründen können.

Digital Detox – Wie kann ich ohne Smartphone leben?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die digitale Entgiftung in die Tat umzusetzen. Gleich vorweg: Es ist fast niemandem im 21. Jahrhundert realistisch möglich, spontan das Handy abzuschalten und online nicht mehr erreichbar zu sein. Stattdessen gibt es aber verschiedene Wege zu mehr Entspannung im Alltag durch den Verzicht auf digitale Endgeräte.

Gehörst du zu den Menschen, die Nägel mit Köpfen machen, wenn sie eine Entscheidung getroffen haben? Dann sind diese drei Tipps für deine digitale Entziehungskur Gold wert.

  1. Endgeräte in den Flugmodus schalten
    Suche dir bewusst Zeiten am Tag, in denen du nicht erreichbar sein möchtest. Das muss nicht unbedingt während der Arbeitszeit sein, wenn du einen wichtigen Kunden-Anruf erwartest. Ideal ist der Flugmodus beispielsweise nach Feierabend, wenn alle beruflichen Aufgaben abgeschlossen sind und du den Abend wirklich zur Entspannung nutzen willst. Es mag verrückt klingen, aber vielleicht gelingt es dir ja sogar, ein Buch zu lesen?
  2. Smartphone-freie Räume einrichten
    Wenn du Digital Detox wirklich ernsthaft betreiben möchtest, druck dir Handy-verboten-Schilder aus und richte damit handyfreie Räume in deiner Wohnung ein. Das kann das Esszimmer sein oder auch das Schlafzimmer.
  3. Richte dir ein Online-Budget ein
    30 Minuten online reichen am Tag aus, um alle wichtigen Dinge zu klären – wetten? Überlege dir, wann du dein Smartphone benötigst, beispielsweise um mal schnell eine Absprache zu tätigen oder um für den Arbeitgeber erreichbar zu sein. Für alles Andere richte dir eine Mailbox-Ansage ein, die du dann einmal täglich abhörst. Wenn es wichtig war, dann wirst du es rechtzeitig erfahren.

Alternative Digital Detox Camp

In den Wäldern Kaliforniens gibt es ein Camp für alle, die einen digitalen Entzug machen und die Rückfallquote so niedrig wie möglich halten wollen. Unter dem Motto „Disconnect to Reconnect“ wird hier ein kalter Entzug angeboten. Alle Teilnehmer müssen zu Beginn Handy und Tablet abgeben. Sie lernen in vier Tagen, wie sie ihre Zeit sinnvoller verbringen können, als 400 Mal die Facebook-Timeline zu aktualisieren. Zum Beispiel, an einem Bach zu sitzen und den Wasserlauf zu beobachten. Ein Gespräch mit einem realen Menschen zu führen. Musik hören. Malen. Tanzen. Bogenschießen. Wer das Googeln vermisst, kann seine Frage an eine Wand pinnen und darauf warten, dass ein anderer Camp-Teilnehmer antwortet. Das alles können die Teilnehmer in diesem Camp machen, ohne dabei auch nur einmal ein Handy in der Hand zu haben. Am Ende bleibt dann die Erkenntnis, dass niemand eine App braucht, um festzustellen, ob er gut und ausreichend geschlafen hat.

So lernst du schonend, nicht mehr dauerhaft verfügbar zu sein

Wenn du dich erst einmal schonend an das Thema Digital Detox herantasten möchtest, dann werden dir diese drei Tipps für einen sanften Entzug weiterhelfen:

  1. Handy in bestimmten Situationen aus lassen
    Überlege dir, wann Handykonsum absolut überflüssig ist. Beispielsweise dann, wenn du mit Freunden einen Kaffee trinkst oder mit deiner Familie am Esstisch sitzt. In diesen Zeiten bleibt das Smartphone lautlos in der Tasche. Die Aus-Zeiten erhöhst du dann schrittweise.
  2. Online-Dienste umlagern
    Dein Handy ist für dich wie ein persönlicher Assistent. Es weckt dich am Morgen, führt deine Einkaufsliste, erinnert dich an Geburtstage. Dadurch hast du allerdings automatisch immer ein Smartphone in der Hand. Versuche doch mal, diese Dienste umzulagern. Kauf dir einen Wecker, schreib deine Einkaufsliste auf Schmierpapier und hänge einen Geburtstagskalender an die Klotür.
  3. Schalte Push-Nachrichten aus
    Der Reiz, das Handy in die Hand zu nehmen, ist immer dann am größten, wenn irgendwo eine Nachricht aufblinkt. Schalte alle Push-Nachrichten und Messenger-Dienste aus und lösche alle Apps, die du nicht zwingend brauchst.

Die gute Nachricht ist: Du bist dein eigener Avatar und kannst real darüber entscheiden, wieviel Medienkonsum du in deinem Leben zulässt. Wir möchten dich mit diesem Beitrag dafür sensibilisieren, durch digitale Enthaltsamkeit gesund zu bleiben und vielleicht einmal öfter einen realen Menschen nach dem Weg zu fragen, statt deinen Computer.