Ständiger Selbstoptimierung standhalten

Fitness-Tracker: Fluch oder Segen?

Fitness-Tracker sollen uns zu einem gesünderen Lifestyle verhelfen. Dafür wird jeder Schritt gezählt, Herzfrequenzen überwacht und sogar der Schlafrhythmus protokolliert. Alles nur Statistik-Wahn? Oder macht uns diese Überwachung wirklich fitter?

Der Selbstoptimierungstrend macht auch vor unseren sportlichen Aktivitäten nicht halt. Vielleicht liegt es sogar in der Natur des Sports, sich ständig zu verbessern und immer wieder persönliche Grenzen auszutesten. Höher, schneller, weiter: dieses Motto existiert schließlich nicht erst seit Kurzem. Die eigene Performance unterliegt dabei einer ständigen Kontrolle. Wie schnell war ich diesmal? Habe ich heute alle Wiederholungen geschafft? Und was macht eigentlich Kalorienverbrauch?

In unseren Köpfen verhält sich die Leistung von gestern wie eine Mauer, die es zu durchbrechen gilt. Dabei werden Zeiten und Zahlen akribisch dokumentiert und mit den vorangegangenen Werten verglichen. Das Notizheft, in dem die Daten sorgfältig notiert wurden, hat jedoch längst ausgedient. Heute überlassen wir die Aufzeichnung der Sportdaten den sogenannten Fitness-Trackern. Wie das funktioniert, welche Dinge zu beachten sind und ob uns die kleinen Überwacher wirklich zum Sport motivieren können, wollen wir in diesem Artikel unter die Lupe nehmen.

Sind Fitness Tracker sinnvoll?

Schneller, weiter, besser: Mit Fitness Trackern fordern wir uns selbst heraus

Was machen Fitness-Tracker überhaupt?

Die Überwachung der eigenen Fitness hat in den letzten Jahren ein noch nie da gewesenes Level erreicht. Durch das Aufkommen der Fitness-Tracker verwandelt sich das private Sporttreiben in eine Art statistisches Langzeit-Experiment. Fitness-Tracker, im Allgemeinen auch „Activity-Tracker“ genannt, sind tragbare elektronische Geräte zur Aufzeichnung von gesundheitsrelevanten Daten. Überwacht werden beispielsweise die Herzfrequenz, Anzahl der Schritte, zurückgelegte Distanz, Temperatur, verbrannte Kalorien und sogar der Schlafrhythmus. Das alles soll uns dabei helfen, uns mehr zu bewegen, einen gesunden Tagesablauf einzuhalten und sportlich zu verbessern.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Herstellen, die den Trend erkannt haben und mit diversen Produkten um einen Marktanteil kämpfen. Aussehen, Verarbeitung und Preis variieren dabei recht stark und du hast die Wahl zwischen Fitness-Armbändern, Smartwatches, Clip-Ons oder Smartphone-Apps. Die heutigen Geräte sind kleine Technik-Giganten und haben nichts mehr mit den Pedometern von damals gemein. Vollgestopft mit Funktionen wie GPS, Schrittzähler, Pulsmesser, Thermometer oder Internetempfang dokumentieren die Fitness-Überwacher deine sportliche Leistung rund um die Uhr. Mit jeder Generation kommen neue Features dazu, sodass bereits ein breites Spektrum an Sportarten erkannt wird – sogar Golf. Die Erkennung läuft meist automatisch ab, andernfalls kannst du die jeweilige Sportart auch manuell auswählen.

Welcher Fitness-Tracker passt zu dir?

Welcher Fitness-Tracker zu dir passt, hängt immer von dem Einsatz-Zweck und deinem Lifestyle ab. Für Läufer und Jogger wird die GPS-Funktion von Bedeutung sein, um die zurückgelegte Distanzen und Durchschnittsgeschwindigkeit zu ermitteln. Schwimmer hingegen benötigen ein wasserdichtes Gerät, das zusätzlich noch in der Lage ist, die Armbewegungen der verschiedenen Stile richtig zu deuten. Andernfalls werden kleine Ruckler als Bewegung interpretiert und die Daten verzerrt. Fitness-Armbänder sind leicht und selbst für schweißtreibende Sportarten ideal. Der Akku hält meist lang, da das kleine Display und die eingebauten Features nicht so ressourcenhungrig sind. Smartwatches bieten einen größeren Funktionsumfang und sind zudem Lifestyle-Produkt. Durch die Kombination aus Uhr und Fitness-Tracker kannst du deine Smartwatch auch im Alltag nutzen.

Grundsätzlich kann man sagen: Je teurer das Produkt, desto vielseitiger das Gerät – die verbaute Technik hat natürlich ihren Preis. Jedoch sind teurere Modelle den günstigen nicht immer überlegen. Nicht jeder benötigt einen Temperaturmesser oder gar LTE-Empfang. Und besonders, wenn es ums Design geht, sagt dir die Sparvariante des einen Herstellers vielleicht mehr zu, als die Luxusversion des anderen. Bei der Vielzahl an Geräten fällt die Entscheidung nicht immer einfach. Damit du dich im Fitness-Tracker-Dschungel nicht verlierst, möchten wir dir deshalb drei aktuelle Produkte vorstellen.

Garmin Vivosport – Allrounder mit Präzision

Der Garmin Vivosport ist mit seinen 26 Gramm ein Leichtgewicht und überzeugt durch seinen kompakten Formfaktor. Das weiche Silikon-Armband ist nicht nur bequem, sondern auch einfach zu reinigen. Gerade nach verschwitzten Sessions ein echter Segen! Dank GPS erfolgt eine exakte Aufzeichnung deiner Aktivitäten. Pulsmesser sowie Schlafanalysetool sind standardmäßig an Bord und durch das wasserdichte Gehäuse ist der Tracker auch für Schwimmer geeignet. Die Navigation erfolgt über Touch-Gesten und die Akkuleistung beträgt nach Herstellerangaben solide 8 Tage.
Vorteile:

  • gutes Display
  • Ausstattung
  • GPS-Genauigkeit

Nokia Steel HR – Smartwatch im eleganten Design

Der finnische Hersteller überzeugt mit einem Fitness-Tracker in klassisch dezenter Optik. Die Kombination aus dunklem Ziffernblatt und OLED-Display vereint Vergangenheit und Moderne auf elegante Weise. Schwimmen ist dank des wasserdichten Gehäuses kein Problem und der auf der Innenseite angebrachte Pulsmesser gibt zuverlässig Auskunft über deinen Herzschlag. Dank der langen Akkulaufzeit muss die Nokia Steel HR erst nach 27 Tagen wieder an Stromnetz – Zeit genug um den hervorragenden Schrittzähler ausgiebig zu testen.
Vorteile:

  • edles Design
  • lange Akkulaufzeit
  • 24 Stunden durchgängige Pulsmessung

Fitbit Charge 2 – Mit der App für Atemübungen

Auch der Charge 2 kommt mit einem hervorragenden Schrittzähler sowie einer verlässlichen Puls- und Schlafmessung daher. Der eigentliche Clou ist aber die App zur geleiteten Atemübung. So lässt du den stressigen Alltag durch gezieltes Ein- und Ausatmen schnell hinter dir. Tauchen gehen solltest du mit diesem Tracker allerdings nicht, denn das Gehäuse ist nur spritzwassergeschützt. Der Akku hält 6 Tage.
Vorteile:

  • geleitet Atemübungen
  • Pulsmesser
  • unterstützt zahlreiche Sportarten
Fitness Tracker

Fitness Tracker – Analyse vs. Kontrolle

Gesunder Lifestyle dank Fitness-Tracker?

Nun kommen die eigentlich wichtigen Fragen: Helfen uns diese Geräte wirklich dabei, unseren inneren Schweinehund zu überwinden und ein sportlicheres Leben zu führen? Und ist es wirklich so einfach: Tracker ums Handgelenk geschnallt und „Hallo gesunder Lifestyle!“? Natürlich muss man die ganze Sache etwas differenzierter sehen. Zu wissen, wie viele Schritte du gehst oder wie hoch dein Kalorienverbrauch ist, kann dabei helfen, deine Sportsession oder den Tagesablauf zu optimieren. Die Daten zeigen dir aber nur, auf welchem Weg du dich momentan befindest. Wichtig ist, welchen Schluss du aus diesen Informationen ziehst und ob sie deine Motivation beeinflussen. Die eigene Lebensweise umzustellen, gesünder zu leben und sportlich aktiver zu werden, erfordert mehr als eine Langzeitstatistik. Sicher, Fitness-Tracker sind ein interessantes Trendprodukt und allein die schiere Anzahl an Herstellern und Modellen zeigt, wie hoch das Interesse momentan an diesen Lebensoptimierern ist. Aber bleibt der Effekt auch langfristig bestehen?

Die Ergebnisse einer Studie der TU Chemnitz lassen genau an dieser Langfristigkeit zweifeln. Zwar gaben auf der einen Seite 18% der Befragten an, sich ohne den Tracker weniger zu bewegen, anderseits ebbte die Euphorie bei vielen schnell wieder ab und die Personen hörten auf, den Tracker zu tragen. Ein weiterer interessanter Effekt war, dass einige Probanden angaben, sich lieber gar nicht zu bewegen, als ohne Fitness-Tracker sportlich aktiv zu werden. Nicht zu wissen, wie viele Kalorien man verbrennt oder wie weit man gelaufen ist, war demnach unattraktiver, als sich gar nicht zu bewegen.

Sport um der Statistik willen

Und genau dort liegt eines der Grundprobleme mit der ständigen Fitness-Überwachung: der Sport an sich steht nicht mehr im Vordergrund. Du läufst plötzlich nicht mehr, um dich besser zu fühlen, sondern um deine Zeit zu verbessern. Du schwimmst, nicht weil du gesünder leben möchtest, sondern um die Anzahl deiner Armzüge mit dem Wert von gestern zu vergleichen. Diese Einstellung kann schnell zur Belastung werden und die befreiende Wirkung sportlicher Aktivität ist dahin. Wenn es dir nur darum geht, einen Richtwert zu erfüllen, kannst du die Jogging-Runde durch den Park gar nicht mehr genießen. Etwas Schönes wird zum Zwang, sich aufzuraffen immer schwerer und auf einmal bleibst du lieber auf der Couch, als die Trainingsklamotten anzuziehen.

Unterschätze nicht den mentalen Druck eines Fitness-Tracker

Ein weiterer Aspekt ist, dass man seine Tagesleistung ständig im Kontext früherer Erfolge bewertet. Die Erwartungen an dich selbst steigen ins Unermessliche. Das Mantra: Bloß die Zeit von gestern einhalten und nicht langsamer werden, das zieht nur die Statistik runter. Doch niemand kann dauerhaft optimale Leistung bringen – allein natürliche Tageschwankungen verhindern das. Die Selbstoptimierung geht nach hinten los. Niedergeschlagenheit macht sich breit. Jedes Mal, wenn die Werte nicht zufriedenstellend ausfallen, kommt das einer Niederlage gleich. Doch niemand verliert gern, also gehst du über die Schmerzgrenzen hinaus, denn nur so sind den illusorischen Erwartungen beizukommen. Langfristig schadet das auch dem Körper und der eigentliche Effekt macht eine Kehrtwende: Was dich gesünder machen sollte, führt nun dazu, dass Muskeln, Sehnen und Gelenke unter dem stetigen Druck streiken. Irgendwann hinterlässt der ständige Druck auch auf mentaler Ebene seine Spuren. Das Resultat: Du verbindest Sport mit dem zwanghaften Drang nach persönlichen Erfolgen. Nur wenn die Zahlen stimmen, stimmt auch der Selbstwert.

Fitness-Tracker können dich bei deinen sportlichen Aktivitäten zielgerichtet unterstützen und dir wertvolle Informationen über deine Performance liefern. Jedoch solltest du dich keinesfalls dem Statistik-Wahn hingeben. Zahlen und protokollierte Werte können als Mittel zum Zweck dienen. Doch dieser Zweck ist nicht die Quantifizierbarkeit deiner Aktivitäten, sondern das Sporttreiben selbst.