So kommst du wieder heraus!

Handysucht: Steckst du im digitalen Sumpf?

Wir begegnen ihnen überall: Auf dem Weg zum Bus, in der Bahn, beim Arzt, am Tisch zusammen mit Freunden und abends auf dem Sofa – Handys und Smartphones. Ups, gar nicht so recht bemerkt, weil du selbst aufs Smartphone schaust? Dann überleg mal, ob das noch in einem gesunden Maß ist. Denn: Immer mehr Menschen sind gefährdet, Opfer von Handysucht bzw. dem Mobile and Internet Dependency Syndrome (kurz: MAIDS) zu werden. In diesem Artikel erklären wir dir, wie du Handysucht erkennst und was du tun kannst, um den zwanghaften Blick aufs Smartphone zu unterbinden.

Mobile and Internet Dependency Syndrome: Was ist Handysucht überhaupt?

Sind wir mal ehrlich: Ohne Smartphone wäre das Leben nur halb so einfach und wahrscheinlich auch nur halb so schön. Unser Handy ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: Morgens weckt es uns mit unserem Lieblingssong, während der Morgenroutine versorgt es uns mit einer Extraportion Unterhaltung von YouTube, in der Bahn schließlich dient es als Ersatz für die Tageszeitung. Und so geht es dann weiter, bis wir abends auf der Couch noch schnell die Instagram Stories unserer liebsten Brands, Shops und Stars checken.

Mal ganz abgesehen davon, dass Kommunikation ohne das Smartphone wesentlich aufwendiger wäre. Eine schnelle Nachricht über Whatsapp an Opa, der obligatorische Anruf bei Mutti und ein Selfie nach New York an die Freundin im Auslandssemester – Smartphone und Internet machen die Welt kleiner. Sie bringen uns in Sekundenschnelle und in Echtzeit zu unseren Liebsten. Sie zaubern uns ein Lächeln auf die Lippen und beschwingen uns. Und gerade hier liegt das Risikopotenzial verborgen, wie Mediziner feststellten.

Vor dem Blick aufs Smartphone macht sich freudige Erwartung breit: Welche Überraschung ist nun an der Reihe? Die Antwort aus New York, ein neuer Like auf dem Bild der Silvester Party oder die längst ausstehende Antwort auf die Bewerbung? Die unterbewusste Vorfreude ist nicht nur ein diffuses Gefühl, sondern hängt mit harten biologischen Fakten zusammen.
Vorfreude = Dopaminausstoß. Auf gut Deutsch: Die freudige Erwartung hängt mit dem Glückshormon Dopmain zusammen, was auch ein gewisses Suchtpotenzial birgt. Der Körper wird nach dem Glückskick süchtig. Und der lässt sich durch einen Blick aufs Smartphone immer wieder mit verhältnismäßig wenig Aufwand beschaffen. Das innere Belohnungssystem wird abhängig.

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In der Freizeit und bei jeder Gelegenheit zum Handy greifen. Erkenne die Sucht rechtzeitig.

Handysucht erkennen: Bin ich süchtig nach meinem Smartphone?

Süchtig oder nicht süchtig, das ist hier die Frage. Aber so einfach lässt sich eine Handysucht gar nicht erkennen. Die Grenzen sind nämlich fließend: Niemand hat es besonders gerne, wenn das Smartphone unauffindbar oder der Akku leer ist und somit die Erreichbarkeit unterbrochen wird. Krankhafte Ausmaße nimmt das Ganze jedoch dann an, wenn ein leerer Handyakku mit Nervosität oder gar Schweißausbrüchen verbunden ist. Gipfelt das Ganze in Angst und Schlaflosigkeit sollten alle Alarmglocken schrillen: Das ist nämlich ganz und gar nicht normal.

Ob du handysüchtig bist, lässt sich auch an deinem Produktivitätslevel feststellen. Nimmt deine Leistungsfähigkeit massiv ab, wenn das Smartphone in der Nähe ist, kann das auf eine Handysucht hinweisen. Wer sein Handy ständig zur Hand nimmt, reist sich selbst aus produktiven Workflows heraus. Sei es nun im Job, bei der Vorbereitung auf die nächste Prüfung oder in einem Meeting – der Blick aufs Smartphone lenkt ab.

Und auch hier sprechen übrigens die Zahlen wieder für sich. Durchschnittlich schauen wir 88-mal am Tag aufs Handy, was wirklich eine beträchtliche Anzahl ist. Die Stunden in der Nacht, wenn wir schlafen mal abgezogen, erfolgt der Smartphone-Check also im Durchschnitt alle zehn Minuten. Wer für den Blick aufs Handy also mehr oder weniger bewusst die Arbeit unterbricht, ein Gespräch pausiert oder die Liebsten warten lässt, ist gefährdet, am Mobile and Internet Dependency Syndrome erkrankt zu sein. Bemerkst du dann noch eine Steigerung deines Internetkonsums, wird es Zeit, dem Ganzen Einhalt zu gebieten, um nicht vollkommen im digitalen Sumpf stecken zu bleiben.

Handysucht: Folgen für Smartphone Addicts

Smartphonesucht kann sowohl seelische als auch körperliche Folgen nach sich ziehen. Wer seinem Handy mehr Bedeutung beimisst als dem Partner oder den Freunden, isoliert sich nach und nach sozial. Das wirkt sich früher oder später auf die Psyche aus: Einsamkeit hinterlässt ihre Spuren.

Unter einer Handysucht leidet aber auch der Körper. Wer sich unterbewusst gezwungen sieht, immer wieder aufs Smartphone zu schauen, baut subtilen Druck und somit Stress auf. Steigt das Stresslevel stetig an, kann das sogar in einem Burn-out münden. Nicht erst seit gestern ist bekannt, dass Stress sich auch negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt und gesundheitliche Langzeitfolgen nach sich zieht, beispielsweise Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen.

Smartphonesucht: Tipps gegen die Abhängigkeit vom Handy

Du hast bemerkt, dass du dein Handy (zu) oft zur Hand nimmst oder wurdest von anderen darauf hingewiesen? Dann ist schon mal der erste Schritt getan: Sobald du dich der Problematik stellst, kannst du mit Gegenmaßnahmen beginnen. Wie die sich gestalten, kommt immer ein bisschen darauf an, wie sehr du im digitalen Sumpf feststeckst und ob es dir gelingt, dich mit einer gehörigen Portion Mut und Disziplin wieder selbst zu befreien.

Tagebuch führen: Wann und wie oft schaue ich aufs Handy?

Wie so oft lautet das Zauberwort: Sensibilisierung! Das heißt: Zunächst einmal müssen Betroffene ein Problembewusstsein entwickeln. Gleichzeitig gilt es, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Wie oft schaue ich überhaupt aufs Handy? Wann und in welcher Situation nehme ich das Smartphone zur Hand? Ein Tagebuch unterstützt Handy Addics dabei, eine Art Protokoll zu führen. Nach einer Woche lässt sich dann das erste Fazit ziehen: Gibt es Tage, an denen es besonders attraktiv erscheint, das Handy immer wieder in die Hand zu nehmen?

Dabei spielt vor allem die Gefühlswelt eine wichtige Rolle. Eine Abhängigkeit steht meistens nicht nur mit externen Auslösern – sogenannten Triggern – in Verbindung, sondern hat auch emotionale Gründe. Du hast einen schlechten Tag und fühlst dich alleine? Dann scheint es ganz naheliegend zu sein, über Whatsapp mit dem besten Freund zu schreiben. Stimmt’s?
Ziel ist es, mehr über die individuelle Smartphonenutzung bzw. eine mögliche Abhängigkeit zu erfahren. Mit den Erkenntnissen wird es dann wesentlich einfacher, aktive Schritte gegen die Handysucht einzuleiten. Schlechter Tag? Dann hilft es vielleicht, mit der Nachbarin einen Tee zu trinken und auf ein echtes „Face-to-Face“-Treffen zu setzen, anstatt den Abend am Handy zu hängen.

Handy aus: Digital Detox

Wer bemerkt, dass die Handynutzung ein ungesundes Maß annimmt, kann außerdem damit beginnen, sich selbst einzuschränken. Versuche, eine handyfreie Zone in deiner Wohnung einzurichten, zum Beispiel im Badezimmer. Ein ausgedehntes Schaumbad? Perfekt, beste Zeit für Entspannung und Digital Detox. Mal abgesehen davon, dass es dir auch die feine Elektronik deines Handys danken wird, nicht dem übermäßigen Wasserdampf ausgesetzt zu sein.

Smartphonefreie Zeiträume kannst du langsam ausdehnen. Am besten setzt du hier die Messlatte gerade zu Beginn nicht zu hoch, sondern fängst klein an. Erst fünf, dann zehn, schließlich sogar sechzig Minuten ohne Handy. Auch hier solltest du darauf achten, wie es dir bei deiner Smartphone-Pause geht: Wenn sich die Gedanken nur noch darum drehen, wann du dein Handy wieder zur Hand nehmen kannst, solltest du auch in Erwägung ziehen, professionelle Hilfe zu suchen.