They See Me Rollin'

E-Scooter mieten in Berlin: Ein Tag, vier Anbieter

Seit Mitte Juni düsen immer mehr Menschen auf elektronisch betriebenen Tretrollern durch die Straßen Berlins. Vor allem in Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg sind die bunten Zweiräder unterwegs. Wenn ich sonst als Erwachsene mit einem normalen Tretroller nach Hause gefahren bin, wurde ich ausgelacht. Nun sind E-Scooter voll im Trend.

Denn die elektrischen Tretroller sollen für mehr Mobilität sorgen, die Straßen leerer machen und zudem noch gut für die Umwelt sein. Wie mobil man mit den E-Scootern wirklich ist und worin sich die Anbieter unterscheiden, haben wir für dich getestet. Zum Glück ohne Schrammen und mit ganz viel Spaß!

Die vier großen Anbieter der ersten Stunde: Lime, Voi, Tier und Circ

Gestartet sind in Berlin nicht wie angenommen acht, sondern „nur“ vier Anbieter mit zusammen tausenden Rollern. Lime, Voi, Tier und Circ sind die Ersten – weitere sollen folgen. So zum Beispiel Bird aus den USA.

Auf den ersten Blick mögen sich die einzelnen E-Scooter nicht sonderlich unterscheiden – beim genaueren Hinsehen fallen aber viele Unterschiede auf.

Was kostet die Fahrt mit dem E-Scooter?

Alle bisherigen Berliner Anbieter fordern die gleichen Preise:

Fahrt starten: 1 Euro
Kosten pro Minute: 15 Cent

Beispiel-Rechnungen:
10-minütige Fahrt: 2,50 Euro
20-minütige Fahrt: 4 Euro
1-stündige Fahrt: 10 Euro

Vor allem bei längeren Fahrten solltest du überlegen, ob du lieber ein Miet-Fahrrad nimmst – das ist in vielen Fällen günstiger. Aber so ein E-Scooter macht halt anders Spaß.

Welche Gutscheine gibt es für Circ und Co.?

Zudem gibt es bei den Anbietern immer wieder Aktionen (Freifahrten und kostenloses Entsperren), bei denen User sparen können. Tier, Lime und Voi bieten zusätzlich verschiedene „Freunde werben Freunde“-Aktionen an.

Wir empfehlen dir, die Push-Notifications der Apps einzuschalten. Die Anbieter promoten ihre Angebote an Kunden gerne darüber. So verpasst du keine Aktion und gelangst auch mal an 30 Freiminuten – ohne großen Aufwand.

Die Mechanik

In unserem Test haben wir herausgefunden, dass alle gemieteten Scooter nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Nach dem Freischalten bzw. Entsperren des E-Scooters musst du dich nur kurz mit einem Bein abstoßen und ab da an macht der Motor den Rest.

Die Bremsen sind bei allen Scootern am Lenker, wie du es auch vom Fahrrad kennst. Teilweise kannst du auch mit dem Hinterreifen bremsen, wenn eine Vorrichtung dafür vorhanden ist. Also vor der Fahrt einfach kurz umschauen, mit einer geringen Geschwindigkeit die Bremsen testen, um keinen Sturzflug hinzulegen und sicher am Ziel anzukommen.

Und nicht erschrecken, wenn du das erste Mal anfährst: Die E-Scooter haben einen sehr starken Antrieb und können bis zu 20 Stundenkilometer erreichen.

Lime im Rundum-Check

Neben Berlin, kannst du die E-Scooter von Lime innerhalb Deutschlands noch in Köln, Hamburg und München leihen, sowie in vielen anderen europäischen Hauptstädten und Großstädten Europas.

Das Geschäftsgebiet ist in der App einsehbar und deckt grob den inneren S-Bahn-Ring ab. Kleine und große Parkanlagen sollest du vermeiden, da die Scooter dort nicht fahren sollen und ihre Geschwindigkeit runterdrosseln. In diesen Bereichen kann der Lime-Scooter außerdem nicht abgestellt und die Miete beendet werden.

Lime-Scooter kannst du innerhalb des S-Bahn-Rings fahren.

Neben Berlin ist Lime innerhalb Deutschlands noch in Köln, Hamburg und München verfügbar.

Anmeldung und App

Die App von Lime ist im Apple App Store und bei Google Play kostenlos erhältlich und auch der Anmeldeprozess verläuft sehr unkompliziert. Als Zahlungsmittel stehen dir die Kreditkarte und PayPal zur Verfügung.

Einmal angemeldet kann es auch schon losgehen! Die App zeigt dir die Standorte der einzelnen E-Scooter an und das ziemlich genau. Zudem siehst du auch gleich den Restakkustand. Wählst du einen Tretroller aus bekommst du folgende Informationen:

– Kennzeichen
– Wie viele Kilometer noch übrig sind
– Preise (was sich so lange erübrigt, wie die Preise einheitlich sind, aber vielleicht gibt es auf einzelnen E-Scooter bald Rabatt, ähnlich wie bei DriveNow)

Vor allem wenn mehrere Roller in unmittelbarer Nähe stehen, ist die Funktion „Klingeln“ sehr praktisch. Fehlt der Roller, kann dieser als fehlend markiert werden. In unserem Test hat das Anklingeln einmal super funktioniert – zu Lasten der Anwohner im Erdgeschoss. Einmal jedoch nicht: Obwohl wir direkt daneben standen, waren wir laut App zu weit weg.

Und los geht’s – die Fahrt mit dem E-Scooter von Lime

Hast du dir einen E-Scooter von Lime in der Nähe rausgesucht, gilt es schnell zu sein. Denn du kannst die Roller nicht reservieren bevor du die Miete startest. Diese Option bietet bisher kein einziger Anbieter.

Das Entsperren funktioniert über die App via QR-Code – ja, der feiert tatsächlich sein Revival. Nach der Entsperrung wirst du nochmal durch die einzelnen Hinweise geführt und es wird dir erklärt, wie du losfahren kannst.

Die Roller von Lime verfügen über eine Klingel sowie einem Display, auf dem die Geschwindigkeit und der Akkustand angezeigt werden. Kurz bevor der Akku leer ist (bei 10 %) beginnt das Display rot zu leuchten. Wenn der Akku komplett leer ist, wird der Roller langsamer und schaltet sich automatisch ab. Aber das sehr sanft. Also es besteht keine ernsthafte Sturzgefahr. Das Licht schaltet sich automatisch an. Und nicht erschrecken: Bewegst du den Roller im geparkten Zustand, fängt dieser sehr laut an zu piepen.

Testurteil Lime E-Scooter

Positiv:

– App ist einfach zu bedienen und hat ein gutes Menü
– Gamifictaion und Storytelling innerhalb der App ist sehr einfach
– Macht einen sicheren Eindruck: Wir haben uns sehr sicher beim Fahren gefühlt
– Alle Funktionen am Roller funktionierten
– Kommt schnell auf die 20 km/h (Höchstgeschwindigkeit)

Negativ:

– Bergauf kämpft der Roller etwas
– Ist recht schwer, auch im Vergleich zu anderen Rollern. Zu beachten, wenn man den Roller auf einen Bürgersteig hebt
– Angegebene Kilometerzahl entspricht nicht der Realität: 12 km/h wurden angezeigt, 3 km/h waren es, bevor der Roller ausging
– Bremse hinten mit dem Fuß ist ungünstig gelöst
– Bevor die Miete beendet werden kann, kommt Werbung und die Aufforderung eine Bewertung der App abzugeben – ein No-Go in puncto Nutzerfreundlichkeit, weil für diese Zeit bezahlt werden muss.

Circ im Rundum-Check

Circ kommt ursprünglich aus Luxemburg. Im Gegensatz zu den anderen Anbietern hat Circ das größte Berliner Geschäftsgebiet und erlaubt das Fahren in vielen Parks, zum Beispiel im Monbijoupark in Berlin-Mitte. Dementsprechend können die geliehenen Tretroller auch flächendeckender abgestellt werden.

Circ hat das größte Berliner Geschäftsgebiet.

Der E-Scooter Anbieter Circ kommt aus Luxemburg.

Anmeldung und App

Die Circ-App ist ebenfalls kostenlos im App Store von Apple und bei Google Play erhältlich. Bezahlen kannst du lediglich via Kreditkarte, die du in der App hinterlegst.

Öffnest du die App, werden dir die verfügbaren Roller angezeigt. Mit dem Klick auf den Scooter deiner Wahl, bekommst du Informationen wie Rollernummer, Akkustand sowie den Preis. Das Entsperren läuft über die App durch Wischen über den Balken (ähnlich wie beim Carsharing).

Und los geht’s – die Fahrt mit dem E-Scooter von Circ

Circ bietet ebenfalls keine Reservierung der Roller an – allerdings sind davon auch mehr in Berlin verfügbar. Die E-Scooter machen einen schicken Eindruck und auf dem Trittbrett steht ganz groß „Thank you“.

Ausgestattet sind die Circ-Roller sogar mit einer Handy- und Getränkehalterung – ein ganz großes Plus, vor allem für nicht Ortskundige. Ein Display gibt es am Roller nicht und das Licht kann mit einem Knopf ein- und ausgeschaltet werden.

An sich fuhr sich der E-Scooter gut, hat einen schönen Lenkwinkel und ist nicht so schwer wie beispielsweise Lime-Scooter. Ein Manko gibt es dennoch: Als wir den Gashebel komplett durchgedrückt haben auf langer Strecke, hat der Roller sich ständig merkbar in der Geschwindigkeit gedrosselt, um dann wieder selbst Gas zu geben. Es waren keine riesigen Unterschiede, aber dennoch etwas nervig.

Testurteil Circ E-Scooter

Positiv:

– App einfach zu bedienen
– Sehr schicke und süße Details
– Leichtes Gewicht
– Super Ausstattung mit den Halterungen für Telefon und Getränk
– Klingel ist sehr laut
– Bergauf gab es keine Probleme
– Eigenständige Regulierung der Geschwindigkeit

Negativ:

– Keine Funktionen in der App wie „Anklingeln“ oder als fehlend melden
– Nur Kreditkarte als Zahlungsmethode
– Kein Display am Lenker (Akkustand kann nicht ohne App nachvollzogen werden)
– Beim Beenden der Fahrt keine Zusammenfassung

Tier im Rundum-Check

Tier ist europaweit in vielen Groß- und Hauptstädten vertreten und ist ein echtes Berliner Unternehmen. Das Geschäftsgebiet umfasst ebenfalls ungefähr den inneren Berliner S-Bahn-Ring, schließt aber mehr Parkanlagen aus als Lime. Durchfahren ist per se erlaubt, nur das Abstellen nicht.

Den Tier-Scooter gibt es in vielen deutschen Städten.

Die E-Scooter vom deutschen Anbieter Tier gibt es in vielen europäischen Städten.

Anmeldung und App

Tier bietet die App kostenlos in den Stores von Apple und Google Play an. Die Anmeldung kann hier auch mit deiner E-Mailadresse abgeschlossen werden (so werden dir die Rechnungen auch als PDF per Email zugeschickt). Zum Bezahlen stehen dir Kreditkarte und PayPal zur Verfügung. Allerdings funktionierte PayPal bei der Anmeldung nicht, kann aber hinterher noch hinzugefügt werden.

Willst du einen E-Scooter leihen und öffnest die App, wird automatisch der nächstgelegene Tretroller angezeigt: Inklusive Entfernung, Roller-Nummer und Akkuleistung. Die Funktion „Anklingeln“ ist ebenfalls vorhanden, welche die Suche nach dem Roller im Scooter-Heuhaufen definitiv erleichtert.

Und los geht’s – die Fahrt mit dem E-Scooter von Circ

Die Entsperrung geht problemlos über die App: Stehst du direkt daneben, brauchst du nur noch einen Button zu drücken. Die Tier-Roller sind ebenfalls mit einem Display ausgestattet, welcher dir die aktuelle Geschwindigkeit anzeigt.

Mit dem Tier-Roller hat die Fahrt auf jeden Fall Spaß gemacht. Bis auf das eigenständige Drosseln und Anfahren, wenn du den Hebel komplett durchdrückst, war das Fahrgefühl sehr angenehm und wir haben uns sicher gefühlt.

Testurteil Tier E-Scooter

Positiv:

– App ist sehr intuitiv und schön gestaltet
– Parkanlagen sind für das Abstellen größtenteils ausgeschlossen
– Display mit Geschwindigkeitsanzeige
– Tier ist die einzige App, die während der Abmeldung nicht will, dass die App bewertet wird oder andere Hinweise ausspielt. Großer Pluspunkt, weil durch die Zeit auch Geld gespart wird.

Negativ:

– Drosselung ist spürbar: Ruckler beim Vollgas geben.
– PayPal funktioniert nicht direkt bei der Anmeldung

Voi im Rundum-Check

Voi kommt aus Schweden und ist in großen Teilen Europas verfügbar – die Ballungsgebiete findest du jedoch in Skandinavien. Neben Berlin gibt es Voi auch noch bei unserem Nachbarn Potsdam.

Die Roller können in einem kleineren Geschäftsgebiet, als das der anderen, ausgeliehen werden. Voi ist vor allem in Mitte, inklusive dem Alexanderplatz, Potsdamer Platz und Prenzlauer Berg vertreten. Die Kreuzberger und Neuköllner dagegen müssen leider auf die Voi-Scooter verzichten.

Voi ist vor allem in Mitte, inklusive dem Alexanderplatz, Potsdamer Platz und Prenzlauer Berg vertreten.

Voi kommt aus Schweden und ist in großen Teilen Europas verfügbar.

Anmeldung und App

Voi kannst du sowohl im Apple Store als auch bei Google Play kostenlos downloaden. Der Anmeldeprozess geht super schnell. Schön ist, dass du mithilfe deiner Kamera deine Kreditkarte lesen kannst und du die Nummer nicht eintippen musst. Andere Bezahlmöglichkeiten werden nicht angeboten.

In der App kannst du alle verfügbaren E-Scooter sehen. Wählst du einen aus, siehst du den Akkustand, einen Teil der Rollernummer und den Preis. Um loszufahren musst du nur den QR-Code scannen. Let’s roll!

Und los geht’s – die Fahrt mit dem E-Scooter von Voi

Der erste Eindruck unseres geliehenen E-Scooters überrascht – auf verschiedene Weisen. Er ist sehr gut zu lenken und auch recht leicht. Wir haben uns sehr sicher auf dem Scooter gefühlt. Was uns zudem noch überraschte, war die Bremse. Auf der linken Seite des Lenkers ist der Bremshebel, der, anders als beim Fahrrad, Motorrad und anderen E-Scooter, verkehrt herum angebracht wurde. Sprich, der Hebel geht nach innen, nicht nach außen. Ist aber nur eine Gewöhnungssache.

Auch bei Vollgas gab es keine Ruckler und der Roller fuhr sich wie ein Messer in weicher Butter.

Testurteil E-Scooter Voi

Positiv:

– Vom Fahrverhalten her ist es der beste Roller
– Keine Ruckler und gleichbleibende Geschwindigkeit
– Einfache, schnelle Anmeldung
– Geringes Gewicht

Negativ:

– Kein Display
– Kleine Klingel

Fazit

Was bei den vier getesteten E-Scootern auf jeden Fall nicht zu kurz kommt, ist der Spaßfaktor. Denn der ist bei allen Anbietern riesig. Zudem sind alle E-Scooter und die dazugehörigen Apps ähnlich intuitiv zu bedienen. Für die spaßige Angelegenheit musst du jedoch tief in die Tasche greifen, sodass sich die Fahrt mit den gemieteten E-Scootern finanziell nur für kurze Strecken lohnt. Leihräder und Öffis sind bisher gerade auf längeren Strecken einfach günstiger. Allein das Entsperren kostet einen Euro – unabhängig davon, ob du 5 oder 50 Minuten fährst.

Im Test haben uns alle vier Anbieter überzeugt, am besten haben uns aber Voi und Tier gefallen, weil das Handling und Fahrverhalten sehr angenehm waren. Auch wenn die E-Scooter an sich alle relativ einfach zu bedienen sind, bergen die zierlichen, jedoch schweren Zweiräder im Straßenverkehr einige Risiken. Dadurch, dass sie nur auf Radwegen und der Straße erlaubt sind, musst du besonders auf Auto- und Radfahrer aufpassen – auch gerade weil diese noch nicht an die geräuschlosen Scooter gewöhnt sind.

Zudem fahren sich die Scooter auf unebenen Straßen und auf Kopfsteinpflaster sehr unangenehm. Wenn solche Straße nicht zu vermeiden sind: Zähne zusammenbeißen. Im wahrsten Sinn! Denn so ist die Vibration nicht mehr ganz so unangenehm. Am besten weichst du auf verkehrsberuhigte und autofreie Straßen aus. Was wir uns noch bei allen Anbietern wünschen, wäre eine Reservierungsoption – so wie beim Carsharing.