Wenn’s mal wieder kracht

Stress mit den Mitbewohnern – Wie du Konflikte im WG-Leben angehst

Lass dir eins gesagt sein: Die perfekte Wohngemeinschaft gibt es nicht. Punkt. Das war bisher immer so und wird sich mit Sicherheit auch in den nächsten 100 Jahren nicht ändern. Diese Aussage soll dich jetzt nicht verunsichern. Vielmehr möchte ich damit sagen, dass der Anspruch auf ein perfektes Zusammenleben eine Erwartungshaltung erzeugt, die in den seltensten Fällen erfüllt werden kann. Die Messlatte hängt einfach unrealistisch hoch. Denn wir sind alle nur Menschen und als Teil dieser Spezies hat jeder zum einen seine eigenen Vorstellungen davon, wie das WG-Leben ablaufen soll. Zum anderen können wir unsere neurotischen Eigenarten – und ja, jeder Mensch lebt mit seinen kleinen, verschrobenen Ticks – auf Dauer nicht verheimlichen.

Ob mit dir ein Ordnungsfimmel in die WG eingezogen ist, kommt spätestens nach der ersten ausschweifenden WG Party heraus, nämlich wenn deine Mitbewohner mittags aus ihrem privaten Koma erwachen, du jedoch nicht dem inneren Drang widerstehen konntest, bereits um 8 Uhr den bierverklebten Küchenboden zu wischen.

Kommunikation ist das A und O im WG-Leben

Je schneller du dich mit dem Gedanken anfreundest, dass man im WG-Leben Kompromisse eingehen muss, desto entspannter wird das Zusammenleben. Mit der richtigen Einstellung lösen sich dann kleinere Probleme ganz von selbst. Natürlich lassen sich einige Konflikte, oder sogar ganze Mitbewohner, nicht ganz so einfach wegdenken. Wenn dein Zimmernachbar meint, er müsse in regelmäßigem Abstand um 2 Uhr morgens einen Rave abhalten oder dir ständig den Joghurt aus dem Kühlschrank klauen, dann wird es Zeit für ein ernsthaftes Gespräch.

Da sind wir auch schon bei dem wichtigsten Tool, um Zoff mit den Mitbewohnern zu vermeiden: Kommunikation. Woher soll die andere Person wissen, woran du dich störst, wenn du nicht darüber sprichst? Wenn Probleme nicht kommuniziert werden, schaukeln sich die Emotionen irgendwann hoch. Dann ist die Situation so eingefahren, der Stress am Limit, dass sich die aufgestaute Wut in einem Knall entlädt. Darauf folgt meist eine Zeit der verschlossenen Türen und des Anschweigens.

Das persönliche Gespräch suchen

Vermeiden lässt sich das durch simple Gespräche. Ihr könnt beispielsweise einen Tag in der Woche ausmachen, an dem die WG zusammenkommt und jeder in entspannter Atmosphäre äußert, wo Verbesserungspotential besteht. Das Treffen darf sich aber nicht wie das jüngste Gericht abspielen, in dem Vorwürfe wild durch den Raum fliegen. Bleibt sachlich und vor allem freundlich. Oder würdest du den Müll öfters wegbringen, wenn dich dein Mitbewohner im Schreianfall dazu auffordert? Wohl kaum. Gegenseitiger Respekt heißt das Zauberwort.

Habt ihr bereits eine WG-Gruppe auf WhatsApp oder einem anderen Messenger, kann man kleinere Dinge natürlich auch dort ansprechen. Jedoch kommen diese Nachrichten häufig vorwurfsvoll rüber oder werden schnell falsch aufgefasst, da reiner Text nicht immer die Stimmung wiedergibt, die eigentlich mitschwingen sollte – egal wie viele Emojis du hinterherschickst. Durch ein persönliches Gespräch vermeidest du diese Fallstricke.

WG-Probleme waren gestern

Eine kleine Einleitung: So gehst du WG-Problemen gekonnt aus dem Weg.

5 typische Probleme im WG-Leben samt Lösungsvorschlägen

Egal, in wie vielen Wohngemeinschaften du schon gelebt hast, eines verbindet Sie alle: Es gibt ein paar Dauerthemen, die in regelmäßigen Abständen für dicke Luft in den eigenen vier Wänden sorgen. Wir zeigen dir, wie du potenziellem WG-Zoff aus dem Weg gehst oder den bereits schief hängenden Haussegen mit einfachen Tipps geraderückst. Hier kommen die fünf Klassiker unter den WG-Problemen.

Dreckige Wohnung

Die Wenigsten von uns putzen gerne. Daher ist es kaum verwunderlich, dass das Thema „Putzen“ ganz ob auf der Konflikt-Liste von WGs auf dem ganzen Planeten steht. Das Sauberkeitsempfinden schwankt natürlich auch von Person zu Person. Die eine bekämpft den stinkenden, übervollen Bio-Müll durch Luftanhalten; der andere verfällt bereits bei dem Anblick eines abgeschnittenen Fingernagels in der Spüle in Schockstarre.

Ob sich in den eigenen Zimmern schmutzige Teller zu bedrohlich wankenden Türmen aus Keramik und Essensresten auftürmen sollte Privatsache bleiben – außer du musst deinen Toast aus Ermangelung an Tellern aus der Handfläche essen. Gemeinschaftsräume wie Küche und Bad dürfen aber nicht dem Chaos anheimfallen. Wenn der Schimmel auf dem Thunfisch-Sandwich im Kühlschrank bereits Abitur macht und sich die Keramik der Toilette in ein undefinierbares Gelb-Braun verfärbt, dann besteht Handlungsbedarf.

Lösung

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Mitbewohner die Wohnung nicht sauber halten: keine Lust, Putzen vergessen, schlicht und einfach keine Zeit. Was genau der Fall ist, sollte demnach in einem Gespräch geklärt werden. Meist zeigt sich dann auch schnell, dass überhaupt keine böswillige Absicht hinter dem vermeintlichen Putz-Boykott steht, sondern nachvollziehbare Gründe. Meistens lohnt es sich, einen Putzplan aufzustellen, dann gehört die Ausrede „Hab‘ ich vergessen“ schon mal der Vergangenheit an und die Aufgaben werden klar strukturiert.

Wenn sich jemand weigert, die Wohnung sauber zu halten, wird es schon schwieriger. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Sanktionen wie Geldstrafen für verpasste Putzdienste nichts bringen. Diese muss man schließlich auch durchsetzen, und was, wenn sich der trotzige Mitbewohner weigert? Zwingen kannst du schließlich niemanden. Da empfiehlt sich nur ein persönliches, respektvolles Gespräch, oder – wenn es hart auf hart kommt – die Empfehlung, sich eine neue Wohnung zu suchen.

Eine Reinigungskraft schafft Abhilfe

Hat keiner von euch Zeit, den Mob zu schwingen, kann eine Reinigungskraft die Lösung sein. Damit wäre dieser Konfliktpunkt schon mal aus der Welt geschafft. Du suchst bereits nach einer Haushaltshilfe? Dann schau doch mal bei der Vermittlungsplattform Clean Agents vorbei.

Laute Mitbewohner

Lärm bedeutet Stress. Unsere Ohren können wir leider nicht wirklich ausschalten, sodass wir Geräuschen ständig ausgesetzt sind. Dazu kommt, dass eine Wohnung nicht besonders viel Rückzugsraum bietet – lediglich eine dünne Tür trennt uns von den Anderen. Wer aufgrund von nächtlichen Musiksessions oder lauten Zusammenkünften in der WG-Küche nicht einschlafen kann, ist morgens unausgeruht und gestresst – Lautsprechersystem mit überdimensionierten Subwoofern sei Dank. Ein paar Mal ist das kein Problem, aber auf Dauer belastet der Lärm die Psyche.

Lösung

Die Mukke deines Mitbewohners geht dir abends auf die Nerven? Dann klopf an die Tür und suche das Gespräch. Meistens zeigen sich die Leute auch einsichtig. Wir leben oft in unserer eigenen Blase und vergessen unsere Umwelt oder Mitmenschen. Da kann es schon mal passieren, dass die Musik lauter aufgedreht wird, ohne böse Hintergedanken. Ihr könnt eine ungefähre Zeit vereinbaren, ab der die Musik leiser gedreht werden soll. Außerdem kannst du die Leute darauf hinweisen, abends vorzugsweise Kopfhörer zu benutzen. Zögere die Kommunikation jedoch nicht zu langer hinaus, andernfalls entlädt sich deine Wut auf meist unpassende Weise.

Wo ist mein Pudding?

Prüfung in den Sand gesetzt, Bahn kam zu spät und der Nieselregen durchweicht seit geraumer Zeit deine Klamotten: Das Einzige, was dich jetzt noch vor der Tobsucht bewahrt, ist der Gedanke an den göttlichen Schokopudding in deinem Kühlschrankfach. Zu Hause angekommen öffnest du erwartungsvoll den Kühlschrank und greifst in die Leere. Zum dritten Mal diesen Monat hat die Mitbewohnerin dein Essen stibitzt. Es passiert gar nicht so selten, dass Lebensmittel in WGs plötzlich verschwunden sind. Manchmal hat man vergessen, wem was gehört und langt einfach zu. Sobald deine Einkäufe aber jede Woche verschwinden, hilft es, mit den Mitbewohnern darüber zu reden.

Lösung

Solltest du dein Essen nicht mit gesamten WG teilen wollen, muss das vorher besprochen werden. In den meisten Fällen hat jeder sein eigenes Fach und deine Einkäufe gehören dir. Doch manch einer denkt, Nahrungsmittel seien ein Gemeinschaftsgut und zum Teilen da – besonders Produkte wie Mehl, Öl oder Gewürze fallen oft unter diese Kategorie. In allen Wohngemeinschaften, in denen ich bisher gelebt habe, wurde das Thema bereits beim Einzug angesprochen. So konnte gar kein Irrtum entstehen. Daher gilt: Besser vorab klären, ob man Lebensmittel teilt oder nicht.

Leben in einer WG

Mit diesen Tipps sorgst du für gute Stimmung in deiner WG

Unterschiedlicher Tagesrhythmus im WG-Leben

Der Eine kommt, wenn die Andere geht. In einer WG leben Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebensweise zusammen. Jeder verdient sein Geld mit etwas anderem und der Tagesrhythmus variiert von Person zu Person. Wenn deine Mitbewohnerin aufgrund der Nachtschicht mal wieder den gesamten Nachmittag durchschläft, weißt du, dass ihr euch erst nächste Woche wieder sehen werdet. Das Problem bei diesen unterschiedlichen Lebensrhythmen: Die Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft ist gleich Null.

Wenn ihr euch nicht wirklich zu Gesicht bekommt, wie sollt ihr da über bestehende Konflikte reden? Vor einigen Jahren lebte ich in einer WG, in der mir der umgedrehte – und künstlich aufrechterhaltene – Tag-Nachtrhythmus meines Mitbewohners schlaflose Nächte bescherte. Immer wenn ich schlafen wollte, fing sein „Tag“ gerade erst an. Dauernd schepperte es in der Küche oder im Flur. Irgendwann beschloss ich, auszuziehen.

Lösung

Eine wirkliche Lösung gibt es hierbei leider nicht. Du hast weder einen Einfluss auf den Job deiner Mitbewohner, noch kannst du ihr Leben auf so drastische Weise umkehren bzw. dies verlangen. Wenn dich der unterschiedliche Tagesrhythmus stark belastet, suche dir lieber eine neue WG, in der du glücklicher wirst. Das mag nicht die bequemste Lösung sein, aber zumindest eine dauerhafte.

Leben mit einem Pärchen

Die Liebe ist eine wunderbare Sache. Doch treibt sie einen auch in den Wahnsinn – vor allem, wenn man nur Zuschauer des Spektakels ist. Du solltest dir gut überlegen, ob du mit einem Pärchen zusammenziehst. Mal abgesehen davon, dass du täglich Zeuge der emotionalen Achterbahn, Streits und Schlafzimmer-Geräusche der beiden wirst. Bei Problemen wirst du es ständig mit der geballten Argumentationskraft der Turteltauben zu tun bekommen: Du machst sie darauf aufmerksam, dass ihre Haare den Abfluss verstopfen? Dann musst du dir wenig später von ihm anhören, warum du seine Freundin kritisierst. Und möchtest du wirklich noch dort wohnen bleiben, wenn der Nachwuchs in den Startlöchern steckt? Das Babygeschrei kann leider auch kein Podcast übertönen.

Lösung

Ganz simpel: Ziehe nicht mit einem Pärchen zusammen, selbst wenn es sehr gute Freunde sind. Die schmerzhafte Wahl zwischen Kumpel oder Partner möchtest du nicht herbeiführen. Wenn sich die junge Liebe erst nach deinem Einzug gefunden hat, so bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als tolerant und verständnisvoll zu bleiben. Wackeln die Wände heißt es: Kopfhörer auf.