{"id":609,"date":"2023-03-11T08:00:40","date_gmt":"2023-03-11T07:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/production-magazin.sparwelt.click\/magazin\/?post_type=life&p=609"},"modified":"2025-12-04T12:41:13","modified_gmt":"2025-12-04T11:41:13","slug":"trend-lebensmittel-unvertraeglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sparwelt.de\/magazin\/gesundheit\/trend-lebensmittel-unvertraeglichkeiten","title":{"rendered":"Wenn Unvertr\u00e4glichkeiten zum Trend werden"},"content":{"rendered":"
An den Universitäten gibt es mittlerweile eigene Lehrstühle für die „Soziologie des Essens“. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es auf der einen Seite einen realen Anstieg echter Lebensmittelallergien gibt und auf der anderen Seite einen Anstieg der gefühlten Unverträglichkeiten. Die Diagnose lautet: Ernährungshypochonder. Allergien gegen Zucker zum Beispiel oder gegen Milch. Die wohl militanteste Gruppe sind junge Eltern, die ihren Neugeborenen Allergien gegen Milchprodukte bescheinigen und ihnen stattdessen Flüssigkeiten geben, die sie aus Getreide wie Quinoa gewinnen<\/a>. In Belgien ist ein Baby sogar an seiner angeblichen Laktose-Intoleranz gestorben, weil es an Nährstoffmangel litt und dehydrierte. Wer tatsächlich an einer ärztlich bescheinigten Intoleranz leidet, fühlt sich ganz sicher von den Hypochondern angegriffen, die dafür sorgen, dass Unverträglichkeiten zuweilen sogar ins Lächerliche gezogen werden.<\/p>\n Das Marktforschungsinstitut „Ears ans Eyes“ hat eine Studie zum Thema Lebensmittel-Unverträglichkeiten durchgeführt. Dabei kam heraus, dass 23% der Deutschen Lebensmittel meiden, weil sie bei sich eine Allergie vermuten – ohne eine ärztliche Bestätigung. Die meisten davon verzichten auf Lactose, 10% essen nur Lebensmittel ohne Fructose und 9% verzichten auf Gluten.<\/p>\n Die Liste möglicher Unverträglichkeiten ist lang. Es gibt sogar Menschen, die auf Wasser allergisch reagieren. Das sind die häufigsten Nahrungsmittel Intoleranzen:<\/p>\n Laktose-Intoleranz: Hafermilch, Mandelmilch, Reismilch oder Sojamilch?<\/p><\/div>\n Die Marketing-Abteilungen haben Unverträglichkeiten längst zum wirkungsvollen Instrument erklärt. Produkte ohne die entsprechenden Problem-Verursacher verkaufen sich ganz hervorragend. Supermärkte richten eigene Regal-Landschaften mit diesen Produkten ein, die gerne auch mal 30% mehr kosten als reguläre Produkte<\/a>. Laktose- und glutenfreie Produkte sind beinahe schon zu einem Statussymbol geworden und Ausdruck eines modernen Lifestyles. Sie erzeugen ganz automatisch das gute Gefühl, sie seien gesund und steigern das Wohlbefinden. Selbst diejenigen, die keinen Bedarf an diesen besonderen Lebensmitteln haben, greifen gerne zu, weil sie es sich eben wert sind.<\/p>\n Unangetastet bleibt natürlich die Tatsache, dass Allergiker keine andere Wahl haben, als auf die regulären Produkte zu verzichten. Für sie hat das Sortiment einen hohen Nutzen. Aber wie sieht es mit denjenigen aus, die nur „gefühlt“ an einer Unverträglichkeit leiden, bei denen es also reine Kopfsache ist? Zum einen sind die Lebensmittel teurer als vergleichbare Produkte. Glutenfreie Nudeln kosten beispielsweise häufig das Doppelte oder Dreifache der „normalen“ Produkte. Außerdem schränken die abgespeckten Regale die Auswahl der Lebensmittel und damit auch die Ausgewogenheit der eigenen Ernährung unnötigerweise ein. „Frei von…“-Produkte sind zwar nicht pauschal ungesund, sie sind aber auch nicht gesünder als andere Lebensmittel.<\/p>\nErnährung wird im 21. Jahrhundert zum Problemfall<\/h2>\n
Eine wissenschaftliche Studie<\/h3>\n
Welche Unverträglichkeiten gibt es?<\/h2>\n
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\nDie Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker löst starke Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall aus. Der Einfachzucker kann im Körper nicht verwertet werden. Gestört sein kann entweder die Aufnahme oder die Verwertung der Fructose. Das Problem für die Betroffenen besteht darin, dass Fructose in sehr vielen Lebensmitteln enthalten ist, weil sie kostengünstiger ist als normaler Haushaltszucker. Für Allergiker gibt es keine Therapie – sie müssen lebenslang auf Fructose verzichten.<\/li>\n
\nVon einer Laktose-Intoleranz sind in Deutschland etwa 20% der Menschen betroffen. Global – vor allem im asiatischen Raum – sind es sogar bis zu 75%. Bei einer Laktose-Intoleranz kann der sogenannte Zweifachzucker nicht verwertet werden im Körper. Er ist nicht in der Lage, Laktose zu verdauen, was zu schweren Magen-Darm-Erscheinungen führt. Die Laktose-Intoleranz kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Laktosefreie Produkte sind im Handel gesondert gekennzeichnet, was den Betroffenen die Ernährungsumstellung erheblich erleichtert.<\/li>\n
\nHistamin ist in fast allen Lebensmitteln enthalten. Eine Allergie gegen diesen Eiweißstoff führt bei den Betroffenen zu Bauchschmerzen, Hautausschlag und Durchfall. Die Diagnose ist vergleichsweise schwer zu stellen und meist nur über das Ausschlussverfahren möglich. Über Blut- und Urintests können einige Anhaltspunkte gefunden werden. Einen klassischen Histamin-Intoleranz-Test gibt es dagegen nicht.<\/li>\n
\nBei einer Zöliakie ist die Schleimhaut des Dünndarms chronisch entzündet – eine leider unheilbare Krankheit. Betroffene müssen auf Gluten verzichten, um nicht die klassischen Symptome wie Durchfall und Bauchschmerzen zu bekommen. Das allergieauslösende Gluten kommt beispielsweise im Weizen, im Dinkel, in Hafer, Roggen und Gerste vor. Eine solche Lebensmittel-Unverträglichkeit schränkt die Betroffenen entsprechend stark ein.<\/li>\n<\/ol>\n
Unverträglichkeiten als Trend in der Werbebranche<\/h2>\n
Sind Produkte frei von Gluten, Lactose & Co wirklich gesünder?<\/h3>\n
Zucker-Intoleranz und Stevia: Ein Beispiel für die Ambivalenz von Ersatzprodukten<\/h3>\n\n\t