„Matches“<\/em> vom Veranstalter ihre Kontaktdaten zur Verfügung gestellt und können sich zu einem echten Date verabreden.<\/p>\nIch finde das Konzept noch aus einem anderen Grund überzeugend. Denn es ist eine meiner größten Ängste, dass mir bei einem Date der Gesprächsstoff ausgeht, noch bevor die Getränke an den Tisch gebracht wurden. Dass die peinliche Stille, die dabei entsteht, beim Blind Date ein natürliches Ende bekommt, kommt mir also sehr entgegen.<\/p>\n
Blind Date: Zumindest eine lustige Erfahrung wert<\/h3>\n
Bevor die Schmetterlinge im Bauch ihren großen Auftritt bekommen, ist natürlich ein wenig Recherche angesagt. Denn es gibt zahlreiche Anbieter für Speed-Dating, die sich teilweise auch auf eigene Zielgruppe spezialisiert haben: So gibt es Veranstaltung für Akademiker, Leseratten und Fetisch-Anhänger. Auch über ein Blind-Speed-Dating bin ich gestoßen. Dabei haben die Teilnehmer eine Augenbinde um oder Papiertüten über dem Kopf, damit das Äußere keinen Einfluss auf die Entscheidung hat. Kann man machen, aber ich entscheide mich dann doch für die gängige Variante.<\/p>\n
Ob ich an den Erfolg dieses Konzepts glaube? Keine Ahnung. Aber ich bin mir sicher, dass es eine lustige Erfahrung wird. Im Optimalfall verliebe ich mich tatsächlich, im schlimmsten Fall bringe ich mit Sicherheit einige skurrile Geschichten mit, die ich auf der nächsten Party zum Besten geben kann.<\/p>\n
Die Vorbereitung auf mein Blind Date – oder die Frage nach den Fragen<\/h2>\n
Die Anmeldung ist raus, in gut einer Woche findet mein Speed-Dating statt. Noch bin ich relativ entspannt, obwohl mich natürlich einige Fragen umtreiben: Welche Art von Menschen werde ich dort treffen? Ist Speed-Dating womöglich der Grabbeltisch der Partnerbörsen? Wie schaffe ich es, meine ganze facettenreiche und schillernde Persönlichkeit in nur 5 Minuten darzustellen? Und vor allem: Welche Fragen soll ich meinem Gegenüber stellen?<\/p>\n
Was machst du beruflich? Wie sind deine Hobbies? Welche sind deine Lieblingsfilme? – Klingt eher nach Freundebuch als nach dem Beginn einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte.<\/p>\n
Was treibt dich an? Was macht dich aus? Woran glaubst du? – Berechtigte Fragen, aber eindeutig eine Nummer zu groß für ein erstes Beschnuppern. Also auch nicht der richtige Weg.<\/p>\n
Ich überlege lange hin und her und notiere mir schließlich drei Fragen, an deren Beantwortung ich auch selbst Spaß hätte: Wie sieht für dich der perfekte Sonntag aus? Worüber hast du als letztes lauthals gelacht? Angenommen, Geld spielt keine Rolle, wohin würdest du für einen Monat reisen?<\/p>\n
Es ist soweit – Flirten im Akkord<\/h3>\n
Der große Abend ist endlich gekommen und mein Speed-Dating steht kurz bevor. Auf dem Weg dorthin stellt sich langsam doch eine gewisse Nervosität ein. Was, wenn ich nicht spontan genug reagiere und blöde und völlig banale Sachen sage? Oder wenn ich vor lauter Verlegenheit anfange zu stottern? Bevor solche und ähnliche Eventualitäten vollends von mir und meinen Gedanken Besitz ergreifen können, bin ich glücklicherweise schon angekommen.<\/p>\n
Ich werde vom Veranstalter nett begrüßt und bekomme einen Cocktail in die mittlerweile doch schon etwas schwitzigen Hände gedrückt. Ich nehme einen tiefen Schluck und schaue mich zwischen Cocktailschirmchen und Orangenscheibe hindurch verstohlen um. Sofort setzt Erleichterung ein: Die anderen Flirtwilligen – elf Männer und elf Frauen – sehen alle ganz normal aus. Meine Befürchtung, dass sich hier die Resterampe der einsamen Herzen zusammenfindet, hat sich schon mal nicht bewahrheitet.<\/p>\n
Wann kommt er denn endlich zum Ende…<\/h3>\n
Wir werden in einen Raum geführt, in dem eine sehr angenehme Atmosphäre herrscht: gedimmtes Licht, elf kleine Tische mit jeweils einer Kerze und dezente lateinamerikanische Musik im Hintergrund. Die Damen nehmen an den Tischen Platz und wir alle versuchen möglichst lässig dabei auszusehen, wie wir ungeduldig auf den ersten Kandidaten warten. Vor lauter Umschauen verpasse ich leider den Startschuss und schon sitzt der erste Flirtwillige mir gegenüber und schaut mich erwartungsvoll an: „Oh, äh hi, hallo!“<\/em> – an meiner opening line muss ich offensichtlich noch arbeiten.<\/p>\nAber mein Gegenüber nimmt mir meine wenig spontane Eröffnung nicht übel und legt direkt los: Schulbildung, berufliche Stationen, sonstige Interessen… es fühlt sich so an, als würde er sich bei mir um einen Job bewerben. Ich versuche, möglichst interessiert zu schauen und an den passenden Stellen bestätigende Geräusche zu machen. Irgendwann wird er schon zum Ende kommen.<\/p>\n
Und dann herrscht auf einmal Stille<\/h3>\n
Nach ungefähr dem fünften „Hmmmm“<\/em> meinerseits verebbt sein Redefluss relativ unvermittelt und er schaut mich erwartungsvoll an. Ich versuche es mit einem kleinen Witz: „Ok, du hast den Job!“<\/em> Eigentlich ist mein Humor eine Eigenschaft, auf die ich mir recht viel einbilde. In dieser Situation verebbte er allerdings im Nirgendwo. Ich spule also ebenfalls meinen Lebenslauf ab, weil mir nichts anderes einfällt. Noch während ich den ersten Satz sage, senkt mein Gegenüber den Blick und beginnt zu schreiben. Alle Teilnehmer haben Stift und Papier bekommen, um sich zu den einzelnen Kandidaten Notizen zu machen.<\/p>\nSoweit so clever. Mein Flirtpartner allerdings nutzt diese Möglichkeit derart intensiv, dass sich unsere Blicke in den verbleibenden Minuten kaum noch begegnen. Was mich dabei besonders irritiert: Er schirmt seine Notizen mit vollem Ellenbogen-Unterarm-Einsatz von mir ab. Was macht der da? Gibt er mir Zensuren auf mein Leben? Bevor ich ihn allerdings danach fragen kann, ertönt das Signal und die Herren gehen einen Tisch weiter.<\/p>\n