Eine Zeitreise zu nackten Trollen mit bunten Haaren

Die 90er Jahre: Verabredung im Offline-Modus

Stell dir vor, du möchtest mit deiner besten Freundin einen Kaffee trinken gehen und WhatsApp ist abgestürzt. Viel schlimmer noch, das Internet ist für die nächsten 24 Stunden lahmgelegt, weil ein Satellit mit einem Kometen kollidiert ist und auch dein Handy hat dadurch einen irreparablen Schaden erlitten. Kurzum: Du kannst deiner Freundin weder eine Textnachricht noch einen kaffeetrinkenden Smiley schicken, um sie ins Lieblingscafé zu lotsen. Willkommen in den 90er Jahren. Ob man ohne Handy tatsächlich niemals Freunde treffen konnte, welche Musik absolut angesagt war und was noch so Trend gewesen ist, liest du mit einem Augenzwinkern in diesem Beitrag.

So erklärst du deinen Kindern die 90er Jahre in 5 Begriffen

Wenn dein Kind oder ein anderer Mensch aus dem 21. Jahrhundert ein Fotoalbum durchblättert, wird so manche Frage aufkommen. Zum Beispiel, warum man plötzlich zu Weihnachten keinen Wellensittich oder einen Hamster geschenkt bekam, sondern nur ein ovales Plastik-Ei, warum es nie mehr als 36 Urlaubsbilder gibt und du scheinbar ohne Selfiestick gereist bist, weil du niemals selbst darauf zu sehen bist. Das sind die Trends der 90er in 5 Begriffen.

Mein Haustier heißt Tamagotchi
Wer als Kind in den 90ern aufwuchs, der hatte eine Sorge weniger. Denn statt sich jedes Jahr wieder vergebens einen Hund oder eine Katze zu wünschen, lag irgendwann plötzlich ein virtuelles Haustier unter dem Weihnachtsbaum: das Tamagotchi. Essen, schlafen, kuscheln – alles funktionierte per Knopfdruck und der Dank war die volle Punktzahl und ein langes Leben. Selbst Abschiednehmen nach dem Ableben des Tieres wurde erträglich gemacht: Ein Klick auf „Reset“ ließ das geliebte Haustier einfach wieder auferstehen.
Die erste Liebes-SMS mit dem Alcatel One Touch Easy
Heimlich verlieben war in den 90er Jahren gar nicht so einfach. Entweder stecktest du dem oder der Angebeteten heimlich Zettel zu, die dann aber von der Lehrerein oder – noch schlimmer – der Mutter gefunden wurden oder du hast dir die Festnetznummer besorgt. Dann musstest du aber immer damit rechnen, dass zuerst die Eltern an den Apparat gingen, die du irgendwie dazu bringen musstest, das Telefon weiterzurreichen. Allerdings war das Kabel meist nicht so lang, dass es bis ins Kinder-/Jugendzimmer reichte. Die ersten konntest du also bestenfalls in einer verschlüsselten Geheimsprache übermitteln. Die Lösung brachte das erste Handy: Alcatel One Touch Easy mit Zwei-Zeilen-Display und SMS-Funktion für 0,39 Cent pro 160 Zeichen. Komplexere Zusammenhänge wurden dann in etwa so erklärt: „Es ist aus. Gruß K.“.
Warten auf das Lieblingslied
Da ist dieser eine Song von Oasis, Bon Jovi, Seal, den Scorpions oder The Cranberries, ohne den in Dauerschleife auf Anschlag zu hören ein Leben zwar möglich, aber weitgehend sinnlos war. Um dieses Lied – am besten noch vor den coolen Leuten aus der Klassenstufe drüber zu bekommen, setzt du dich stundenlang mit deinem Kassettenrekorder und einer Benjamin-Blümchen-Kassette, die du bereit bist zu überspulen, vor den Musikkanal im Fernsehen. Es kann Ewigkeiten und mindestens drei Kelly-Family-Songs dauern, bis er endlich gespielt wird. Jetzt kommt es darauf an, im entscheidenden Moment die REC-Taste zu drücken, um den Titel in bester Soundqualität aufs Band zu kriegen. Dafür bist du  morgen in der Schule mit deinem Mixtape und dem Walkman für mindestens einen Tag das angesagteste Kind zu sein.
Diddl, Trolle und Polly Pocket
Spielen konnte man kaum damit – es ging eher darum, sie zu besitzen. In den 90er Jahren waren die Zaubertrolle mit den knalligen Haaren und Wunschjuwel auf dem Bauch absolut im Trend. IN war eigentlich nur, wer sie alle besaß. Vergleichbar mit dem heutigen Hype um die Eiskönigin kam in den 90er Jahren die Diddl-Maus auf die Bildfläche. Es gab sie in Plüsch, als Briefpapier, als Stempel, Kugelschreiber, Postkarte, Sammelalbum, …. Echtes Sammelfieber löste bei den Mädchen daneben Polly Pocket aus – eine Mini-Puppe, die in einer herzförmigen Plastikschale wohnte.
Gameboy: Die Wii der Steinzeit
Klar verbrachte man seine Freizeit in den 90er Jahren schon vor einer Spielkonsole – sie nannte sich Gameboy und erschien 1990 auf dem deutschen Markt. Man spielte darauf Tetris, Donkey-Kong oder Super Mario und wechselte etwa stündlich die Batterien. Als dann Ende der 90er Jahre weitere Versionen wie der Game Boy Color oder die Super Nintendo Spielekonsole für den Fernseher erschien, war das wirklich Verrückte an der Sache, dass alle Spiele untereinander kompatibel waren. Was für eine Verschwendung wertvoller Marketing-Ressourcen.

Welche Mode war in den 90ern angesagt?

Die 90er Mode kann man mit drei Worten beschreiben: Bauchfrei. Neon. Jeans. Wer diese drei Modevorgaben beherzigte, der konnte sich ruhigen Gewissens auf die Straße trauen. Wenn du morgen auf eine 90er Party eingeladen bist und nicht weißt, wie du dich kleiden sollst – kein Problem. Wir haben unsere Svenja für dich zurück aus den 90er Jahren geholt.

Ein Beispiel: So sah die stereotype Frau in den 90er Jahren aus

Nennen wir sie Svenja, unsere Trendsetterin aus der Generation der 90er. Sie trägt eine Jeans in einer hellblauen Waschung, die einen Blick auf das brandneue Arschgeweih freigibt, das sie sich nach der „Es ist aus“-SMS von ihrem EX-Freund letzte Woche hat stechen lassen. Dazu kombiniert sie ein neongelbes, bauchfreies Spaghetti-Top. Um im Winter nicht zu frieren, trägt sie darüber dann einfach ein Netzoberteil in Neon-Orange. Die Sneaker haben ein ca. 10 Zentimeter hohes Plateau. Die Haare kosten eine Stunde Schlaf, denn sie müssen jeden Morgen frisch gewaschen und anschließend mit dem Kreppeisen bearbeitet werden, bis das gesamte Zimmer nach verbrannten Haaren riecht. Um den Hals kommt entweder einen Schnuller-Kette oder ein Tattoo-Halsband – je nach Tagesform. Plüschige Oversize-Jacken sorgen dafür, dass ein oder zwei Kilo mehr auf den Hüften gar nicht auffielen.

Ein Tipp für deine 90er-Revival-Party: Es kann nicht zu viel sein. Wenn du denkst: „Das ist jetzt aber doch ein wenig übertrieben“, dann mach dich auf die Suche nach Freundschaftsarmbändern, getönten Sonnenbrillen und schrillen Kopfbedeckungen, um deinen 90er Look noch authentischer zu machen.

Welche 90er-Jahre-Dinge feiern 2018 ein Revival?

Viele Trends der Neunziger sind auch heute wieder populär. Man sieht wieder Menschen in Oversize-Kleidung auf Plateau-Schuhen durch die Straßen jumpen und einer getönten Sonnenbrille auf der Nase. Gekreppte Haare sind nicht mehr so gefragt, dafür aber der gezwirbelte Mini-Dutts. Netz- und Bomberjacken, Sportswear, High Waist Hosen und Crop-Tops können mühelos wieder aus der Holzkiste auf dem Dachboden befreit werden. Auch Jeans werden wieder mit Jeans und Jeans zum All-over-Jeanslook kombiniert.

Und was wird nun aus der Verabredung zum Kaffee ohne Netz und Handy?

So verrückt es klingt: Ohne Handy, Soziale Netzwerke und Internet haben sich die Menschen einfach ganz spontan besucht. Sie zogen sich an, gingen los und klingelten an der Tür. Ganz einfach so, auch ohne vorher die genauen GPS-Daten durchzugeben, damit das Gegenüber die Ankunft sekundengenau abschätzen konnte. Es hab kein „Bin in 5 Minuten da“ und keine „Ich klingel in 1 Minute“-Vorankündigungen. Man fragte einfach: „Hast du Lust auf einen Kaffee“ und ging dann zusammen los.