Der Hybrid aus ÖPNV und Taxi

Fahrten mit Fremden teilen und sparen: Ridesharing, Ridepooling & Taxisharing in Berlin

Wir alle kennen die Situation: Irgendwann kommt bei der nächtlichen Tour ein Punkt, an dem du einfach nur noch nach Hause und in dein Bett möchtest. Ohne Auto oder Chauffeur bleibt da nur noch die Bus-, Bahn- oder Taxifahrt. Die Fahrt mit den Öffis endet jedoch meistens in einer stundenlangen Odyssee der Umwege. Das Taxi hingegen fährt einen zwar direkt zum Ziel, hinterlässt dafür aber ein riesiges Loch im Portemonnaie.

Und genau da kommt Ridesharing, ein Hybrid aus Taxi und Bus, ins Spiel: Hierbei handelt es sich um einen Sammelfahrdienst, der dich zusammen mit fremden Passagieren günstig ans Ziel bringt. Dieser Dienst ist jedoch nur über die zugehörige App buchbar. Fahrpläne oder Heranwinken war gestern – Ridesharing ist heute.

Was ist Ridesharing?

Das Prinzip des Ridesharings (auch Ridepooling genannt) kommt ursprünglich aus den USA und setzt sich nun auch in immer mehr deutschen Städten durch. In Berlin sind bisher die Anbieter BerlKönig sowie CleverShuttle zugelassen. In fast allen größeren Metropolen gibt es ähnliche Dienstleister, wie zum Beispiel Moia in Hamburg oder Isar-Tiger in München.

Wie kannst du Ridesharing nutzen?

Zuerst einmal musst du dich über die App des jeweiligen Anbieters registrieren und deine Zahlungsmodalitäten hinterlegen. Danach kannst du in der App den Start- und Zielpunkt eingeben – ähnlich wie bei mytaxi. Nun kommt ein Algorithmus ins Spiel, der berechnet, welcher Shuttle wann bei dir sein kann und was die Fahrt kosten wird. Die Informationen werden zu einer Anfrage zusammengefasst und du kannst im Anschluss buchen. In der Regel musst du nicht länger als zehn Minuten auf dein Ridepooling-Fahrzeug warten.

Wie funktioniert Ridesharing?

Deine Anfrage und die aller anderen Passagiere werden von den Anbietern, wie BerlKönig oder CleverShuttle, im System gebündelt. Dabei berechnet der Algorithmus auf der Grundlage der Fahrrouten aller Fahrgäste, die individuellen Strecken und Fahrpreise.

So kann es passieren, dass du mit anderen Personen im Wagen sitzt – oder, wenn sonst gerade kein anderer Fahrgast eine ähnliche Route hat, du die einzige Person im Shuttle bist. Wenn andere Passagiere mitfahren, können Umwege von bis zu 50 Prozent entstehen. Ein kleines Übel, wenn du den Fahrpreis betrachtest: Du bezahlst nur rund die Hälfte einer normalen Taxifahrt. Zudem kannst du auf der Fahrt echt tolle Bekanntschaften machen.

Anders als du es von Taxis kennst, ist es wichtig, dass du rechtzeitig am markierten Abholort bist. Die Fahrer können nämlich nur kurz auf dich warten. 90 Sekunden wartet der BerlKönig auf dich, CleverShuttle sogar 120 Sekunden. Solltest du den BerlKönig verpassen, werden die prognostizierten Fahrkosten dennoch berechnet.

Die Ridesharing-Anbieter im Vergleich: BerlKönig und CleverShuttle

Der BerlKönig 

Der BerlKönig bietet seinen Fahrservice ausschließlich in Berlin an, denn er ist ein Service des Nahverkehr-Anbieters BVG. Die Wagen halten an BVG-Haltestellen sowie Kreuzungen, beziehungsweise festen Haltepunkten, die dir in der App angezeigt werden, sobald du den Start- und Zielort eingegeben hast. Die Fahrzeuge kannst du eigentlich nicht übersehen: Auf den schwarzen Wagen steht in fetten BVG-gelben Lettern „BerlKönig“. Die Flotte ist mit V-Klasse Vans von Mercedes-Benz mit bis zu acht Sitzplätzen sowie mit vollelektronischen Mercedes Mini-Vans Typ B250e mit vier Plätzen, ausgestattet. Fast alle Fahrzeuge fahren mit Strom, was die Fahrt etwas umweltfreundlicher macht.

Das musst du außerdem über BerlKönig wissen

  • Bis zu sechs Passagiere können gleichzeitig den Service in Anspruch nehmen.
  • Du kannst per Paypal oder Kreditkarte bezahlen.
  • Fahrtzeiten: Sieben Tage die Woche – rund um die Uhr.
  • Zu Stoßzeiten gibt es einen Zuschlag.
  • Um die 100 BerlKönige sind auf den Berliner Straßen unterwegs – in Zukunft sollen es 300 werden.
  • 80 Prozent der Autoflotte fährt mit Strom.

Die BVG hat zusammen mit VIo Van den Berlkönig-Shuttle auf die Straßen gebracht.

CleverShuttle

Bei CleverShuttle sammeln dich die Autos direkt an der Adresse ein, die du eingibst und setzen dich auch wieder am gewünschten Zielort ab. Zumeist handelt es sich bei den Shuttles um Kompaktwagen oder auch Vans. Das Besondere: Die gesamte Flotte ist grün. Du fährst also in einem Elektro-Auto, das mit Ökostrom betrieben wird.

Neben Berlin ist CleverShuttle in folgenden Städten vertreten: Hamburg, Leipzig, Dresden, München, Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln und Kiel. So kannst du bequem bei einem Besuch in den anderen Städten das Angebot ohne eine erneute Registrierung nutzen.

Das musst du außerdem über CleverShuttle wissen

  • Du kannst per Kreditkarte, Paypal oder in Bar bezahlen.
  • Für Gepäck, das die Maße von 55x40x23 überschreitet, musst du einen zusätzlichen Sitzplatz buchen.
  • Fahrtzeiten: Montag bis Donnerstag fährt der Shuttle von 9 Uhr bis 4 Uhr morgens. Von Freitag ab 9 Uhr bis Montag um 4 Uhr ist der Shuttle durchgehend in Betrieb.
  • Im Loyalty-Programm kannst du CleverPoints sammeln und Prämien erhalten.
  • Die Autoflotte besteht aus rund 30 Elektro- und Wasserstofffahrzeugen, sie soll bis Ende des Jahres jedoch auf 150 aufgestockt werden.

CleverShuttle will 150 Fahrzeuge durch Berlin rollen lassen.

Was kostet die Fahrt beim Ridesharing?

Schon vor der Buchung zeigt dir die App den finalen Preis an: Ein Algorithmus berechnet die Route und spuckt daraufhin den Preis aus, zu dem du buchen kannst. Erst mit der Bestätigung willigst du der Fahrt und dem Preis ein. So kommen bei Umwegen oder Stau auch keine zusätzlichen Kosten dazu. Das einzige, mit dem du rechnen musst, sind die Umwege durch andere Passagiere.

Der BerlKönig berechnet eine feste Kilometerpauschale von 1,50 Euro. Unabhängig von der gefahrenen Strecke wird immer ein Mindestpreis von 4 Euro fällig. Die Fahrt kann ausschließlich über eine der hinterlegten Zahlmethoden in der App beglichen werden. Bei Berliner Taxen wird hingegen ein Grundpreis von 3,90 Euro fällig und die ersten sieben Kilometer kosten jeweils 2 Euro.

Bei CleverShuttle berechnet sich der Preis auf Basis eines gestaffelten Kilometerpreises und der Anzahl der Sitzplätze. Im CleverShuttle kannst du die Fahrtkosten zusätzlich zur Online-Zahlung auch direkt beim Fahrer in bar bezahlen. Preislich kann die Fahrt bis zu 50 Prozent günstiger als eine Taxifahrt sein.

Preisvorteil durch Beifahrer und Mitreisende 

Noch günstiger ist es, die Fahrt gemeinsam anzutreten. Wenn du einen Shuttle gleich für mehrere Personen buchst, bezahlen deine Mitfahrer beim BerlKönig nur die Hälfte des üblichen Fahrpreises. Und auch bei CleverShuttle ist der Preis für deine Mitreisenden günstiger als der reguläre Preis.

Du musst deine Mitfahrer dafür jedoch schon vor Fahrtantritt in der App angeben, denn nur so werden sie mitgenommen. Zudem müsst ihr die gleiche Strecke fahren. Die Buchung und Bezahlung läuft somit über eine gemeinsame Fahrtanfrage. Wenn noch fremde Passagiere während deiner Fahrt zusteigen, ändert sich an deinem Preis nichts mehr, sondern er bleibt so, wie er vor Fahrtantritt angegeben wurde.

Wo kannst du den Service nutzen?

Bisher bieten die beiden Anbieter ihren Dienst nicht in ganz Berlin an. Der BerlKönig fährt innerhalb des östlichen S-Bahn-Ringes sowie im Gesundbrunnen-, Michelangelokiez und im Komponistenviertel. Dazu zählen ebenfalls Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg.

Das Geschäftsgebiet vom BerlKönig.

CleverShuttle ist in einem zirka 300 Kilometer großen Stadtgebiet unterwegs, was rund ein Drittel von Berlin ist und das gesamte Zentrum und die Szenebezirke abdeckt.

Das Geschäftsgebiet von CleverShuttle.

Taxisharing mit „Free Now“ – ehemalig MyTaxi

Der Taxivermittler MyTaxi ist jetzt Free Now und bietet dir nun nicht mehr nur die Taxi-Buchung per App an, sondern auch eine Art Ridesharing-Service in Taxen. Dadurch soll die Taxifahrt bis zu 50 Prozent günstiger sein als regulär. Für wenig Geld genießt du somit den Komfort einer Taxifahrt – jedoch kann es sein, dass du aufgrund deines Mitfahrers einen kleinen Umweg fährst.

Das Angebot basiert – nicht wie bei CleverShuttle und Berlkönig – auf einer festen Unternehmensflotte, sondern auf der Kooperation mit Taxiunternehmen und -fahrern, die du auf in „Free Now“-App unter dem Taxisharing-Button „Match“ buchen kannst.

Wie funktioniert Taxisharing?

Bei Match werden die Anfragen von zwei Gästen, die zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung wollen, zusammengelegt und berechnet. Heißt, wenn du eine Fahrt von A nach B anfragst, werden dir nicht nur die Preise von den normalen Taxi-Buchungsmöglichkeiten angezeigt, sondern auch die der Taxisharing-Fahrt. Genauso wie bei der regulären Taxi-Buchung, wird dir angezeigt, wann das Taxi kommen wird. Ob noch jemand anderes mit dir im Wagen sein wird, erfährst du jedoch erst, wenn du die Fahrt antrittst. Das Gute bei Match: Auch wenn kein anderer mitfährt, bezahlst 30 Prozent weniger als den regulären Taxipreis. Bezahlen kannst du per App (Paypal, Lastschrift, Kreditkarte, Google und Apple Pay).

Wo gibt es „Match“?

Match gibt es bisher in Berlin und in Hamburg. Die Berliner können den Service innerhalb des S-Bahn-Rings nutzen – sieben Tage die Woche, rund um die Uhr.

Free Now "Match" bietet Taxisharing innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings an.

Free Now bietet den Taxisharing-Dienst „Match“ innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings an.